Nach dem Prozess um den Bundeswehr-Skandal in Münster ist die Aufarbeitung der Rekrutenmisshandlungen noch nicht beendet. Nach den eher milden Urteilen der Richter gibt es interne Disziplinarverfahren.
Nach Abschluss des Bundeswehrprozesses in Münster ist die Aufarbeitung der Rekrutenmisshandlungen laut Bundeswehrverband noch nicht beendet. Die Urteile vom Mittwoch seien vielmehr der "Startschuss" für die "disziplinare Aufarbeitung", sagte der Vorsitzende des Verbandes, Oberst Bernhard Gertz. In diesem Disziplinarverfahren zu den Vorfällen in der Coesfelder Freiherr-vom-Stein-Kaserne werde untersucht, "ob Vorgesetzte gegen ihre Pflichten verstoßen haben, indem sie zum Beispiel den Respekt vor der Würde des Menschen haben vermissen lassen".
Die Urteile im Bundeswehr-Skandal sind gesprochen. (© Foto: dpa)
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Unabhängig vom subjektiven Empfinden mancher Rekruten, die die simulierten Geiselnahmen als "Highlight" ihrer Ausbildung bezeichnet hätten, sieht Gertz in den Vorfällen klare Pflichtverletzungen der Vorgesetzten: Es sei ein Grundsatz seit Bestehen der Bundeswehr, das ein Vorgesetzter seine Soldaten nicht einmal anfassen dürfe, geschweige denn Stromstöße verpassen, ihnen Wasser einflößen, ode anderes mehr, sagte er.
Im Prozess um die Misshandlung von Rekruten in einer Kaserne in Coesfeld sind fünf Bundeswehrausbilder zu Bewährungsstrafen zwischen zehn und 20 Monaten verurteilt worden. Der ehemalige Kompaniechef der Coesfelder Freiherr-vom-Stein-Kaserne muss eine Geldstrafe von 7500 Euro zahlen, entschied das Landgericht Münster am Mittwoch. Drei Ausbilder wurden nach dem einjährigen Prozess freigesprochen, ein Verfahren wurde eingestellt.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass es zwischen Juni und September 2004 bei vier simulierten Geiselnahmen zu Misshandlungen von insgesamt 163 Rekruten gekommen ist. Diese waren mit Schlägen und Stromstößen aus einem Fernmeldegerät gequält worden. Außerdem hatten die Ausbilder ihnen mit einer Kübelspritze Wasser in den Mund und in die Hose gepumpt.
Die Verteidiger hatten auf Freispruch für die Ausbilder plädiert. Keiner der Rekruten habe sich über die Übungen beschwert oder sei zu Schaden gekommen, argumentierten sie. Die meisten von ihnen hätten diese Übungen als erlebnisreichen und innovativen Höhepunkt ihrer Grundausbildung geschildert. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen in ihrem Plädoyer von "Exzessen und durch nichts zu rechtfertigenden Taten" gesprochen, und von einer "Menschenverachtung, die kaum zu überbieten ist".
Erst zweieinhalb Jahre nach Bekanntwerden der Misshandlungen in der Coesfelder Freiherr-vom-Stein-Kaserne wurde am 19. März 2007 das aufwendige Verfahren gegen die 18 Offiziere und Unteroffiziere vor dem Landgericht Münster eröffnet. Die Verfahren gegen acht Angeklagte waren schon zuvor abgeschlossen worden, mit einer Bewährungsstrafe, zwei Verfahrenseinstellungen und fünf Geldstrafen.
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(dpa/jüsc)
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Lieber Schützenkönig,
selbst ein "systematischer" Vergleich ist hier wohl nicht zulässig. Sie würden dann ja behaupten, dass das Bundeswehr System darauf abzielt, ihre Soldaten dahingehend zu drillen, dass die in die Lage gebracht werden, Misshandlungen an Gefangenen vorzunehmen.
Das kann ich so absolut nicht nachvollziehen. Und mehr kann ich zu solchen systematischen Vergleichen nicht sagen.
Danke für den Link - interessanter Artikel .. muss ich jetzt aber noch lesen, bevor ich antworte.
Ziel der Ausbildung bei der BW, ist aber nicht, die Ausbilder in ihren Rollen als Entführer oder Verhörer zu stählen.
Sondern die Soldaten auf die mögliche Situation einer Gefangenschaft oder Geiselnahme vorzubereiten. Wie verhält man sich, wie gehe ich mit meiner Angst um, wie kann ich das psxchisch durchstehen, ohne den Überlebenswillen zu verlieren.
Aber zugegeben. Wer als Ausbilder zu oft solche Spielchen spielt ... ich muss dir glaube ich etwas recht geben .. das bleibt dann auch nicht spurlos (wwie man vielleicht an diesem Fall dann doch sehen kann)
meine Dienstzeit liegt schon lang zurück: 1969-1971. Die Ausbildung der Fallschirmjäger war damals in Misskredit gekommen durch die "Vorfälle in Nagold". Als Zugführer, der kurz nach diesen Vorfällen kam, hatte ich die Gelegenheit vor Ort einige Hintergründe zu erkennen: Übereifer, öder Dienstbetrieb, mangelnde Dienstaufsicht und Machtmissbrauch. Diese Kriterien scheinen aktuell zu sein. Die Grundfrage ist jedoch: was gibt die "hohe Führung" (Verteidigungsministerium) ihren Offizieren und Unteroffizieren an die Hand, damit der Wandel der Bundeswehr in die Praxis umgesetzt wird ? Entlassungen von Generälen durch den Verteidigungsminister aus unsäglichen Gründen ist lediglich die Spitze des Eisberges, aber wohl symptomatisch. Selbst einem Reservistenverband wird Kasernenverbot angedroht, wenn er sich zu dem entlassenen Kameraden bekennt....!! Die politische Führung lässt ihre Soldaten kümmerlich allein; zu allem Überfluss auch noch aus "politischen" Gründen. Die Anpassung der Armee an die aktuellen Aufgaben geht weiter als die überholte Diskussion über Wehrpflicht und Berufssoldat; eine passende "Innere Führung" muss her und zwar unverzüglich.
jeder Soldat, der in einen Auslandeinsatz geschickt wird, durchläuft das eien spezielle Ausbildung. Neben solchen krassen Übungen finden auch Sani-Kurse statt. Da wird einem fast schlecht bei. denn stabile Seitenlage ist das eine. Was aber tun, wenn der Kamerad plötzlich mit nur noch einem Bein neben einem liegt, ist da eher Schwerpunkt. In Wort, Bild und praktischen Übungen (also einsatz, VBorfall, Bergung Verltzter, die dann blutend udn schreiend im Graben liegen - das ist in der Übungssituation eindrucksvoll)
Von den Seminaren zum Thema Minenkunde will ich gar nicht anfangen. Das ist ekelig.
Man kann das schlecht finden, dass die BW bei Auslandseinsätzen mitmischt, da ist viel Kritik richtig, aber hier off topic. Noch schlimmer finde ich aber, wenn man Menschen, ohne einigermaßen vernünftige Vorbereitung irgendwio hinschickt. Deswegen halte ich solche Ausbildungen für sinnvoll.
Um Mißverständissen vorzubeugen: NICHT für Grundis, sondern für Berufsoldaten.
Die Ausbildungsrichtlinien sind ganz klar auf eine Freiwilligenarmee ausgerichtet, die nicht an Kampfeinsätzen teilnehmen. Insofern haben hier die Ausbilder versagt, korrekt.
Das wird sich in Zukunft allerdings nicht halten lassen, zumal dann nicht, wenn die BW im Rahmen der NATO verstärkt an "friedensschaffenden" (also Kampfeinsätzen) Waffengängen teilnehmen wird/muß/soll.
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