Sprachkritik an Traditionsessen Sinti und Roma loben Reaktion der Stadt

"Wir werfen nicht auf Zuruf Einzelner eine hundertjährige Tradition über Bord", sagt ein Sprecher des Verbands kulinarischer Lebensmittel. Die gesellschaftliche Diskussion werde zwar sehr genau beobachtet. Bisher sehe man aber keinen Grund für eine Umbenennung. Die meisten Menschen würden mit dem Begriff "Zigeunersoße" schließlich etwas Positives verbinden.

Auch der Hotel- und Gaststättenverband hält den Begriff "Zigeuner" für unproblematisch. Er stünde für pikantes Essen - und damit für Lebensfreude. Wenn Menschen sich diskriminiert fühlen, werde man das "natürlich ernst nehmen". Aber die Suche nach Alternativen sei eben nicht einfach. Lebensmittelbezeichnungen sollen dem Kunden schnelle Orientierung bieten, damit der es sich nicht kurzfristig noch anders überlegt.

Thomas Volk, 50, Küchenchef der Rathauskantine Hannover, hat nun jedenfalls sein "Zigeunerschnitzel" zum "Balkanschnitzel" umgetauft. "Nun ist das Gericht regional verankert und niemand muss sich mehr angegriffen fühlen", erklärt er. "Wir kochen hier schließlich im öffentlichen Dienst und der ist für alle Bürger da." Dass die Sprachkritik auch seine Küche erreicht hat, hält er für ein gutes Zeichen. "Nur, weil Begriffe wie Zigeuner vor 50 Jahren in Ordnung waren, müssen sie es ja heute nicht mehr sein", sagt der politisch korrekte Küchenmeister.

Der Vorsitzende des Forums der Sinti und Roma in Hannover, Regardo Rose, lobte die Reaktion der Stadt: "Das ist wirklich eine gute Nachricht und zumindest schon mal ein kleiner Erfolg." Für Küchenchef Volk spielt das Zigeunerschnitzel ohnehin keine große Rolle: "Bei den Fleischgerichten ist die Currywurst der Dauerbrenner." Aber mehr als fünfzig Prozent der Gäste in der Rathauskantine Hannover wählten mittlerweile ohnehin lieber ein rein vegetarisches Gericht.