Streit um Roma-Mädchen Maria Leibliche Mutter fordert Kind zurück

Aus finanzieller Not, aber nicht gegen Geld habe sie Maria weggegeben, beteuert die Mutter des Roma-Mädchens. Sie will ihre Tochter nun zurück. Doch auch die Zieheltern des Mädchens melden Ansprüche an.

"Ich habe sie nicht verkauft": Die leibliche Mutter des Mädchens Maria hat ihre Tochter nach eigenen Angaben vor vier Jahren in Griechenland aus finanzieller Not in fremde Hände gegeben, aber kein Geld entgegengenommen.

"Ich habe sie weggegeben, ich habe einen Fehler gemacht", sagte die 35-Jährige Bulgarin Sascha Rusewa am Sonntag dem Fernsehsender TV7. Als Maria sieben Monate alt gewesen sei, habe sie Griechenland verlassen müssen, aber keine Papiere für das Mädchen gehabt - und es deshalb einer kinderlosen Frau überlassen, sagte Rusewa weiter. Den Reportern des US-Senders CNN, wo Rusewa ebenfalls zu Gast war, sagte sie, sie hätte die Frau nicht gekannt, ihren Namen nicht gewusst. "Sie war Bulgarin. Sie sah gut aus, ihre Haut war nicht sehr hell, ihr Haar blond gefärbt." Bei der Frau soll es sich nicht um die Frau gehandelt haben, bei der das Kind nun, vier Jahre später, entdeckt wurde.

Rusewa kehrte ohne Maria nach Bulgarien zurück. Dort bekam sie zwei weitere Kinder und hatte nach eigenen Angaben nie genug Geld, um nach Griechenland zu reisen und ihre Tochter zu sich zu holen. Nun beteuert sie, ihr Tochter zurück zu wollen. "Ich will Maria zurückhaben!", sagt die 35-Jährige. "Ich bin ihre Mutter, wie könnte ich es nicht wollen?"

Doch nicht nur ihre leibliche Mutter will Maria zurück, auch ihre Zieheltern fordern von den griechischen Behörden die Rückgabe des Mädchens: "Sie sind diejenigen, die es aufgezogen haben und die es lieben", sagte ihre Anwältin. Das Roma-Paar verlange außerdem seine Freilassung aus der U-Haft und werde Beschwerde gegen seine Festnahme einlegen. Die Zieheltern hätten "von Anfang an" angegeben, das Kind von einer Bulgarin übernommen zu haben, sagte die Anwältin. Sie hätten Rusewa als die Frau erkannt, die ihnen das Kind überlassen habe. Geld sei dabei nicht geflossen.

Die griechischen Behörden müssen nun entscheiden, ob Maria nach Bulgarien geschickt wird, zu ihren griechischen Zieheltern zurückkehrt oder zur Adoption freigegeben wird. Der Leiter der griechischen Kinderhilfsorganisation, bei der Maria jetzt untergebracht ist, rechnet damit, dass sie in eine Pflegefamilie kommt. Seine Organisation Kinderlächeln habe etliche Hinweise erhalten, wonach Maria für ihre Zieheltern betteln gehen musste, sagte Konstantinos Giannopoulos der Zeitung Welt am Sonntag.

Die Polizei hatte die vierjährige Maria am 16. Oktober bei einer Razzia in einem Roma-Lager nahe der zentralgriechischen Stadt Farsala aufgegriffen. Weil das Mädchen mit seiner hellen Haut, den blassblauen Augen und blonden Haaren seinen dunkelhäutigen Zieheltern nicht ähnlich sah, bezichtigten die Beamten diese des Kindesraubs. Am Freitag wurde durch eine Überprüfung des Erbguts festgestellt, dass Maria Rusewas leibliche Tochter ist. In der Familie kommen laut bulgarischen Ärzten Albino-Gene vor. Dies erkläre die helle Haut und das blonde Haar des Mädchens.