Hitzeschock im ICE Eisenbahnbundesamt ermittelt

In mehreren Zügen fielen am heißesten Wochenende des Jahres die Klimaanlagen aus, Fahrgäste brachen entkräftet zusammen. Die Bundespolizei hat ein Ermittlungsverfahren eröffnet, auch das Eisenbahnbundesamt ermittelt.

Dramatisches Ende einer Klassenfahrt: Mehrere Schüler aus Remscheid und Willich sind auf dem Rückweg von einem Schulausflug nach Berlin im Intercity-Express zusammengebrochen. Die Klimaanlage im Zug war ausgefallen - und zwar nicht nur in diesem: Bahn-Sprecher Jürgen Kornmann sprach von drei betroffenen ICE-Zügen von Berlin Richtung Köln. Augenzeugen berichteten von chaotischen Zuständen auch in anderen Zügen der Deutschen Bahn: Auch im Intercity 2311 von Westerland nach Köln sei am Sonntag die Klimaanlage ausgefallen, sagte der 37-jährige Kölner Fahrgast Matthias Bosmann am Montag der dpa.

Für die Bahn haben die kaputten Klimaanlagen vielleicht ein juristisches Nachspiel. Die Bundespolizei hat offiziell ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung eröffnet.

Auch das Eisenbahnbundesamt hat mit der Untersuchung der Züge begonnen. Überprüft würden die Fahrzeuge und die betrieblichen Abläufe, sagte ein Behördensprecher.

"Nachdem der Zug am Bielefelder Hauptbahnhof gestoppt wurde, haben wir 27 Schüler rettungsdienstlich behandelt, neun davon mussten in ein Krankenhaus eingeliefert werden", sagte der Einsatzleiter der Bielefelder Feuerwehr, Hans-Dieter Mühlenweg. Die Feuerwehr war mit 91 Rettungskräften im Einsatz, versorgte die geschwächten Fahrgäste mit Kochsalzinfusionen und Getränken.

Am Schlimmsten traf es 59 Schüler mit ihren fünf Lehrern aus Willich in Nordrhein-Westfalen. In dem ICE aus Berlin müssen sich dramatische Szenen abgespielt haben, wie das Bielefelder Westfalen-Blatt berichtete. Dehydrierte Schüler lagen auf dem Fußboden in den Gängen, einige brachen zusammen. Eine ebenfalls im den überfüllten Zug sitzende Mutter eines kleinen Jungen habe in ihrer Verzweiflung versucht, während der Fahrt mit dem Nothammer eine Scheibe im Zug einzuschlagen, damit ihr kurz vor dem Kollaps stehender Sohn Luft bekam. Auch eine schwangere Frau habe versucht, eine Scheibe einzuschlagen, um an frische Luft zu kommen.

Wie in einer Sauna

Die Temperaturen im Zug hätten nach Angaben der Fahrgäste jenseits der Marke von 50 Grad gelegen. "Das war wie in einer Sauna. Fünf Minuten später wären bestimmt alle kollabiert", sagte der Schüler Bastian F. dem Blatt. Die meisten Betroffenen waren Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren aus dem Rheinland. Sie wurden schließlich mit klimatisierten Bussen in ihre Heimatstädte gebracht.

Bei den Ermittlungen wird auch eine Rolle spielen, dass nach Zeugenangaben bereits vor Bielefeld bekanntgewesen sei, dass die Klimaanlage in dem Zug defekt war. Ein Zeuge habe sich bei einem Zugbegleiter gemeldet, nachdem er einen strengen Geruch nach verbranntem Gummi bemerkt habe. Der Zugbegleiter habe dann festgestellt, dass die Klimaanlage nicht mehr funktioniere. Der ICE sei aber trotzdem weitergefahren. Ob der Defekt bereits vor der Abfahrt in Berlin bemerkt worden sei, konnte die Sprecherin der Bundespolizeidirektion St. Augustin nicht sagen.

Die Deutsche Bahn entschuldigte sich inzwischen. "Wir bedauern sehr, dass einzelne Fahrgäste auch gesundheitliche Beeinträchtigungen erlitten und sogar im Krankenhaus behandelt werden mussten", erklärte DB-Vorstand Ulrich Homburg am Sonntag. Dafür wolle man sich ausdrücklich entschuldigen und die Fahrgäste auch entschädigen.

Die drei betroffenen Züge wurden in Hannover und Bielefeld evakuiert, um die Reisenden auf die nachfolgenden Züge zu verteilen, sagte Bahn-Sprecher Kornmann. Unklar sei, wie viele Fahrgäste insgesamt betroffen waren. Die defekten Züge seien unmittelbar danach zu Reparaturarbeiten weitergeleitet worden. Angesichts von 1400 Fernverbindungen seien das "bedauerliche Ausnahmefälle".

Unwetter legt Bahnstrecken lahm

Am Montag hat nicht nur die Hitze den Bahnverkehr beeinträchtigt: Schwere Gewitter mit Sturmböen brachten den Bahnverkehr in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens fast vollständig zum Erliegen. Blitzeinschläge und umgestürzte Bäume stoppten die Züge auf zahlreichen Strecken, darunter die vielbefahrenen Verbindungen zwischen Köln und Aachen sowie Düsseldorf und Köln. Bis auf weiteres sei mit erheblichen Verspätungen und Zugausfällen zu rechnen, teilte die Bahn mit.

Das heftige Unwetter war am Mittag über das Rheinland und den Niederrhein gezogen. In vielen Städten waren die Feuerwehren im Dauereinsatz, nach Polizeiangaben wurden mehrere Menschen verletzt.