Solidaritätsaktion in Australien #IllRideWithYou - Mitfahrangebote für Muslime

Schon wenige Minuten nach Beginn der Geiselnahme in einem Café in Sydney wird über einen islamistischen Hintergrund spekuliert. Viele Muslime in Australien äußern daraufhin Furcht vor Anfeindungen. Über soziale Netzwerke bekommen sie Angebote von Menschen, die sie im öffentlichen Nahverkehr begleiten wollen.

Von Benjamin Romberg

Nicht alles ist sinnvoll, was im Zusammenhang mit der Geiselnahme in einem Café in Sydney über die sozialen Netzwerke verbreitet wird. Während ein bewaffneter Mann zwei Dutzend Menschen in seiner Gewalt hält, beweisen einige Schaulustige lediglich Feingefühl am Auslöser ihrer Kamera: Mehrere Selfies vom Ort des Geschehens sind bereits im Netz aufgetaucht.

Doch das ist glücklicherweise die Ausnahme. Anders ist es mit der Unterstützung für Muslime in Australien, die sich im Laufe des Tages auf Twitter verbreitete - und schließlich unter einem eigenen Hashtag gebündelt wurde: #IllRideWithYou. Ich fahre mit dir. So drückten viele Australier ihre Bereitschaft aus, Muslime in öffentlichen Verkehrsmitteln zu begleiten, die sich vor Anfeindungen fürchten.

Der Geiselnehmer verlangte Medienberichten zufolge eine Flagge der Terrorgruppe "Islamischer Staat" - allein die Vermutung, der Täter könnte einen islamistischen Hintergrund haben, genügte offenbar schon: Mehrere australische Radiosender berichteten von Anrufen muslimischer Hörer, die sich davor fürchteten, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen.

Twitter-Nutzerin Rachael Jacobs will eine muslimische Frau beobachtet haben, die neben ihr im Zug den Schleier abnahm. Jacobs berichtet auf Twitter, wie sie der Frau hinterhergelaufen sei und sie dazu aufgefordert habe, ihn wieder anzulegen: "Ich gehe mit dir." Die Frau habe geweint, schreibt Jacobs, sei dann aber alleine weitergegangen.

Twitter-Nutzerin Sir Tessa startete einen Aufruf: Wer sich aufgrund seines Glaubens und seiner Kleidung unsicher fühle, solle sich bei ihr melden - "ich fahre mit dir", schrieb sie. Wenige Momente später formulierte sie den Hashtag, unter dem schon nach wenigen Stunden mehr als 100 000 Tweets eingelaufen waren.

Zahlreiche Menschen boten Unterstützung bei Fahrten mit den Zügen und Bussen in und um Sydney an, und wenig später auch in anderen Teilen des Landes. Einige Prominente, darunter etwa Oppositionspolitiker Bill Shorten, zeigten ihre Begeisterung für die Aktion. Und viele Muslime bedankten sich für die Hilfsbereitschaft.

Um auch außerhalb der sozialen Netzwerke auf die Aktion aufmerksam zu machen, haben sich manche auch schon etwas überlegt. So sieht sinnvolles Bildmaterial zum Thema aus: