Interview: Tanja Rest

Slash, Ex-Gitarrist der Rockband Guns N' Roses, über den Streit mit Axl Rose, Kindererziehung und plötzliche Stromschläge von innen.

12.55 Uhr Ortszeit Los Angeles, 21.55 Uhr in München. Nach allem, was man in seinem Buch gelesen hat ("Slash. Die Autobiographie", Rockbuch Verlag) ist es sehr, sehr unwahrscheinlich, dass der Mann gleich anrufen wird. Bevor er sich 1996 mit dem Sänger Axl Rose verkrachte, alles hinwarf und die Band Velvet Revolver gründete, hat es Slash - bürgerlicher Name: Saul Hudson - als Gitarrist der Rockband Guns N' Roses zu Weltruhm gebracht. Vor allem aber hat er das mit dem Sex and Drugs and Rock 'n' Roll ein bisschen zu wörtlich genommen. Wüste Exzesse! 22 Uhr, das Telefon klingelt. Pünktlich, auf die Minute. Seine Stimme ist freundlich, gelassen und stocknüchtern. Slash, 43, ist in seinem neuen Leben offenbar gut angekommen.

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Slash im Jahr 2000. (© Foto: AP)

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SZ: Ein Buch zu schreiben ist eine seltsame Beschäftigung für einen Rockstar. Wer hat Sie überredet?

Slash: Das ist das Verrückte. So viele Jahre lang haben mich die Leute immer wieder gefragt: Hey Slash, warum schreibst du eigentlich kein Buch? Aber ich wollte nicht, dass es aussieht, als würde ich mich zu wichtig nehmen. Ich wollte nicht, dass es aussieht wie das Ende meiner Karriere. Kennen Sie "Hammer of the Gods"?

SZ: Das Led-Zeppelin-Buch?

Slash: Dieser Autor hat mich dazu gebracht, nie wieder ein Rock 'n' Roll-Buch zu lesen. Bis er eins über uns geschrieben hat. Lauter Bullshit. Ganz zu schweigen von dem Bullshit über uns im Internet. Und da dachte ich, höchste Zeit, dass mal jemand die Wahrheit schreibt.

SZ: Was genau ist der Bullshit?

Slash: Ach, das Übliche. Die Sache mit mir und Axl, warum ich damals ausgestiegen bin und so weiter. Unwahrheiten, so montiert, dass es nach einer spannenden Geschichte klingt. Aber wenn einer diese Geschichte hören will, dann doch von einem Mitglied der Guns! Also habe ich das Buch geschrieben, und es war harte Arbeit. Wir waren mit Velvet Revolver auf Tour; nach den Konzerten saß ich immer noch bis drei Uhr morgens da...

SZ: Haben Sie Mut gebraucht, um zurückzuschauen?

Slash: Mut nicht. Es war anstrengend, sich an alles zu erinnern. Ich hab den basic shit da reingeschrieben, aber nichts, was peinlich wäre. Was wird passieren, wenn die Kinder das lesen? Also hab ich da nichts reingeschrieben, was meine Kinder nicht lesen dürften.

SZ: Ihr voller Ernst?

Slash: Ja. Warum auch nicht?

SZ: Äh, naja... Auf 400 von 500 Seiten sind Sie vollgepumpt mit Heroin.

Slash: Okay, sagen wir: Die Kinder dürfen das lesen - eines Tages.

SZ: Wenn Ihr Ältester eines Tages nach Hause kommt und diese kleinen Heroinpupillen hat: Was machen Sie?

Slash: Ich beschäftige mich damit, wenn es soweit ist. Bis dahin werden wir wohl die eine oder andere Unterhaltung über das Thema führen müssen. Außerdem wachsen die Kids ja mit meiner Frau und mir auf - zwei der verrücktesten Menschen, die ich kenne! Mum und Dad können sie nichts vormachen.

SZ: Reden wir über Axl.

Slash: Schießen Sie los.

SZ: Wie lange haben Sie beide nicht mehr miteinander gesprochen?

Slash: Müssten jetzt zwölf Jahre sein.

SZ: Sie sind sich kein einziges Mal über den Weg gelaufen?

Slash: Nein, und das ist verrückt, weil wir ja beide in L.A. leben. Und ich quatsche mit allen anderen hier in der Stadt.

SZ: Was, wenn es doch mal passiert?

Slash: Ich hab nicht die leiseste Ahnung.

SZ: Im Buch sind Sie erstaunlich nett zu Axl...

Slash: Es hat ein bisschen Disziplin gekostet. Wir hatten ja immer unsere Differenzen. Als sich Axl dann die Rechte am Namen Guns N' Roses gesichert hat und wir alle plötzlich nur noch Mitglieder in seiner Band waren, war für mich Schluss. Angst, Ärger, Bitterkeit: Das alles gab und gibt es. Aber das ist nicht die ganze Geschichte, verstehen Sie? Ich wollte fair und ehrlich sein und das Buch nicht zum Vorwand nehmen, meinen persönlichen Frust rauszulassen.

SZ: Als Metallica so schwer zerstritten waren, haben sie einen Band-Therapeuten engagiert. Das wäre doch auch was für Guns N' Roses gewesen.

Slash: Sie haben sogar einen Film darüber gemacht. Ich bin ein Riesenfan von Metallica. Aber ich will die Jungs nicht so sehen.

SZ: Sie fanden das peinlich?

Slash: Ich finde, so etwas gehört nicht in die Öffentlichkeit. Das ist nicht Rock 'n' Roll! Ich jedenfalls konnte mich nie dazu bringen, den Film anzuschauen.

SZ: Sie schreiben, die Band sei lange Zeit die einzige Familie gewesen, die Sie kannten. Ganz schön sentimental.

Slash: Wir waren eine sehr, sehr enge Gang. Elf Jahre lang waren das die Leute, die mir am nächsten standen. Die ich jeden Tag gesehen habe.

SZ: Wie läuft es ohne die Familie?

Slash: Bestens. Ich bin immer noch mit allen befreundet - mit Ausnahme von einem. Klar, ich habe nach meinem Ausstieg Höhen und Tiefen mitgemacht. Aber das war eine gute Erfahrung, weil ich am Ende erwachsen geworden bin. Und zwar ohne den Schutzschild der "größten Rockband der Welt".

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