Staatsdiener in China Intime Bekenntnisse eines Beamten

In China kursieren Aufzeichnungen eines Beamten im Netz. Sex, Alkohol, Bestechung - er schreibt über sein Treiben während der Arbeitszeit.

Von Henrik Bork

Was genau machen eigentlich chinesische Beamte den ganzen Tag? Diese Frage ist nun beantwortet, jedenfalls was den Beamten Han Feng betrifft. Sein Tagebuch fand den Weg ins Internet. Millionen von Chinesen haben es inzwischen gelesen. Es dokumentiert für den Zeitraum September 2007 bis Januar 2008 vor allem drei Tätigkeiten, die sich fast täglich wiederholten. Han kassierte Schmiergelder. Han schlief mit einer seiner Geliebten. Han soff Unmengen von Alkohol.

Han Feng war Abteilungsleiter des örtlichen Tabakmonopolbüros des Städtchens Laibin in der Südwestprovinz Guangxi. In der Volksrepublik China hat sich der Staat das Monopol für den Verkauf von Tabak reserviert, was seine Beamten in eine beneidenswerte Position versetzt, wie dem Tagebuch zu entnehmen ist. Nachdem Hans Vorgesetzte öffentlich eingeräumt haben, dass der im Internet veröffentlichte Text zumindest "teilweise authentisch" sei, wurde das Schriftstück von mehreren chinesischen Medien veröffentlicht.

Die folgenden Auszüge stammen aus dem Jahr 2007: "16. September, Sonntag, 24 bis 31 Grad Celsius, sonnig. Wang Shucheng lud uns beide zum Lunch im Guijing-Hotel ein. Er gab mir zwei Flaschen Maotai-Schnaps und 50.000 Yuan in bar. Ich brachte 30.000 Yuan zur Bank und nahm 20.000 Yuan mit nach Hause. 18. September, Dienstag. 21 bis 32 Grad Celsius, sonnig. Ging zum Guoda-Hotel und mietete ein Zimmer. Ging zurück ins Büro.

Sex mit Xiao Tan

Yong Rixian und die anderen kamen vorbei. Sie machen morgen die Kommissarsprüfung. Trank eine Menge Rotwein mit ihnen an diesem Abend. Gegen elf Uhr kehrte ich zurück ins Guoda-Hotel. Xiao Tan war schon da. Ich schlief mit ihr. 19. September, Mittwoch, 21 bis 32 Grad Celsius, sonnig. Mittags kamen Hong He, Anhui, Li Yuefen und andere. Ich speiste mit ihnen zu Mittag. Trank eine Menge Schnaps. Schlief am Nachmittag. Ging abends ins Guoda-Hotel. Hatte Sex mit Xiao Tan. 20. September, Donnerstag, 19 bis 32 Grad Celsius, sonnig. Sehr müde. Ging erst nachmittags ins Büro. Chen Zhang kam vorbei und gab mir 20.000 Yuan." So geht es immer weiter.

Die Aufzählung wird, trotz einiger saftiger Details schnell langweilig. Einzelne Stellen aber fanden trotzdem sehr aufmerksame Leser. Pech für Han Feng war vor allem, dass er sämtliche Schmiergeldzahlungen akribisch dokumentiert hatte. Die Summen schwankten zwischen umgerechnet 220 und gut 11.000 Euro. Insgesamt verzeichnet sein Tagebuch über den Zeitraum von nur fünf Monaten Schmiergelder in Höhe von 162.000 Yuan (etwa 18.000 Euro), nicht weniger als 56 feuchtfröhliche Bankette und zahlreiche Intimkontakte.

Die Kommission prüft

Wie so vielen Beamten in China ist dem staatlichen Tabak-Kommissar allerdings am Ende nicht etwa das Kassieren von Schmiergeldern zum Verhängnis geworden. Das ist in Chinas Amtsstuben so weit verbreitet, dass sich deshalb kaum noch eine Augenbraue hebt. Vielmehr war es die Tatsache, dass der gehörnte Ehemann einer von Hans zahlreichen Konkubinen das Tagebuch fand und aus Rache ins Internet stellte. Da war auch die Zentralregierung zum Handeln gezwungen. Bald meldete die regierungsnahe Zeitung China Daily: "Han ist von seinen Posten zurückgetreten". Eine Disziplinarkommission werde das Tagebuch nun intensiv unter die Lupe nehmen.

"Han Feng war ein guter Beamter", kommentiert hingegen der bekannte chinesische Blogger Han Han. Er habe in sechs Monaten doch eine relativ geringe Summe an Schmiergeldern eingesteckt. "Wo finden wir heutzutage noch so einen sauberen Beamten wie Han Feng?", spottet der Blogger.