Kriminalität "Osmanen Germania" verboten

Zuletzt waren die Osmanen durchaus erfolgreich bei der Anwerbung neuer Mitglieder – auch dank öffentlicher Werbung. Das ist nun vorbei.

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Die Gang fiel immer wieder durch Gewalt auf. Nun hat der Innenminister reagiert.

Von Oliver Klasen

Wie gefährlich die "Osmanen Germania BC" sind, verdeutlicht eine Szene, die sich Polizei und Staatsanwaltschaft zufolge im Februar 2017 in einer Wohnung im baden-württembergischen Herrenberg zugetragen haben soll. Mehrere Männer, allesamt Führungsfiguren der Gruppe, sollen ein weiteres Mitglied über drei Tage hinweg gequält, mit Eisenstange und Rasierklinge malträtiert, in den Oberschenkel geschossen und in Todesangst versetzt haben.

Der Fall ist seit März Gegenstand eines Prozesses, der im Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses in Stuttgart-Stammheim geführt wird, dort, wo vor mehr als 40 Jahren auch die Prozesse gegen die RAF-Terroristen abgehalten wurden. Die Anklage wirft den acht Angeklagten neben der Tat von Herrenberg noch eine Reihe weiterer Straftaten vor: Zuhälterei, räuberische Erpressung sowie diverse Waffen- und Drogendelikte. An diesem Dienstag hat Bundesinnenminister Horst Seehofer die "Osmanen Germania" und alle ihre Untergruppen deutschlandweit verboten. "Wer den Rechtsstaat ablehnt, kann von uns keine Nachsicht erwarten, sagte Seehofer.

Die Behörden waren schon in der Vergangenheit wiederholt gegen die Gruppierung vorgegangen, zuletzt mit einer bundesweiten Großrazzia im März. Die Erkenntnisse, die damals gewonnen worden seien, bildeten die Grundlage für das Verbot, sagte Seehofer. Jetzt hätten die Behörden in mehreren Bundesländern erneut Razzien angeordnet, um weiteres Beweismaterial zu sammeln. Nach Ansicht von Experten wie Oliver Huth vom Bund Deutscher Kriminalbeamter gehören die "Osmanen Germania" zu den aktivsten Gruppen im Bereich der organisierten Kriminalität. "Die Mitglieder sind hemmungslos gewalttätig und setzten ihre Gebiets- und Machtansprüche rücksichtslos durch", sagt Huth.

Erst 2015 gegründet, ist die Vereinigung in 16 Ortsgruppen, sogenannte Chapter, unterteilt. 300 aktive "Osmanen" soll es nach Erkenntnissen der Polizei geben, die Gruppe selbst spricht von 2000 Mitgliedern. Weil die "Osmanen ähnlich wie "Hells Angels" oder "Bandidos" Kutten und Abzeichen tragen, werden sie oft als Rocker bezeichnet. Eine Einordnung, die Huth nicht angemessen findet. "Ich würde eher von Gangkriminalität sprechen", sagt der Fachmann für organisierte Kriminalität. Das Verbot findet er richtig. "Die Osmanen stehen jetzt wieder bei null. Bisher waren sie erfolgreich bei der Anwerbung neuer Mitglieder, weil sie stark auf soziale Medien setzten und Menschen aus bildungsfernen Schichten eine Identität boten. Diese Art der öffentlichen Darstellung und Werbung ist durch das Verbot erst mal vorbei".

Viele Mitglieder der "Osmanen" stammen aus der Türkei und stehen dem türkisch-nationalistischen Milieu nahe. Einige betätigten sich in Deutschland als Security-Kräfte bei Terminen von Organisationen, die der türkischen Regierungspartei AKP nahestehen. Nach Einschätzung von Sicherheitsbehörden verfügt die Gruppe über beste Verbindungen in die türkische Politik. Ein führendes "Osmanen"-Mitglied aus Nordrhein-Westfalen soll sogar mit Staatspräsident Erdoğan beim Golfspielen gesehen worden sein.