Thomas Wolf verhaftet Auf der Reeperbahn abends um halb sieben

Festnahme nach neun Jahren Flucht: Thomas Wolf, einer der meistgesuchten Verbrecher Deutschlands, ist in Hamburg gefasst worden.

Von J. Schneider

Es ist fast genau neun Jahre her. Ende April des Jahres 2000 erbeutete ein Bankräuber beim Überfall auf eine Commerzbank in Hamburg-Altona eine halbe Million Mark. Es soll nach den Erkenntnissen der Polizei der heute 56 Jahre alte Thomas Wolf gewesen sein.

Thomas Wolf; ddp

Fahndungsfoto des mutmaßlichen Gewalttäters Thomas Wolf (Archiv)

(Foto: Foto: ddp)

Wolf war kurz zuvor von einem Hafturlaub nicht zurückgekehrt. Neun Jahre lang wurde seither nach ihm gefahndet, Wolf wurde zum meistgesuchten Gewaltverbrecher Deutschlands. Auf seiner Fährte verfolgte die Polizei immer neue Taten, auch in den Nachbarländern Belgien und den Niederlanden.

Ende März diesen Jahres soll Wolf in Wiesbaden die Frau eines Bankiers entführt und 1,8 Millionen Euro erpresst haben. Nun endete seine Flucht nur wenige Autominuten vom Ort des Bankraubs aus dem Jahr 2000. Im Stadtteil St. Pauli, auf der Reeperbahn, nahmen Zielfahnder der Polizei ihn am Donnerstagabend gegen 18.30 Uhr fest.

Es habe einen Hinweis gegeben, teilte ein Sprecher der Polizei am Abend mit. Wolf sei überrascht worden, und der Mann, vor dessen großer Gewaltbereitschaft in den Fahndungsmitteilungen des Bundeskriminalamts (BKA) ("Vorsicht! Thomas Wolf ist bewaffnet") gewarnt wurde, habe sich ohne Widerstand vor einem Lokal auf der Hauptstraße des Amüsierviertels verhaften lassen. An der Festnahme sei auch das Mobile Einsatzkommando beteiligt gewesen.

Den Angaben zufolge wollte Wolf zunächst nicht sagen, ob er der Gesuchte ist. Die Bestätigung gelang schließlich mit Hilfe des BKA, bei dem Wolf als einer der meistgesuchten Verbrecher ausgeschrieben war. Zwei Mal hatte auch die Fernsehsendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" die Suche unterstützt. Der Polizeisprecher wollte keine Angaben darüber machen, woher der Tipp zur Festnahme von Wolf gekommen war.

Es war vor allem die Entführung in Hessen Ende März gewesen, die Wolf zuletzt in den öffentlichen Fokus gebracht hatte. Nach Erkenntnissen der Ermittler soll er am 27. März in Wiesbaden die Frau eines leitenden Bank-Mitarbeiters verschleppt haben. Die Frau konnte sich nach der Zahlung des Lösegeldes selbst befreien. Mit den 1,8 Millionen Euro floh der 56-Jährige anschließend in einem Mietauto. Allein für Hinweise zu dieser Tat war eine Belohnung von 100.000 Euro ausgesetzt.

Bevor Wolf zur Jahreswende 2000 einen Freigang zur Flucht nutzte, saß er in der Haftanstalt Moers-Kapellen unter anderem wegen Bankraubes ein. Er sollte in der Haftanstalt eigentlich noch eine sechsjährige Reststrafe von insgesamt 21 Jahren verbüßen. Seit seiner Flucht soll er in den vergangenen neun Jahren weitere Überfälle verübt haben, ansonsten aber weitgehend unauffällig mit seiner Lebensgefährtin in Frankfurt gelebt haben.

Er gab sich Berichten zufolge als Niederländer aus und nannte sich David van Dijk. Seinen Lebensunterhalt soll er zunächst aus der Beute des Bankraubs in Hamburg bestritten haben.

Sportlich und sprachbegabt

Der gebürtige Düsseldorfer spricht dem Vernehmen nach fließend Englisch und gab sich offenbar gelegentlich auch als Engländer aus, in anderen Fällen als Ire und auch als Skandinavier. Das Bundeskriminalamt beschrieb Wolf in seinen Fahndungen als sehr sportlich. Er habe vermutlich in Frankfurt in den vergangenen Jahren in diversen Fitnessstudios Kraftsport getrieben und sei oft in den Bädern der Stadt zum Schwimmen gewesen. Zudem habe Wolf sich öffentlich recht gern in Gaststätten und Kneipen Frankfurts aufgehalten und Gespräche mit den Wirten, Bedienungen und anderen Gästen geführt.

Vor seiner Festnahme in Hamburg soll Wolf zuletzt in Hessen gesehen worden sein. Wie die Polizei dort Mitte Mai mitteilte, wollte ein Spaziergänger ihn im Hochtaunuskreis bei Frankfurt gesehen haben. Seither lief die Fahndung im Rhein-Main-Gebiet "erneut auf Hochtouren", betonten die Ermittler damals. Wolf habe versucht, sich in einem Wald in Friedrichsdorf-Köppern vor einem das Gelände überfliegenden Hubschrauber zu verstecken, um nicht gesehen zu werden, und sei später davongelaufen.

Wolf befand sich am Donnerstagabend noch bei der Hamburger Polizei und soll wahrscheinlich nach Frankfurt überstellt werden. An diesem Freitag will die Polizei Details bekanntgeben.