Loveparade 511 Verletzte im Duisburger Drama

Bei der Massenpanik auf der Loveparade sind weit mehr Menschen verletzt worden als bislang angenommen. Die Duisburger Polizei gibt die Ermittlungen zur Katastrophe ab.

Bei dem Technofest Loveparade sind, vor allem durch die Massenpanik, nach Angaben der Staatsanwaltschaft Duisburg deutlich mehr Menschen verletzt worden als zunächst angenommen. Die Staatsanwaltschaft spricht von mehr als 500. "Die letze Zahl war 511", sagte Staatsanwalt Rolf Haferkamp. Am Sonntag hatten die Behörden die Zahl der Verletzten noch mit 342 angegeben.

Die Zahl der Verletzten nach der Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg ist auf über 500 gestiegen.

(Foto: dpa)

Die meisten Verletzten konnten nach kurzer Behandlung das Krankenhaus wieder verlassen. 43 Menschen befänden sich noch in stationärer Behandlung, teilte die Polizei mit.

20 Menschen waren bei der Katastrophe am Samstag auf dem Gelände des ehemaligen Duisburger Güterbahnhofs ums Leben gekommen. Zur Frage, ob die Todesopfer obduziert werden, wollte sich Haferkamp nicht äußern.

Duisburger Polizei gibt Ermittlungen ab

Indes will die Duisburger Polizei die Ermittlungen zu dem Unglück abgegeben. Staatsanwalt Haferkamp hatte den Einsatz der dortigen Beamten bei der Aufklärung der tragischen Geschehnisse zuvor verteidigt und angekündigt, man werde aber reagieren, wenn sich "Hinweise auf eine Befangenheit ergeben".

"Die Duisburger Polizei wird die Ermittlungen an eine andere Polizeibehörde abgeben, um neutrale Ermittlungen zu gewährleisten", kündigte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums in Düsseldorf an. Offenbar sollen nun Kollegen aus Essen oder Köln die Untersuchung der Katastrophe übernehmen.

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat zur Aufklärung des tragischen Unglücks eine unabhängige Untersuchungskommission verlangt. Die Kommission solle sich aus Fachleuten von Sicherheitsbehörden und Rettungsdiensten zusammensetzen, die nicht aus dem Duisburger Umfeld stammen, sagte der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl. Nur so könne unvoreingenommen geklärt werden, wie es zu der Tragödie gekommen sei. Auf Basis des Kommissionsberichts könnten allgemeingültige Sicherheitsstandards für derartige Großveranstaltungen entwickelt werden.

Staatsanwalt Haverkamp kündigte an, bei den Ermittlungen werde zu klären sein, ob bei der Planung oder der Ausführung der Großveranstaltung fahrlässig gehandelt wurde. Gegen die Veranstalter und die Stadt Duisburg sind nach dem tödlichen Ausgang der Massenparty massive Vorwürfe laut geworden.

Veranstalter Lopavent muss möglicherweise selbst zahlen

Unterdessen wurde bekannt, dass der Veranstalter der Loveparade, die Lopavent GmbH, möglicherweise selbst für Teile der Schadenssumme aufkommen muss. Das Duisburger Unternehmen hat eine Veranstalter-Haftpflichtversicherung bei der deutschen Tochter des französischen Versicherungskonzerns Axa abgeschlossen.

"Lopavent ist mit einer Gesamtdeckungssumme von 7,5 Millionen Euro bei der Axa versichert", sagte ein Sprecher des Versicherers der Financial Times Deutschland. Sollten Ansprüche über diese Deckungssumme hinaus entstehen, werde der Veranstalter dafür privat haften müssen, schreibt die Zeitung.

Gründer und Geschäftsführer von Lopavent ist Rainer Schaller, der auch die Fitnesskette McFit betreibt.

Zu Einzelheiten über Haftungsfragen oder zur Entschädigung für die Opfer wollte sich der Versicherer nicht äußern. "Wir sind in der Kette der ermittelnden Organe ganz hinten", sagte der Axa-Sprecher. Die Mitarbeiter müssten sich erst einmal ein Bild von der Lage machen.

Tanz, Tod, Trauer

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