Streit bei NRW-Polizei Aufstand gegen die Russenmützen

Frieren wollen die Polizisten in Nordrhein-Westfalen zwar nicht, aber mit der offiziellen Wintermütze trauen sie sich auch nicht auf die Straße. Das Fellmodell gebe die Beamten der Lächerlichkeit preis, kritisieren Polizei-Gewerkschafter. Sie haben einen Gegenoffensive mit Alternativ-Mützen gestartet.

Noch sind die Temperaturen eher frühlingshaft, doch das fellige Monster wirft schon seinen unheilvollen Schatten voraus: Wenn der Winter tatsächlich kommt, haben die Polizisten in Nordrhein-Westfalen keine Mützen, mit denen sie sich auf der Straße sehen lassen wollen. Die Stimmung unter den Polizisten in NRW ist gereizt, obwohl der Anlass, wie Polizei-Gewerkschaftschef Frank Richter einräumt, eher banal ist. "Seit drei Jahren warten die Kollegen auf eine anständige Wintermütze."

Welche Mütze schickt sich für einen Polizisten? Die offizielle Variante (rechts) lehnt die Mehrheit der nordrhein-westfälischen Beamten ab, sie geben der Gewerkschafts-Alternative (links) den Vorzug.

(Foto: dpa)

Zwar ist es nicht so, als müssten die Beamten bei Frost und Schnee ohne Mütze die Stellung halten. Es geht vielmehr um das Modell: eine Fellmütze mit Ohrenklappen. Die kommt jedoch bei den Beamten gar nicht gut an. "Wir sind hier doch nicht in Moskau", schimpfen sie.

Beim Streit um die Mütze geht es außerdem ums Prinzip: Gab es bei der neuen blauen Uniform der Polizei Mitsprache und ein Auswahlverfahren, sei das bei der Wintermütze ganz anders gewesen, berichten die Beamten: "Die gab es als Cocktailkirsche oben drauf." Eine einsame Entscheidung aus dem Innenministerium in Düsseldorf sei das gewesen, also von dort, wo in der Regel keine Wintermützen getragen werden müssen.

Das Ergebnis: Den Polizisten wurde das gleiche Modell verpasst, das schon in grün jahrzehntelang in den Spinden einstaubte. "Warum, das wird wohl das ewige Geheimnis des großen Innenministeriums bleiben", stichelt Polizei-Gewerkschafter Richter. In anderen Bundesländern gebe es längst ansprechende Fleece-Mützen.

Mehr als 6000 Stück habe man von der Fell-Variante bereits angeschafft, berichtet das Beschaffungsamt der Polizei in Duisburg. Die Nachfrage sei groß und die Fellmütze für Minus-Temperaturen auch gut geeignet. Das wiederum regt die Beamten auf: "Was heißt große Nachfrage? Die wurden einfach bestellt, uns hat keiner gefragt", berichtet ein Polizist aus Düsseldorf. "Die hält zwar warm, aber die sieht einfach tierisch scheiße aus", findet Marco Spelleken, Polizist aus Bergheim. "Die grüne Fellmütze hat auch schon keiner angezogen." Außerdem sei sie unhandlich, passe in keine Uniformtasche und: "Sie juckt."

Passanten sehen die Sache indes nicht so dramatisch: "Die mit dem Fell sind doch gerade ganz modern."

Mützenersatz mit Makel

Doch Polizei-Gewerkschafter Richter zufolge wird die Fellmütze "von 80 Prozent der Kollegen abgelehnt". Deswegen hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) die landesweite "Aktion Wintermütze" gestartet und verteilt auf eigene Kosten 5000 Mützen. "Die finde ich super - definitiv besser als die andere, die lag nach zwei Tagen bei mir im Keller", sagt eine Polizistin in der Düsseldorfer Altstadt.

"Der Respekt vor der Polizei hat ohnehin abgenommen", sagt Polizei-Personalrat Manfred Böhm. "Es ist schwer genug geworden, sich durchzusetzen - etwa hier in der Düsseldorfer Altstadt. Da will man sich nicht noch zusätzlich lächerlich machen." Allerdings hat auch das Gewerkschafts-Modell seine Tücken: Es ist schwarz statt dunkelblau, trotz "Polizei"-Schriftzug keine offizielle Dienstbekleidung, besteht zu 100 Prozent aus Acryl, knistert und juckt. Dennoch: Viele Vorgesetzte duldeten das Tragen der Gewerkschafts- oder privater Wintermützen, berichten die Beamten.

Im Innenministerium hat man offenbar die Brisanz der Mützenfrage erkannt und hält sich bedeckt: Der Stellungnahme des Polizei-Landesamtes sei nichts hinzuzufügen, heißt es.