Köln Katholische Kliniken weisen Vergewaltigungsopfer ab

Eine 25-Jährige wurde in Köln mit K.o.-Tropfen betäubt und vergewaltigt - in zwei katholischen Krankenhäusern wollte ihr offenbar trotzdem niemand helfen. Die Polizei sieht in dem Verhalten keinen Fall von unterlassener Hilfeleistung. Die Stiftung hinter den Kliniken spricht von einem "Missverständnis".

Eine vergewaltigte Frau hat sich auf der Suche nach Hilfe an zwei katholische Krankenhäuser in Köln gewandt und wurde offenbar abgewiesen. Unter anderem, weil eine Notfallärztin ihr zuvor die "Pille danach" verschrieben hatte.

Wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, war die 25-Jährige bei einer Party vermutlich mit K.o.-Tropfen betäubt worden und später auf einer Parkbank im Stadtteil Kalk zu sich gekommen. Eine Notärztin habe eine Vergewaltigung nicht ausschließen können und die beiden Kliniken, die der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria unterstehen, gebeten, mögliche Tatspuren gerichtsverwertbar zu sichern. Der Vorfall ereignete sich bereits Mitte Dezember 2012, wurde jedoch erst jetzt öffentlich.

Außerdem wurde der Frau die "Pille danach" verschrieben, die eine Schwangerschaft verhindert, auch wenn vor dem Geschlechtsverkehr keine Verhütungsmittel genommen wurden. Die beiden Krankenhäuser hätten jedoch nicht nur die Gabe des Verhütungsmittels, sondern auch die Spurensicherung abgelehnt, schreibt der Kölner Stadt-Anzeiger weiter.

Die Begründung der katholischen Klinik für ihr Verhalten lautet dem Bericht zufolge: Eine Untersuchung nach einem sexuellen Übergriff sei nicht möglich, weil man in einem Arzt-Patienten-Gespräch auch auf eine ungewollte Schwangerschaft, deren Abbruch und die Pille danach zu sprechen kommen müsse. Ein solches Aufklärungsgespräch sei jedoch mit dem katholischen Gedankengut unvereinbar. Folglich könne auch keine gynäkologische Untersuchung durchgeführt werden.

Die katholischen Kliniken bestreiten jedoch vehement, dass das Abweisen von Vergewaltigungsopfern bei ihnen gängige Praxis ist. "Es ist so, dass vergewaltigte Frauen bei uns behandelt werden", sagte Christoph Leiden, Sprecher der Stiftung der Cellitinnen.

Leiden sprach von einem Missverständnis. "Das bedauern wir sehr." Vergewaltigungsopfer würden in katholischen Krankenhäusern selbstverständlich genauso behandelt wie in allen anderen Kliniken - mit dem einzigen Unterschied, dass die Frau dort keine "Pille danach" bekommen könne. Sie werde aber über diese Möglichkeit informiert. Die Abweisungen seien bedauerliche Einzelfälle und entsprächen auf keinen Fall einer "Grundsatzhaltung".

Erzbistum Köln weist Vorwürfe zurück

Ähnlich äußerte sich das Erzbistum Köln und bestreitet den Bericht in Bezug darauf, dass seine Krankenhäuser gynäkologische Untersuchungen zur Spurensicherung bei einem Vergewaltigungsverdacht verweigern würden. Das sei absolut nicht so, sagte Christoph Heckeley, Sprecher des Erzbistums. Falls zwei katholische Krankenhäuser dies doch getan hätten, so wie dies in einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeiger beschrieben werde, widerspreche dies der offiziellen Linie. "Das bedauern wir dann sehr", sagte Heckeley.

Das einzige, was katholische Krankenhäuser laut Heckeley nicht tun dürften, sei die Aushändigung der "Pille danach". "Die 'Pille danach' hat eine abtreibende Wirkung", sagte Heckeley. Abtreibungen nähmen katholische Ärzte unter keinen Umständen vor, da sie werdendes Leben zerstörten.

Ein Sprecher der Kölner Polizei sagte zu SZ.de: "Wir kennen die Frau und den Fall und wir wissen auch, dass sie in einem Krankenhaus in Köln abgelehnt worden ist. Polizisten waren mit der Frau dorthin gefahren, später wurde die Frau in einem anderen Krankenhaus im Stadtteil Kalk untersucht." Es läge jedoch keine unterlassene Hilfeleistung vor, weil es in dem Fall lediglich um die Beweissicherung gegangen sei. "Es wird nicht ermittelt, weil es nur um den Nachweis einer Straftat ging", sagte der Polizeisprecher.