Nach Einsturz von Textilfabrik in Bangladesch Retter bergen weitere Überlebende

Ein Angehöriger hält das Bild einer Frau in die Höhe, die in der Textilfabrik gearbeitet hat.

(Foto: REUTERS)

Mehr als drei Tage mussten sie unter schweren Betonplatten ausharren. Nun haben Retter Medienberichten zufolge vier Überlebende aus den Trümmern einer zusammengestürzten Textilfabrik in Bangladesch geborgen. Derweil soll der Besitzer des Gebäudes festgenommen worden sein.

Die Hoffnung, noch Überlebende zu finden, war zuletzt sehr gering: Doch fast 100 Stunden nach dem Einsturz eines achtstöckigen Gebäudes in Bangladesch haben Retter weitere lebende Menschen geborgen. Vier Menschen seien am Sonntag aus dem früheren vierten Stock des "Rana Plaza" geholt worden, berichtete der Daily Star in seiner Onlineausgabe.

Der arabische Fernsehsender Al-Dschasira berichtet von neun weiteren Überlebenden, die aber noch aus den Trümmern geborgen werden müssen. Sollte dies nicht mithilfe von Schaufeln und Äxten gelingen, müsse man riesige Kräne einsetzen, um die schweren Betonplatten anzuheben, zitiert der Nachrichtensender den Einsatzchef.

Das teilweise illegal errichtete Gebäude in einem Vorort von Dhaka mit acht Stockwerken war am Mittwochmorgen eingestürzt. Helfer zogen bis zum Sonntag 362 Leichen aus dem Trümmerberg. 2500 Menschen überlebten das Unglück, etwa die Hälfte von ihnen wurde verletzt. Ministerpräsidentin Sheikh Hasina versprach bei einem Besuch im Krankenhaus, die Regierung werde die Kosten für deren Behandlung übernehmen. Zum Zeitpunkt des Einsturzes sollen mindestens 3000 Menschen in fünf Betrieben in dem Gebäude gearbeitet haben.

Wie der Daily Star berichtet, wurde mittlerweile der Besitzer des Hauses festgenommen. Sohel Rana sei den Behörden in Benapole an der indischen Grenze ins Netz gegangen, schreibt die Zeitung. Ihm wird vorgeworfen, beim Bau minderwertiges Material verwendet zu haben. Er soll per Hubschrauber nach Dhaka gebracht werden.

Die Polizei hatte zuvor zwei Verantwortliche in dem Gebäude ansässiger Textilfabriken festgenommen. Ihnen werde fahrlässige Tötung vorgeworfen, sagte der stellvertretende Polizeichef der Hauptstadt Dhaka der Nachrichtenagentur AFP.

Tausende Textilarbeiter in dem Land demonstrierten unterdessen für bessere Arbeitsbedingungen. Rund 4000 Textilfabriken mussten ihre Produktion einstellen. Die Demonstranten blockierten Straßen, zerstörten Autos und beschädigten einige Unternehmen im Industrieviertel der Hauptstadt. Die Polizei setzte in und um Dhaka Tränengas und Gummigeschosse ein, um die Ansammlungen aufzulösen. Mindestens 20 Arbeiter wurden dabei verletzt.