Opfer der Flüchtlingskatastrophen vor Lampedusa Trauerfeier ohne Überlebende

Italien hat im südsizilianischen Agrigent der 366 Opfer der Flüchtlingsdramen vor Lampedusa gedacht. Dutzenden Überlebenden der Katastrophe blieb eine Teilnahme an der multikonfessionellen Trauerfeier verwehrt - trotz eines Sitzstreiks.

Mit einer Zeremonie haben italienische Minister, Behördenvertreter und Gäste aus Afrika an die Opfer der Flüchtlingsdramen vor Lampedusa erinnert. "Italien ist bewegt, wir sind hier, um an die vielen Opfer zu erinnern, die gehofft haben, eine bessere Zukunft zu finden und nun tot sind", sagte Verteidigungsminister Mario Mauro, der mit Innenminister Angelino Alfano und Integrationsministerin Cécile Kyenge an der Gedenkfeier im südsizilianischen Agrigent teilnahm.

Ein Flüchtlingsboot mit rund 500 Menschen an Bord hatte Anfang Oktober vor der Küste Lampedusas Feuer gefangen und war gekentert. Bei einem zweiten Schiffbruch wenige Tage später starben mindestens 38 Menschen. Am Sonntag hatten die Rettungskräfte das bislang letzte Opfer des Schiffbruchs vom 3. Oktober geborgen, 366 Tote sind damit offiziell bestätigt. Die meisten von ihnen wurden an verschiedenen Orten in Sizilien bestattet. Ein zunächst von der Regierung in Aussicht gestelltes Staatsbegräbnis gab es nicht.

Überlebende des Unglücks streiken für Teilnahme an der Zeremonie

Hunderte in Italien und Europa lebende Eritreer reisten mit Bussen zu der multikonfessionellen Trauerfeier an. Von den 155 Überlebenden der Katastrophe durften jedoch Dutzende nicht teilnehmen - trotz ihres Versuchs, dies mit einem Sitzstreik zu erstreiten. Aus Protest blockierten die größtenteils aus Eritrea stammenden Flüchtlinge am Montag den Eingang ihres Auffanglagers auf Lampedusa, wie italienische Medien berichteten. Auch der Besuch einer Flüchtlingsdelegation im Rathaus brachte nichts.

Die Überlebenden sagten dem Sender SkyTG24, sie hätten bei dem Unglück Angehörige verloren. Sie warteten seit mehr als zwei Wochen darauf, sie in einer Zeremonie betrauern zu können. Am Nachmittag warfen sie Blumenkränze ins Mittelmeer vor Lampedusa.

Agrigents Bürgermeister Marco Zambuto kritisierte die Feier als "Foto-Gelegenheit". Auch Lampedusas Bürgermeisterin Giusi Nicolini boykottierte die Zeremonie, weil sie nicht auf ihrer Insel stattfand. Nicolini traf in Rom mit Staatspräsident Giorgio Napolitano zusammen. Dort forderte sie, der 3. Oktober solle künftig dem Gedenken an die Migranten gewidmet sein, die im Mittelmeer ums Leben gekommen sind.

Nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen sind in den vergangenen Jahren 20.000 Menschen auf der Flucht vor Gewalt, Hunger, Elend oder Diktatur im Mittelmeer ertrunken. Der Flüchtlingsstrom nach Italien reißt weiter nicht ab. Am Sonntag rettete die Küstenwache vor Sizilien 254 Migranten.