Nicht nur in katholischen Einrichtungen wurden Schüler über Jahre hinweg misshandelt. Auch an der hessischen Odenwaldschule sollen Schutzbefohlene systematisch zu sexuellen Diensten gezwungen worden sein.
Ein weiterer Skandal um den sexuellen Missbrauch von Schülern bahnt sich an einer Reformschule im hessischen Odenwald an. Nach Recherchen der Frankfurter Rundschau (FR) könnte es bis zu 100 Opfer gegeben haben. Viele Prominente besuchten die Einrichtung.
Auch an der privaten Odenwaldschule in Hessen sollen in massivem Umfang Schüler missbraucht worden sein. (© Foto: dpa)
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Der Vorstand der Odenwaldschule, einer UNESCO-Modellschule in Heppenheim, hat nach Informationen der Zeitung "den jahrelangen Missbrauch von Schutzbefohlenen durch Pädagogen" eingeräumt. Die Schulleiterin Margarita Kaufmann sagte der FR: "Es ist für mich eine Tatsache, dass hier mindestens seit 1971 sexueller Missbrauch stattgefunden hat."
Ehemalige Schüler berichteten der Zeitung davon, wie sie von Lehrern regelmäßig durch das Streicheln der Genitalien geweckt, wie sie als "sexuelle Dienstleister" für ganze Wochenenden eingeteilt und zu Oralverkehr gezwungen wurden.
Einzelne Pädagogen hätten ihren Gästen Schüler zum sexuellen Missbrauch überlassen, schreibt die Zeitung weiter. Lehrkräfte hätten Schutzbefohlene geschlagen, mit Drogen und Alkohol versorgt oder beim gemeinschaftlichen Missbrauch eines Mädchens nicht eingegriffen.
Das Ausmaß des Skandals
Erste Vorwürfe gegen den langjährigen Rektor Gerold Becker, der die Odenwaldschule von 1971 bis 1985 leitete, gab es nach Angaben der Schule auf ihrer Internetseite schon 1998. Die Taten seien damals aber bereits verjährt gewesen.
Zudem wurden die Vorwürfe nur halbherzig aufgegriffen. "Es war eine Unterlassung und ein grober Fehler, dass die Schule damals nicht nachgeforscht hat", sagt Kaufmann, die seit 2007 im Amt ist.
Sie selbst sei im vergangenen Jahr erneut von Altschülern angesprochen worden, die fürchteten, die Schule werde sich auch bei der 100-Jahr-Feier im April 2010 wieder ihrer Verantwortung entziehen. Daraufhin habe sie etliche Gespräche mit früheren Schülern geführt und dabei erst "das wahre Ausmaß" des Skandals erahnt.
Kaufmann geht von mindestens drei Lehrern aus, die sich sexueller Übergriffe schuldig gemacht haben sollen. Von Zeugen habe sie "die Namen von 20 Opfern gehört". Nach FR-Recherchen gehen die betroffenen Altschüler von 50 bis 100 Missbrauchsopfern aus.
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(AFP/gal)
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Ich fürchte, wir alle werden von einigen innig gepflegten Vorurteilen Abschied nehmen müssen. Die Odenwaldschule gilt seit vielen Jahrzehnten als das reformfreudigste und antiautoritärste Landerziehungsheim. Als ehemaliger Schüler der "Konkurrenz" habe ich immer ein wenig neidisch auf die OSO geschaut.
Die Beziehung Erzieher-Erzogener ist immer eine von Macht, egal ob rigider oder mehr "softer". Dass auch in letzteren Strukturen Missbrauch geschah, hat mich schon bestürzt - und dass offenbar auch das Offenlegen so schwer fiel, lässt mich recht ratlos zurück. Solange dies bei den "Katholen" geschah, wusste ich ja auch: "Kein Wunder, bei der verklemmten Sexualmoral!" Aber das war wohl zu einfach.
Der Ruf nach staatlicher Kontrolle hilft da kaum weiter, die Schulen selbst müssen Frühwarnsysteme entwickeln.
Ich kann mich an keinen vergleichbaren Fall in meiner Schulzeit erinnern, aber ausschließen, dass einzelne Vorkommnisse schnell und "geräuschlos" bereinigt wurden, kann ich auch nicht.
Ich warne vor allwissenden Schnellschüssen!
Da haben Sie natürlich Recht, diese Gefahr besteht.
Hilfreich finde ich in diesem Zusammenhang den Hinweis, den ein Kommentator auf faz.net geschrieben hat:
Leider wird in § 138 "Nichtanzeige geplanter Straftaten" der Sexuelle Mißbrauch von Kindern (§ 176) nicht als anzeigepflichtig aufgeführt.
Das ist eine schlimme Gesetzeslücke die dazu führt, daß Mittwisser von Kindesmissbrauch straffrei ausgehen könnten.
Das würde der Tatsache Rechnung tragen, dass Opfer oft aus Scham - zu lange - schweigen.
Schutzbefohlener nicht ein singuläres Problem der zölibatären katholischen Kirche ist. Derartiger Mißbrauch tritt vielmehr immer dann auf, wenn in streng hierarchischen Strukturen Macht unkontrolliert gegen Schwache ausgeübt werden kann. Des weiteren zeigt sich, daß anscheinend potentielle Gewalttäter sich in ihrem beruflichen Werdegang in genau derartige Strukturen hineinentwickeln.
Mißbrauch und Gewalt von Obrigkeitsfiguren und Respektspersonen gab es schon immer. Kinder, die vom Elternhaus in Internate abgeschoben oder aufgrund ihres familiären Umfelds in Heimen oder ähnlichem untergebracht wurden, haben jedoch weit weniger als in miteinander kommunizierenden Familien lebende die Möglichkeit sich rechtzeitig jemanden anzuvertrauen, schweigen aus Scham und ziehen sich zurück. Darum bleibt derartiger Mißbrauch auch jahrelang verborgen und man wundert sich über ein Kind mit eigenartigem Verhalten.
Es ist ein Unding, daß derartige Verbrechen verjähren können und es ist ein Unding, wie leicht es Tätern gemacht wird.
Die Verjährung beginnt in der Regel erst mit der Volljährigkeit der Opfer, Portmann. Es besteht AUCH die Gefahr, dass sich nach Jahrzehnten Geschehensabläufe nicht mehr klären lassen, Schuld oder Unschuld nicht mehr feststellbar sind, und der Ruf und das Leben eines Unschuldigen zerstört werden. Schwierige Fragen.
Der eigentliche Skandal ist doch, dass solche Verbrechen verjähren können. In der Konsequenz entgehen die Täter fast immer der Strafe - weil die Opfer aus Angst und Scham oft erst als Erwachsene den Mut finden, vom Missbrauch zu berichten.
Hier muss der Gesetzgeber schnell etwas ändern sonst besteht die reale Gefahr, dass übermotivierte Bürger zur Selbstjustiz greifen. Das einzig Gute daran wäre wohl, dass es eine gewisse Abschreckungswirkung hätte
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