Spekulationen um Michael Jackson "Ich weiß, ich bin schwarz"

Seine lilienweiße Haut schob Michael Jackson auf die Krankheit Vitiligo. Experten bezweifeln aber, dass sie ihn derart ausbleichte. Auch bei den Spekulationen um seine Kinder spielt die Hautfarbe eine Rolle.

Von Ch. Berndt

"Ich bin stolz, ein schwarzer Amerikaner zu sein", sagte Michael Jackson einmal im Fernsehen zur schwarzen US-Talk-Queen Oprah Winfrey. Das war 1993, und trotz aller Bekenntnisse waren schon damals seine Haare immer glatter und die Nase immer schmaler geworden. Längst wich auch schon die Farbe von ihm.

Popstar Michael Jackson - je älter der Afroamerikaner wurde, desto weißer wurde seine Haut

(Foto: Foto: dpa)

Dennoch fühle er sich wie ein Afroamerikaner, sagte er mal: "Wenn ich in den Spiegel schaue, weiß ich, ich bin schwarz." Er habe eine schwere Krankheit, versicherte der Popstar: Die Vitiligo zerstöre die Farbe seiner Haut.

Wie vollkommen dieses Zerstörungswerk war, wussten nach Jacksons Tod mehrere Beobachter zu berichten. "Er war lilienweiß von Kopf bis Fuß", sagte einer, der bei der Leichenschau dabei war, anonym dem US-Sender CNN. Ein weiterer Informand erzählte, Michael Jackson habe "papierweiße Haut" gehabt - "so weiß wie ein weißes T-Shirt".

Aber kann das wirklich die Vitiligo gewesen sein? Jacksons Fans und seine Familie wollten immer gerne glauben, dass Michael Jackson lieber schwarz geblieben wäre. Allerdings waren Jacksons Vertraute auch immer bereit, die Mythen rund um den "King of Pop" zu verbreiten.

Am Wochenende sagte La Toya Jackson britischen Zeitungen, sie wisse, dass ihr Bruder ermordet worden sei, und zwar gleich von einer ganzen Gruppe von Menschen. "Er war von einem schlechten Kreis umgeben. Michael war sehr bescheiden, ruhig und liebevoll. Das haben Leute ausgenutzt." Sie habe daher eine weitere Obduktion des noch immer nicht beerdigten Pop-Stars veranlasst.

Die Vitiligo wird dabei wohl eher keine Rolle spielen. Dabei ließen sich Beweise für die Krankheit leicht erbringen, die die Haut tatsächlich ausbleicht, weil das Immunsystem aus ungeklärten Gründen jene Zellen zerstört, die den Farbstoff Melanin bilden.

Wie viele Hautkrankheiten ist auch die Vitiligo seelisch oft schwer zu verkraften. Weil sich meist zunächst helle Flecken im Gesicht, am Hals und an den Händen bilden, starren Passanten oft irritiert auf die scheckige Haut. Besonders stark leiden Farbige unter der auch Weißfleckenkrankheit genannten Pigmentstörung, weil sie bei ihnen mehr ins Auge sticht.

Jackson tat alles dafür, dass die Menschen an seine Version von seiner Weißheit glaubten. Einmal luden seine Mitarbeiter sogar Vitiligo-Fachleute auf die Neverland-Ranch ein, um dort ein wissenschaftliches Symposium über die Pigmentstörung abzuhalten. Die Konferenz kam aber nie zustande.

Wahrscheinlich aus gutem Grund: Würde seine Version stimmen, wäre Michael Jackson nicht nur ein Ausnahme-Musiker gewesen, sondern auch ein Ausnahme-Patient. Dass ein Vitiligo-Kranker seine komplette Hautfarbe verliere, sei extrem unwahrscheinlich, meint der Vitiligo-Experte Matthias Augustin vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Und selbst dann bleibe der Patient fleckig. "Die Krankheit kann fortschreiten, dann werden die kleinen Flecken größer und fließen irgendwann zusammen", sagt Augustin, "aber eine komplette Pigmentfreiheit kommt quasi nicht vor."

Die Verwandlung

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