Prozess um Tod von Michael Jackson Jacksons Familie geht leer aus

Die Geschworenen im Prozess um Michael Jackson haben entschieden, dass Konzertveranstalter AEG Live nicht verantwortlich für den Tod des Musikers ist. Jacksons Mutter Katherine und seine Kinder Prince, Paris und Blanket werden also kein Geld bekommen - sie hatten auf Millionen-Entschädigungen gehofft.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es haben sich einige Fans von Michael Jackson versammelt vor dem Gericht in Downtown Los Angeles, einige tragen T-Shirts mit dem Gesicht des Sängers darauf, auf anderen ist das Bild seiner Mutter Katherine abgebildet. Sie wollen das Urteil in diesem Prozess hören, der nun mehr als fünf Monate gedauert hat und von dem es heißt, dass er die Unterhaltungsindustrie grundlegend verändern könnte. "Wir wollen die Wahrheit wissen", sagt eine Frau.

Diese Wahrheit lautet nach Ansicht der zwölf Geschworenen: Der Konzertveranstalter AEG Live ist nicht verantwortlich für den Tod des Musikers. Das Unternehmen habe den Arzt Conrad Murray engagiert, dieser sei aber qualifiziert gewesen, Jackson zu behandeln. Jacksons Mutter Katherine und seine drei Kinder Prince, Paris und Blanket werden kein Geld bekommen.

Die Angehörigen von Jackson hatten gefordert, dass AEG Live jedem Kind 85 Millionen US-Dollar und der Mutter mindestens 35 Millionen Dollar bezahlen müsse - und außerdem für einen ökonomischen Schaden von etwa 1,2 Milliarden Dollar aufkommen müsse. Insgesamt ging es bei dem Prozess um etwa 1,5 Milliarden Dollar - dazu hieß es, dass dieses Urteil womöglich die komplette Unterhaltungsindustrie verändern könne, wenn künftig Veranstalter wegen der Beschäftigung womöglich inkompetenter Ärzte haftbar gemacht werden können.

Vier Tage lang hatten sich die Geschworenen beraten, es ging dabei um fünf Fragen. Die erste lautete: Wer hat Murray angestellt - Jackson selbst oder der Konzertveranstalter? Murray hatte Jackson schon vor dem Vertragsabschluss mit AEG Live behandelt. Doch die Geschworenen kamen zu dem Entschluss, dass AEG Live der Arbeitgeber des Arztes war. Eine Email von AEG-Geschäftsführer Paul Gongaware habe darauf hingedeutet. In dieser Mail gibt Gongaware an, das Gehalt von Murray zu bezahlen - auch wenn Jackson sich seinen Arzt wohl ausgesucht habe.

Die Geschworenen entschieden, dass Murray zur Behandlung befähigt war

Bei der zweiten Frage ging es darum, ob Murray dazu befähigt war, seinen Beruf auszuüben und Jackson zu behandeln. Murray war in einem anderen Prozess um den Tod von Jackson im November 2011 wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen worden, er sitzt seitdem im Gefängnis und soll im Oktober entlassen werden. Die Anwälte von Jacksons Familie hatten während des Prozesses behauptet, dass AEG den Arzt kontrolliert habe, um Jackson für seine Abschiedstournee fit zu bekommen.

"Wir hatten den Eindruck, dass er kompetent war", sagte Gregg Barden, der Sprecher der Geschworenen: "Das bedeutet nicht, dass er ethisch gehandelt hat. Wenn das die Frage gewesen wäre, wäre das Urteil womöglich anders ausgefallen. Er hat sich am Ende unmoralisch verhalten: Er hat etwas gemacht, das er nicht hätte tun sollen." Murray hatte Jackson mit dem Narkotikum Propofol versorgt und ihm letztlich die tödliche Dosis injiziert.

Weil die Geschworenen bei der zweiten Frage den Konzertveranstalter freisprachen, wurden die restlichen Fragen irrelevant für den Prozess.

"Die Entscheidung der Geschworenen gibt AEG Live vollkommen Recht und bestätigt, was wir von Anfang an wussten: Dass der Tod von Michael Jackson eine schreckliche Tragödie war - aber keine Tragödie, für die AEG Live verantwortlich ist", heißt es in einem Statement von AEG-Anwalt Marvin Putnam. AEG-Manager Randy Philips ergänzte: "Wir haben eines der größten musikalischen Genies verloren - aber ich bin erleichtert, dass die Geschworenen anerkannt haben, dass weder ich noch irgendjemand sonst bei AEG Live eine Rolle bei seinem tragischen Tod gespielt haben."

"Es gibt keine wirklichen Gewinner in diesem Fall"

Katherine Jackson, die bei ihrer Ankunft noch gelächelt und die Hände der Fans geschüttelt hatte, verließ der Gerichtssaal, ohne mit Journalisten sprechen zu wollen. Der Anwalt der Familie, Kevin Boyle, sagte: "Wir sind natürlich nicht glücklich mit diesem Urteil. Wir haben jedoch einige Dinge angesprochen, die wichtig sind für die Jacksons und die gesamte Unterhaltungs- und Sportindustrie." Er werde sich nun gemeinsam mit der Familie die nächsten Schritte überlegen.

Jury-Sprecher Barden gab an, dass der fünf Monate dauernde Prozess "strapaziös" gewesen sei, die Beratungen äußerst stressig: "Wir sind zu einem Urteil gekommen, von dem uns klar ist, dass nicht jeder der gleichen Meinung sein wird. Es gibt keine wirklichen Gewinner in diesem Fall."

Während des Prozesses wurden zahlreiche Details aus dem Privatleben von Michael Jackson öffentlich. Es stellte sich heraus, dass der Sänger seit 1984 an chronischen Schmerzen litt, nachdem er sich bei Dreharbeiten für einen Werbespot verbrannt hatte - das führte offensichtlich zu seiner Abhängigkeit von Schmerzmitteln. Seit 1997 habe er Propofol genommen. Der Geschworene Kevin Smith sagte deshalb nach der Urteilsverkündung, dass er der Meinung sei, dass der Konzertveranstalter nichts gegen die Probleme Jackson habe tun können.