Kölner Karneval Festkomitee stoppt "Charlie Hebdo"-Wagen

So sollte der "Charlie Hebdo"-Motivwagen aussehen.

  • Im Kölner Rosenmontagszug wird es doch keinen Wagen zum "Charlie Hebdo"-Attentat geben.
  • Man stehe zur Botschaft des Motivwagens, teilte das Festkomitee mit. Im Karneval sei es aber wichtig, dass jeder ohne Sorgen fröhlich feiern könne.

Der Kölner Karneval hat überraschend den Bau des umstrittenen Rosenmontags-Wagens, der den Anschlag auf das französische Magazin Charlie Hebdo satirisch aufgreifen sollte, gestoppt. Am Mittwochabend hat das Festkomitee mitgeteilt, den Wagen aus der Planung des Umzugs zurückzuziehen.

Man stehe zur Botschaft des Motivwagens, teilte das Festkomitee mit. Aber: Im Karneval sei es wichtig, dass Besucher, Bürger und Teilnehmer des Umzugs ohne Sorgen fröhlich feiern könnten. "Einen Persiflagewagen, der die Freiheit und leichte Art des Karnevals einschränkt, möchten wir nicht", schrieb das Komitee zur Begründung.

Wer auf dem Wagen mitgefahren wäre, stand schon fest: Die Kölnische Karnevalsgesellschaft, 1945 gegründet unter dem Motto "Et muß widder jet zo laache jevve!". Ihr Vorsitzender Johannes Kaussen sagte zu SZ.de: "Ich hätte kein Problem damit gehabt, auf dem Wagen mitzufahren. Es gab keine Hinweise auf Sicherheitsrisiken." Er respektiere und akzeptiere aber die Entscheidung des Komitees: "Das Thema ist durch."

Das steht in der Pressemitteilung des Festkomitees

Auf der Homepage des Festkomitees steht, dass die Entscheidung, den Wagen aus dem Zug zu nehmen, nicht davon beeinflusst wurde, dass Gruppen oder Karnevalsgesellschaften gegenüber dem Festkomitee Ängste geäußert hätten, vor oder hinter dem geplanten Charlie-Hebdo-Wagen zu gehen. "Im Gegenteil: Es haben sich zahlreiche unserer Mitgliedsgesellschaften direkt an uns gewandt und sich für die Mitfahrt auf diesem Wagen beworben, um damit ein Zeichen für die Meinungsfreiheit zu setzen."

Nach Auskunft hochrangiger Vertreter der Polizei und weiterer Behörden bestehe kein Risiko für den Rosenmontagszug - weder für Teilnehmer noch für Besucher. Deshalb waren auch keine speziellen Maßnahmen zur Sicherung von Wagen geplant, heißt es in der Pressemitteilung.

Das sagt Kölns Oberbürgermeister

Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) plädierte nach den Worten seines Sprechers Gregor Timmer noch wenige Stunden vor der Absage durch das Festkomitee dafür, den Wagen mitziehen zu lassen. Es sei für den Karneval wichtig, dass er sich "solidarisch zeigt mit denen, die Witz und Karikatur pflegen", heißt es in einem Bericht des Kölner Stadtanzeigers. Hinweise auf einen Anschlag habe auch die Stadt nicht. Aber: "Wenn das Festkomitee auch nur ansatzweise den Hinweis auf eine Gefährdung hat, ist diese Entscheidung nachzuvollziehen. Die Sicherheit geht vor allem anderen."

Abstimmung im Netz

Über das Motiv des Wagens war zuvor im Internet abgestimmt worden. Die Mehrheit hatte für einen Entwurf gestimmt, bei dem ein Jeck einen Buntstift in einen Pistolenlauf steckt, um die Meinungsfreiheit zu schützen.

Debatte um Motivwagen im Düsseldorfer Zug in 2007

2007 hatte es im Düsseldorfer Karneval eine Debatte wegen der Darstellung von Muslimen als Attentäter gegeben. Damals hatte sich Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, über einen Wagen im Düsseldorfer Zug beschwert. Die Plastiken zeigten säbelschwingende Männer mit Turban und Sprengstoffgürteln. Mazyek sagte: "Ich lese die Botschaft so: Wir lieben unsere Vorurteile und verfestigen sie notfalls mit platten Lügen." Er fügte damals einem Spiegel-Online-Bericht zufolge allerdings hinzu, er sehe "das als geborener Rheinländer aber gelassen".