Die Polizei protestierte vergeblich: Loveparade-Veranstalter Schaller hat die Überwachungsvideos im Internet veröffentlicht - obwohl Kritiker vor einer Beeinflussung der Zeugen warnen. Ein Sicherheitsmann berichtet indes von einer weiteren Panne am Katastrophentag.

Die Polizei protestierte vergeblich: Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller hat wie angekündigt Filmaufnahmen von Überwachungskameras im Internet veröffentlicht. Es handele sich um das vollständige Videomaterial, teilte sein Unternehmen Lovapent in Berlin mit. Indes hat der WDR eine weitere Sicherheitspanne ans Licht gebracht: Am Tag der Katastrophe fielen auf dem Gelände Kameras aus - die Live-Übertragung ins Lagezentrum war zeitweise unterbrochen.

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Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller gibt der Polizei die Schuld an der Katastrophe und will dies mit Überwachungsvideos beweisen - allerdings nicht erst vor Gericht, sondern schon jetzt durch Veröffentlichungen im Internet. (© ddp)

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Schallers Unternehmen Lopavent sieht sich eigenen Angaben zufolge als Veranstalter mit in der moralischen Verantwortung für das tragische Unglück und wolle mit der Veröffentlichung der Videos einen Beitrag zur Aufklärung der Ereignisse an diesem Tag leisten. Alle Materialien lägen den Ermittlungsbehörden vor.

Auf der Seite www.dokumentation-loveparade.com hat das Unternehmen außerdem einen Dokumentarfilm veröffentlicht. In ihm wird die Polizeikette auf der Hauptrampe als entscheidende Ursache für das Zustandekommen der Katastrophe mit 21 Toten dargestellt.

Die Polizei war vergeblich gegen die Veröffentlichung des Überwachungsmaterials Sturm gelaufen. "Nach meinen Informationen sieht die Staatsanwaltschaft Duisburg keine Möglichkeit, die Pläne Schallers juristisch zu stoppen", sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, zuvor der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Die Behörde habe Schaller dennoch in einem Schreiben "dringend aufgefordert, das Material der sieben Überwachungskameras aus Gründen der Pietät und Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht zu veröffentlichen", hob Wendt hervor. Auch er habe Schaller rund vier Wochen nach der Katastrophe mit 21 Toten und Hunderten Verletzten vor dem Schritt an die Öffentlichkeit gewarnt: "Es wäre das Allerletzte, die Hinterbliebenen im Netz mit den Bildern ihrer sterbenden Angehörigen zu konfrontieren." Der Veranstalter teilt diese Bedenken offenbar nicht.

"Videos könnten Zeugen beeinflussen"

Nach Ansicht von Wendt besteht ein erhebliches Risiko, mit den Videoaufnahmen Zeugen der Vorfälle zu beeinflussen. "Herr Schaller manipuliert und verdunkelt, wo er kann. Ihm geht es offenbar nicht um die Wahrheit, sondern nur darum, seinen eigenen Hals zu retten", kritisierte Wendt weiter.

Für Kritik hatte auch Schallers Ankündigung gesorgt, am kommenden Donnerstag nicht persönlich vor dem Innenausschuss des Düsseldorfer Landtages erscheinen zu wollen, sondern Vertreter seiner Firma hinzuschicken. Frank Richter, der NRW-Landeschef der  Polizeigewerkschaft GdP, nannte die Weigerung in der Bild-Zeitung "feige und unerhört". 

Schaller hatte am Wochenende im Spiegel angekündigt, er werde das gesamte Videomaterial seiner Überwachungskameras ins Internet stellen. "Jeder soll sich selbst ein Bild von den Abläufen machen können", sagte er in einem Interview mit dem Spiegel, in dem er im Übrigen die Polizei scharf angriff. Sie habe mit der Abriegelung des Geländes die Katastrophe erst verursacht.  

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