Silvesterbilanz Trauriger Start ins neue Jahr

Mit Raketen, Krachern und Böllerschüssen haben Millionen Menschen weltweit ausgelassen das neue Jahr begrüßt. Unfälle mit gefährlichen Feuerwerkskörpern forderten allerdings zahlreiche Verletzte und Tote, auch in Deutschland kam ein junger Mann dabei ums Leben. Die Ereignisse der Silvesternacht.

Knallen, zischen, rauchen - das gehört für viele Menschen zur Silvesternacht. Millionen Menschen weltweit haben mit Feuerwerken und Böllern ins Jahr 2012 gefeiert. Doch das Kracher-Schießen hat Opfer gefordert: zahlreiche Feiernde wurden verletzt, für mehrere endete die Silvesternacht tödlich.

Neujahr am Münchner Gärtnerplatz: Von der Silvesternacht sind nur noch Müll und Dreck übrig.

(Foto: Stephan Rumpf)

Im baden-württembergischen Göppingen kam ein 27 Jahre alter Mann ums Leben, weil ein Silvesterknaller in seiner Hand explodierte. Er starb noch im Rettungswagen. Der tödliche Böller, den der Mann nach ersten Erkenntnissen mitgebracht hatte, war den Angaben nach nicht im freien Handel zu kaufen. Die Polizei ermittelt noch, ob er ihn möglicherweise selbst gebaut hatte. Bei der Explosion wurden auch ein 20 Jahre alter Feiernder schwer und ein 39-Jähriger leicht verletzt.

In Siegen (Nordrhein-Westfalen) kam es bei einer privaten Silvesterfeier zu einer tödlichen Messerstecherei. Zwei 55 und 56 Jahre alte Männer hätten gemeinsam mit einer 65-Jährigen gefeiert, berichteten Staatsanwaltschaft und Polizei. Noch vor Mitternacht seien die Männer in Streit geraten. Dabei habe der 55-Jährige den älteren Mann mit mehreren Messerstichen verletzt. Das Opfer starb am Neujahrsmorgen im Krankenhaus. Der 55-Jährige wurde festgenommen.

Im unterfränkischen Würzburg ist ein 23-Jähriger ums Leben gekommen. Der Mann war nach einer Silvesterparty aus dem Fenster einer Wohnung im ersten Stock gestürzt und wenig später in einer Klinik gestorben. Ein Anwohner hatte den Mann am Sonntagmorgen auf dem Kopfsteinpflaster vor dem Haus gefunden. Nach einer Erstversorgung durch einen Notarzt wurde der Mann nach Polizeiangaben in ein Krankenhaus gebracht, dort erlag er jedoch seinen schweren Kopfverletzungen. Warum der aus Oberbayern stammende Mann aus dem Fenster fiel, war zunächst noch unklar. Wie die Polizei mitteilte, gibt es nach ersten Erkenntnissen keine Hinweise auf Fremdverschulden.

Randale in Leipzig

Im Leipziger Stadtteil Connewitz gingen etwa 40 größtenteils Betrunkene mit Flaschen und Steinen auf Polizisten los. Dabei wurden zwei Beamte verletzt. Schon zuvor seien Polizisten gezielt mit Feuerwerkskörpern beschossen worden, hieß es. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen konnten erst beendet werden, als die Polizei den betroffenen Straßenabschnitt räumte und dabei auch Tränengas einsetzte. Elf Personen wurden den Angaben zufolge in Gewahrsam genommen. Es wurden mehrere Strafverfahren wegen Körperverletzung, versuchter gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Widerstand gegen Polizisten eingeleitet.

Böllerunglück in Italien

Trotz weitgehender Verbote und eines harten Vorgehens der Behörden gegen illegale Feuerwerke sind in Italien bei Silvesterknallereien zwei Menschen ums Leben gekommen und mehr als hundert weitere verletzt worden. In Casandrino nahe der südlichen Stadt Neapel starb ein 39-jähriger Mann durch einen Querschläger, als Menschen Freudenschüsse in die Luft abfeuerten, wie italienische Medien berichteten. Die Kugel traf demnach den Mund des Mannes. In Palermo auf Sizilien verlor ein 14-jähriger Junge den Berichten zufolge durch Böller die Finger an einer Hand. Er werde zudem möglicherweise ein Auge verlieren.

In Rom starb ein 31-jähriger Mann, als er ein Feuerwerk anzündete. Dieses habe eine Reihe weiterer Knallkörper gezündet, wodurch die Wohnung in Brand geraten sei. Mehrere weitere Menschen wurden den Angaben zufolge bei dem Unfall verletzt, darunter vier Kinder. Erst wenige Tage zuvor hatte die Polizei in dem Gebäude rund 30 Kilogramm illegaler Feuerwerke beschlagnahmt. Der Fund wurde bei einer Durchsuchung gemacht, die Teil eines verstärkten Vorgehens gegen illegale Böller war.

In Italien werden jedes Jahr hunderte Menschen bei den Silvesterknallereien verletzt. Insgesamt beschlagnahmten die Behörden im Land sechs Tonnen Böller und Feuerwerke, hauptsächlich in Neapel. Vor allem im Süden Italiens wird die Tradition der Silvesterknallerei hochgehalten. In diesem Jahr verhängten mehrere Städte des Landes - darunter Turin, Bari, Mailand und Venedig - ein Verkaufsverbot für Feuerwerke.

Philippinen

Auch auf den Philippinen hatte die Regierung drastische Warnungen vor gefährlichen Feuerwerkskörpern ausgegeben, trotzdem sind bei Silvesterfeiern fast 500 Menschen verletzt worden. Mindestens 65 Menschen wurden nach Angaben von Innenminister Jesse Robredo festgenommen, weil sie illegal besonders große Feuerwerkskörper verwendeten. Landesweit waren vor Mitternacht Dutzende Krankenhäuser in Alarmbereitschaft versetzt worden.

Gesundheitsminister Enrique Ona sagte, 454 Menschen seien von Feuerwerken, 18 weitere von Irrläufern aus Waffen verletzt worden. Viele Philippiner wollen zu Silvester mit riesigen Feuerwerkskörpern Unglück vertreiben. Wegen dichten Pulverdampfs infolge der Silvesterkracher mussten auf dem Flughafen von Manila etwa ein Dutzend Flüge abgesagt oder umgeleitet werden.

Trauergottesdienst auf Rügen

Auf Rügen verlief der Silvesterabend aus traurigem Anlass ganz ohne Feuerwerk: Etwa 90 Menschen nahmen an einem Gedenkgottesdienst für die Opfer des Küstenabbruchs am Kap Arkona teil. Es wurde eine Kerze für das wahrscheinlich tote zehnjährige Mädchen angezündet, wie Pfarrer Christian Ohm sagte. Für die Mutter und die Schwester, die bei dem Unglück am zweiten Weihnachtstag verletzt wurden, sowie für den Familienvater und die Rettungskräfte brannten weitere Kerzen.

Die Suche nach der zehnjährigen Katharina ruht derzeit, weil Hochwasser die Arbeiten behindert. Die Familie aus Nordbrandenburg war bei einem Strandspaziergang von dem plötzlichen Abbruch der Steilküste erfasst worden. Das traditionelle Höhenfeuerwerk, das sonst Tausende Besucher an die Nordspitze Rügens lockt, war wegen des Unglücks abgesagt worden.