Umweltkatastrophe auf der Nordsee Ölteppich zieht sich über 30 Kilometer

Aus dem Leck an der Shell-Bohrinsel Gannet Alpha ist weit mehr Öl ausgeströmt als bislang bekannt. Vor der schottischen Küste sind Hunderte Tonnen ausgetreten - der schwerste Öl-Unfall in der Nordsee seit einem Jahrzehnt.

An einer Plattform des Konzerns Shell in der zentralen Nordsee sind nach einem Leck größere Mengen Öl ausgeflossen. Auf dem Wasser treibe eine 31 Kilometer lange Ölschicht mit einer Maximalbreite von 4,3 Kilometern, teilte Shell am Sonntag mit. "Wir gehen davon aus, dass das Öl auf natürliche Weise durch die Wellenaktivitäten aufgelöst wird und keinen Strand erreichen wird", heißt es in einer Erklärung des Ölkonzerns.

Gannet Alpha: Größtes Öl-Leck in der Nordsee seit einem Jahrzehnt.

(Foto: dpa)

Aus dem am Mittwoch an der Plattform Gannet Alpha etwa 180 Kilometer östlich von Abderdeen entdeckte Leck sind bisher 216 Tonnen oder etwa 1300 Fass Öl ins Meer geflossen, gab Shell am Montag zu. Die Abdichtungsarbeiten hätten den Ausfluss inzwischen auf etwa fünf Fass täglich beschränkt. Die schottische Regionalregierung hatte in einer ersten Schätzung von insgesamt 100 Tonnen gesprochen. Nach Angaben der britischen Behörden handelt es sich um den größten Störfall dieser Art seit mehr als einem Jahrzehnt - im Jahr 200 sind 500 Tonnen Öl ins Meer gelaufen.

Im Jahr 2009 dagegen habe die komplette Menge Öl, die in die Nordsee geflossen sei, bei 50,93 Tonnen gelegen. Zu dem aktuellen Vorfall teilte Shell deshalb mit: "Dies ist im Kontext der jährlich in die Nordsee auslaufenden Menge Öl eine signifikante Menge." Man nehme den Fall sehr ernst.

Öl-Förderung in der Nordsee immer schwieriger

Nach Shell-Angaben wurde ein ferngesteuerter Unterwasser-Roboter eingesetzt, um das Problem zu erkunden. Auch stehe ein Boot mit Chemikalien zum Binden von Öl bereit. Zudem beobachte man die Situation von einem Flugzeug aus. Das Gannet-Ölfeld wurde zu Beginn der 1970er Jahre entdeckt und später erschlossen. Das Wasser ist an dieser Stelle etwa 100 Meter tief.

Das britische Energie- und Klimaministerium teilte mit, der Vorfall werde untersucht. Man habe von Shell Information bekommen, die Menge an Öl, die freigesetzt werden könnte, sei begrenzt, sagte ein Sprecher. Im Gannet-Ölfeld wurden nach einem Bericht des Senders BBC täglich 13.500 Barrel Öl produziert. Es werde zwar von Shell betrieben, doch auch der Konzern Esso, der zum US-Riesen Exxon gehört, habe Anteile daran.

Umweltorganisationen kritisierten die Förderung von Öl aus der Nordsee. Diese werde immer schwieriger und gefährde sowohl die Küstengemeinden Schottlands als auch die Wirtschaft, erklärte Juliet Swann von "Friends of the Earth". Dieser Vorfall zeige deutlich, "dass schwere Ölunfälle auch in der Nordsee möglich sind", sagte Jörg Feddern von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Plattform-Betreiber müssten durch die Politik endlich dazu verpflichtet werden, ihre Pläne für solche Notfälle öffentlich darzulegen.