Unglück im Autobahntunnel Schwerer Busunfall in der Schweiz - mindestens 28 Tote

Bei einem Busunglück in der Schweiz sind mindestens 28 Menschen ums Leben gekommen - unter ihnen 22 Kinder. Der Bus mit zwei Schulklassen aus Belgien prallte in der Nacht in einem Autobahntunnel gegen die Wand einer Nothaltestelle.

Bei einem schweren Verkehrsunfall im Schweizer Kanton Wallis sind 28 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Toten sind auch 22 Kinder, 24 weitere Kinder wurden bei dem Unfall eines belgischen Reisebusses verletzt. Der Bus fuhr am Dienstagabend gegen 21:15 Uhr aus noch ungeklärter Ursache in einem Autobahntunnel der A 9 bei Sierre (Siders) gegen die Tunnelwand und prallte daraufhin frontal in die Wand einer Nothaltestelle. Der Bus wurde bei dem Aufprall schwer beschädigt, zahlreiche Insassen waren in dem Wrack gefangen.

"Mit voller Wucht" sei das Fahrzeug in die Mauer gekracht, berichtet das regionale Nachrichtenportal 1815.ch unter Berufung auf den Sprecher der Kantonspolizei, Renato Kalbermatten. Eine Tragödie dieses Ausmaßes habe es im Wallis noch nie gegeben, sagte der Kommandant der Polizeibehörde, Christian Varone, der Boulevardzeitung Blick.

Im Bus befanden sich nach Angaben der Behörden 52 Menschen. Es handle sich unter anderem um zwei Schulklassen aus Lommel und Heverlee in Flandern, die im Schweizer Val d'Anniviers ihre Skiferien verbracht hatten und auf der Heimreise nach Belgien waren. Die Kinder waren etwa zwölf Jahre alt.

Während die Polizei erst nur von Schwerverletzten berichtete, korrigierten die Behörden bei einer Presskonferenz vor Ort diese Angaben am Donnerstagmorgen. Unter den Toten sind auch die beiden Busfahrer.

Die Rettungsaktion im Tunnel dauerte die ganze Nacht über an. Insgesamt 200 Helfer waren im Einsatz, darunter 15 Ärzte. Ein Dutzend Hubschrauber und Krankenwagen brachten die Verletzten in vier umliegende Krankenhäuser. Der Autobahntunnel musste für jeglichen Verkehr gesperrt werden. Berichten Schweizer Medien zufolge war den Mitarbeitern von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst die Belastung des nächtlichen Einsatzes anzusehen, einige kämpften demnach mit den Tränen.

Angehörige im Wallis erwartet

Die Angehörigen der Opfer werden am Vormittag im Wallis erwartet. Sie sollen von Psychologen begleitet und betreut werden. Die Kantonspolizei hat für Angehörige eine Telefonhotline eingerichtet.

Der Walliser Regierungspräsident Jacques Melly sprach laut blick.ch von "großer Betroffenheit" und "immenser Trauer". Er sprach den betroffenen Familien sein Beileid aus und dankte den Rettungskräften, die unter sehr schwierigen Bedingungen ihren Dienst getan hätten. Der Leiter der Kantonalen Walliser Rettungsorganisation (KWRO), Jean-Pierre Deslarzes, rang dem Bericht zufolge "sichtlich um Worte". Alle im Einsatz stehenden Helfer seien geschockt von dem, was sie erlebt hätten, sagte er. Die Tatsache, dass Kinder betroffen seien, habe alles noch schwerer gemacht.

Die Bundesversammlung, das Schweizer Parlament, gedachte der Unfallopfer. "Wir haben mit großer Bestürzung vom schweren Unglück des belgischen Reisecars im Wallis erfahren", sagte Nationalratspräsident Hansjörg Walter. Die Gedanken der Räte weilten bei den Verunglückten und bei deren Angehörigen. Den Verletzten wünschte Walter rasche Genesung und eine gute Heimkehr nach Belgien. Die Mitglieder der Bundesversammlung forderte er zu einer Schweigeminute auf.

"Sehr trauriger Tag für Belgien"

Der belgische Botschafter in der Schweiz, Jan Luykx, war blick.ch zufolge am Morgen am Unfallort zugegen. "Dieses Drama wird ganz Belgien erschüttern", sagte Luykx demnach. Das Ausmaß des Unfalls sei schwer fassbar. Im Moment konzentriere er sich auf praktische Dinge, sagte der Botschafter. Die Emotionen würden dann hochkommen, wenn er den Familien der Opfer begegne.

Belgiens Ministerpräsident Elio Di Rupo sprach von "einem sehr traurigen Tag für Belgien". Außenminister Didier Reynders bezeichnete den Unfall als unerklärlich. Die Hilflosigkeit der Angehörigen sei umso größer, weil etliche noch nicht wüssten, was mit ihren Kindern passiert sei, sagte der Außenminister, der sich momentan auf einer Auslandsreise in Vietnam befindet.