Pakistan Familienangehörige steinigen schwangere Frau

"Ich bereue nichts": So kommentiert ein Vater aus dem pakistanischen Lahore die Steinigung seiner Tochter. Gemeinsam mit 20 anderen Verwandten hat er die schwangere 25-Jährige mit Ziegelsteinen so lange attackiert, bis sie tot war.

Eine 25-jährige schwangere Frau wird von ihrem Vater, ihren Brüdern und ihrem Ex-Verlobten zum Eingang des Gerichtsgebäudes in der pakistanischen Stadt Lahore gezerrt. Es sind insgesamt 20 Verwandte, die am Dienstag über das Leben der Frau richten, weil sie im Januar gegen die Willen ihrer Familie einen Mann geheiratet hat: Mit Ziegelsteinen, die sie auf einer nahen Baustelle gefunden haben, schlagen die Männer der Frau den Schädel ein.

"Von einer solchen Steinigung habe ich noch nie gehört. Besonders beschämend und besorgniserregend ist, dass die Frau direkt vor einem Gericht getötet wurde", sagte Zia Awan, ein bekannter Anwalt und Menschenrechtsaktivist in Pakistan.

In Pakistan werden jedes Jahr Hunderte Frauen getötet, weil sie gegen den Willen ihrer Familie eine Liebesheirat oder sexuelle Beziehungen eingehen. Wie der britische Guardian berichtet, verzeichnete die private Hilfsorganisationen Human Rights Commission of Pakistan im Jahr 2013 fast 900 solcher Tötungen. Öffentliche Steinigungen sind allerdings relativ selten.

Menschenrechtler wie Zia Awan beklagen, dass Angehörige, die Gewalt gegen Frauen ausüben, oft mit milden Urteilen davonkommen oder aufgrund der mangelhaften Polizeiermittlungen gar nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

Auch die meisten der Verwandten, die bei der Steinigung der Frau dabei waren, sind entkommen, obwohl sich die Tat am hellichten Tag vor einem Justizgebäude ereignete. Nach ihnen werde gefahndet, so ein Polizeisprecher in Lahore. Der Vater der 25-Jährigen sei verhaftet worden. "Ich habe meine Tochter getötet, weil sie unsere gesamte Familie beleidigt hat, indem sie einen Mann ohne unser Einverständnis geheiratet hat. Ich bereue nichts", zitiert der Polizeisprecher den Vater.