Marzahn-Hellersdorf Aufregung um angebliche Vergewaltigung einer 13-Jährigen in Berlin

  • Wurde eine 13-Jährige aus dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf in Berlin entführt und vergewaltigt?
  • Die Geschichte kursiert in den sozialen Netzwerken, allen voran auf den Seiten der rechtsextremen NPD.
  • Auch der größte staatliche russische Fernsehsender hat darüber berichtet und einen direkten Bezug zur Flüchtlingssituation hergestellt.
  • Nach den Ermittlungen des LKA gab es allerdings weder eine Entführung noch eine Vergewaltigung.
Von Hannah Beitzer, Berlin

In Berlin sorgt die angebliche Entführung und Vergewaltigung einer 13-Jährigen aus dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf für Aufregung. Die Nachricht verbreitete sich rasend schnell im Netz, auch die rechtsextreme NPD teilte den Fall auf mehreren ihrer Facebook-Seiten. Unter anderem hatte der größte staatliche russische Fernsehsender berichtet, das Mädchen sei vergangene Woche von südländisch aussehenden Männern entführt und vergewaltigt worden und einen direkten Bezug zur Flüchtlingssituation in Deutschland hergestellt.

In der Fernsehsendung kam unter anderem eine angebliche Tante des Mädchens zu Wort. Die 13-Jährige stammt aus einer russlanddeutschen Familie, von denen es in Marzahn-Hellersdorf viele gibt.

Verschiedene Versionen der Geschichte

Der Polizei zufolge war das Mädchen tatsächlich kurzzeitig als vermisst gemeldet, dann aber wieder aufgetaucht. "Fakt ist - nach den Ermittlungen unseres LKA gab es weder eine Entführung noch eine Vergewaltigung", schrieb sie ebenfalls auf Facebook. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft den Fall übernommen. Deren Sprecher Martin Stelter bittet ebenso wie die Polizei um große Vorsicht im Umgang mit der angeblichen Vergewaltigung. Zu den Ermittlungen will er sich nicht äußern, auch um die 13-Jährige zu schützen. Es gebe verschiedene Versionen der Geschichte, denen die Ermittler nun nachgingen.

Der Konstanzer Rechtsanwalt Martin Luithle zeigte am Dienstag eigenen Angaben zufolge den russischen Journalisten, der für den Beitrag über die angebliche Vergewaltigung verantwortlich ist, bei der Berliner Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung an. Der Journalist stachele die sechs Millionen Russlanddeutschen zum Hass gegen Flüchtlinge auf, sagte Luithle der Nachrichtenagentur AFP. Die zahlreichen Zufälle und Ungereimtheiten des TV-Berichts legten nahe, "dass es sich um eine vorbereitete Geschichte handelt". Die Staatsanwaltschaft bestätigte den Eingang der Anzeige bisher nicht.

Die angebliche Entführung kursiert unterdessen in den sozialen Netzwerken, allen voran auf den Seiten der rechtsextremen NPD. Immer wieder wird gegen die Polizei der Vorwurf erhoben, die Vergewaltigung mit Rücksicht auf die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung vertuschen zu wollen.

Auf einer NPD-Kundgebung am Samstag in Marzahn schilderte etwa eine angebliche Verwandte des Mädchens, wie die 13-Jährige stundenlang allein verhört und unter Druck gesetzt worden sei, ihre Aussage zurückzuziehen. Ein Videomitschnitt der Veranstaltung hat bereits Hunderttausende Klicks auf Facebook. Eine weitere Demonstration von 250 Menschen am Montag löste die Polizei auf.

In den vergangenen Jahren war es in Marzahn-Hellersdorf häufiger zu fremdenfeindlichen Demonstrationen gekommen - lange bevor in Deutschland von einer "Flüchtlingskrise" die Rede war. Bereits im Jahr 2013 hatte eine "Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf" gegen ein Flüchtlingsheim in dem Bezirk Stimmung gemacht. Die bezeichnete sich zwar stets als Zusammenschluss parteiunabhängiger "besorgter Bürger", doch Funktionäre der NPD tauchten schon damals in Marzahn-Hellersdorf auf.