Polizei-Skandal in Hessen Dunkle Geschäfte mit den Höllenengeln

Drogendeals und Weitergabe von Polizei-Interna: Beamte der hessischen Polizei werden verdächtigt, mit der Rockergruppe Hells Angels zusammengearbeitet zu haben. Fünf Polizisten wurden bereits suspendiert.

Weil sie die Rockergruppe Hells Angels über Polizei-Interna informiert haben sollen, wurden fünf hessische Polizeibeamte mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Ein gezielter Verdacht richtet sich unter anderem gegen einen Hauptkommissar des Landeskriminalamts (LKA). Der 50-Jährige soll polizeiliche Informationen gegen Bestechungsgeld weitergeben haben.

Im Rahmen einer großangelegten Razzia wurden am Freitagvormittag mehrere Gebäude im Rhein-Main-Gebiet durchsucht. Neben Räumen der Hells Angels untersuchten die Beamten Wohnungen und Arbeitsplätze von Polizeibeamten, die vermutlich Kontakte zu der Rockergruppe unterhielten.

Nach Angaben des Landeskriminalamts sowie der Staatsanwaltschaften Frankfurt und Darmstadt werden insgesamt fünf Polizeibeamte verdächtigt. Neben dem 50-jährigen Hauptkommissar wurden zwei Beamte der Frankfurter Polizei suspendiert. Über den Verdacht des Verrats von Dienstgeheimnissen hinaus soll es bei den beiden Oberkommissaren Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz gegeben haben. Eine 34-jährige Beamtin des Polizeipräsidiums Frankfurt soll zudem mehrfach geringe Mengen an Drogen an einen 51-jährigen Kollegen weitergegeben haben.

Vor mehreren Monaten hatten Polizei und Staatsanwaltschaft Hinweise bekommen, dass die Hells Angels im Rhein-Main-Gebiet gezielt versuchen würden, Kontakte zu Beamten herzustellen und für ihre Zwecke zu nutzen.

Die hessische Polizei wird seit Wochen von Vorwürfen über Mobbing, autoritäre Strukturen, schwarze Personalakten und Ärger um psychologische Gutachten erschüttert. Im Zuge der Affäre entließ Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) Landespolizeipräsident Norbert Nedela. Zudem wurde die Chefin des Landeskriminalamts, Sabine Thurau, versetzt.

Die Razzia am Freitagmorgen war auch aufgrund von Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaften in Frankfurt und Darmstadt angeordnet worden. Den Hells Angels wird immer wieder der Handel mit Drogen vorgeworfen - bereits in den vergangenen Wochen waren mehrere Drogenkuriere festgenommen und Amphetamine und Marihuana sichergestellt worden.

Wegen der Schüsse auf einen 45-Jährigen in Usingen Mitte Oktober waren am Freitag zudem sieben Wohnungen im Rhein-Main-Gebiet durchsucht worden, darunter die des Präsidenten und des Vizepräsidenten der Frankfurter Gruppierung der Hells Angels. Der 45-Jährige, der selbst Mitglied der Hells Angels ist, war im Oktober aus einem fahrenden Auto heraus beschossen worden und hatte einen Durchschuss des Oberarms erlitten. Die Ermittler vermuten eine interne Bestrafungsaktion der Rockerbande.

Die Weitergabe von Informationen kann mit einer Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Haft sanktioniert werden. Dass es bei der hessischen Polizei zu weiteren Suspendierungen kommt, ist nicht ausgeschlossen.