Burkini-Verbotsstreit Polizeipatrouille an französischem Strand - verhüllte Frau zieht Oberteil aus

Über das Burkini-Verbot wurde in Frankreich heftig diskutiert — nun löst ein Strandbild einer Frau, die vor Polizisten ihr hellblaues Oberteil auszieht, Aufregung aus. Dabei trug sie nicht mal einen Burkini.

Von Paul Munzinger

Die Frau liegt alleine inmitten leicht bekleideter Menschen auf dem steinigen Strand. Sie trägt schwarze Leggins, ein hellblaues Oberteil und ein Kopftuch. Die Schuhe hat sie ausgezogen, die Knie angezogen. Vielleicht schläft die Frau, vielleicht döst sie, vielleicht genießt sie einfach die Sonne an der französischen Mittelmeerküste, als sich vier Polizisten nähern, alles Männer. Zwei von ihnen tragen kurze Hosen. Was die Polizisten der Frau sagen, ob es eine Diskussion gibt, einen Streit, verraten die Bilder nicht. Aber sie zeigen das Ergebnis des Polizeieinsatzes: Die Frau zieht ihr Oberteil aus, streng überwacht von den Polizisten, neugierig beäugt von den umliegenden Badegästen.

In einigen französischen Gemeinden sind seit Kurzem Burkinis verboten. Die vor allem von muslimischen Frauen getragenen Ganzkörper-Badeanzüge störten die öffentliche Ordnung, heißt es zur Begründung. Es droht ein Bußgeld von 38 Euro. Der französische Premier Manuel Valls sieht im Burkini "die Umsetzung eines politischen Projekts, einer Gegen-Gesellschaft, die auf der Unterdrückung der Frau gründet." Die Strände müssten, wie der gesamte öffentliche Raum, vor "religiösen Ansprüchen" geschützt werden. Ob Valls sich darüber Gedanken gemacht hat, welche Bilder dieser Schutz der öffentlichen Ordnung in der Praxis hervorbringt?

Vier bewaffnete Männer umringen eine Frau und zwingen sie, sich auszuziehen - das ist die höchstens geringfügig zugespitzte Geschichte, die die Bilder eines Fotografen der Nachrichtenagentur AFP aus Nizza erzählen. Der britische Guardian hat sie veröffentlicht. Ereignet hat sich der Vorfall am Dienstag am Strand vor der berühmten Promenade des Anglais. Genau dort also, wo ein Attentäter in einem LKW am französischen Nationalfeiertag mehr als 80 Menschen getötet hatte. Das Burkini-Verbot war nicht zuletzt eine Reaktion auf diesen Anschlag, seit vergangener Woche ist es in Kraft.

Einige riefen "Geh nach Hause"

Einen Burkini trug die Frau aber gar nicht - genauso wenig wie andere Frauen, die jüngst an französischen Stränden ein Bußgeld aufgebrummt bekamen; französische und internationale Medien berichten von immer mehr Fällen. Eine 34-Jährige musste zahlen, weil sie am Strand Leggins, eine Tunika und ein Kopftuch getragen hatte. Schwimmen wollte sie nach eigener Aussage nicht, doch Ihre Kleidung, so stand es laut AFP auf dem Bußgeldbescheid, habe die "guten Sitten und den Laizismus" nicht respektiert. Eine Augenzeugin berichtete, dass Umstehende "Geh nach Hause" gerufen hätten, einige hätten applaudiert. Die Tochter der 34-Jährigen habe geweint.

Ob die Frauen tatsächlich Burkini trugen, ist dabei wohl gar nicht so wichtig. Die Bilder und diese Reaktionen dürften all jene bestärken, die das Verbot als diskriminierend empfinden. Als Instrument, das vorgebe, "die Werte Frankreichs und der Republik zu verteidigen" (Valls), das aber in Wirklichkeit nur die Muslime stigmatisiere. Am Donnerstag muss Frankreichs höchstes Verwaltungsgericht über die Rechtmäßigkeit des Verbots entscheiden.

Auch Aheda Zanetti, nach eigener Aussage Erfinderin des Burkini, hat sich mittlerweile in die Debatte eingeschaltet. Der Burkini solle Frauen Freiheit geben, nicht nehmen, schrieb sie in einem Beitrag für den britischen Guardian. Die Franzosen hätten das Kleidungsstück missverstanden. Der Absatz des Burkinis, auch das hat Zanetti gerade erzählt, habe sich seit dem Verbot in Teilen Frankreichs verdoppelt.

"Der Burkini ist eher ein Zeichen von Integration"

Weniger Freiheit - oder viel mehr: Muslimische Frauen erklären, warum sie einen Burkini tragen und was sie von der Debatte darüber halten. mehr... jetzt

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel hatte die Überschrift "Französische Polizei zwingt Frau am Strand zu mehr nackter Haut". Dies ist nicht erwiesen, wie auch im Text beschrieben. Deshalb haben wir den Titel korrigiert.