Israel Unumgänglich

Stoff für eine Seifenoper: Das Ehepaar Netanjahu und ihr Personal.

(Foto: Ronen Zvulun/Reuters)

Stoff für eine TV-Soap: Sara Netanjahu, Gattin des israelischen Premiers, zofft sich mit ihrem Personal.

Von Peter Münch

Bei Hofe geht es nicht immer vornehm zu, und Geschichten über die Eskapaden der israelischen Premiersgemahlin Sara Netanjahu haben seit jeher das Potenzial, Stoff für eine TV-Soap zu bieten. Nun aber mussten sich keine Kitsch- und Klatschschreiber mit dem bisweilen extravaganten Verhalten der Landesmutter beschäftigen, sondern ein Arbeitsgericht in Jerusalem. Die Richterin sprach Menny Naftali, dem früheren Hausmeister der Netanjahus, eine Entschädigung in Höhe von umgerechnet 40 000 Euro zu, weil er laut Urteilsbegründung "übertriebenen Forderungen, Beleidigungen, Demütigungen und Wutausbrüchen" seitens der Hausherrin ausgesetzt war.

Der Fall unterhält das Land seit Langem schon jenseits der tagespolitischen Trübnis. Dafür sorgte nicht zuletzt der 35-jährige Kläger selbst, der bei Gericht und gern auch nebenher allerlei erstaunliche Details aus dem Innenleben der Regierungsresidenz offenbarte. So warf er Sara Netanjahu einen bisweilen exzessiven Alkoholkonsum vor, der sie im Umgang nicht unbedingt sanfter stimmte. Einmal habe sie ihn nachts um drei angerufen und beschimpft, weil er Milch im falschen Behälter besorgt habe. Ein anderes Mal sei eine Vase vor seinen Füßen gelandet, weil die Blumen angeblich nicht frisch genug waren.

Sara Netanjahu hat all das in ihrer Aussage als "Verleumdung und Schlammschlacht" bezeichnet. Eine Lüge also nach Art jener alten Geschichten, die auch vom treuen Gatten stets als perfide politische Manöver verdammt wurden - wie dieser angebliche Schuhwurf an den Kopf des Kindermädchens zum Beispiel oder die Klage jener Angestellten, die von Frau Netanjahu als "Hure" und "nepalesisches Dreckstück" beschimpft worden sein soll. Obendrein muss sich die Politikergattin ja auch noch ständiger Kritik wegen mutmaßlicher Verschwendungssucht erwehren, nur weil sie ab und zu mal zum Friseur geht oder ein bisschen zu viel Eiscreme oder Duftkerzen auf Staatskosten kauft. Dabei ist sie erwiesenermaßen so sparsam, dass sie sogar Pfandflaschen zurück in den Supermarkt bringen lässt. Allerdings behauptet der ehemalige Hausmeister Naftali auch, dass sie das Geld dafür in die eigene Tasche gesteckt hat, obwohl die geleerten Flaschen aus öffentlichen Kassen bezahlt worden waren. Das soll ihr knapp 5000 Euro eingebracht haben, schließlich ist von 80 000 Flaschen die Rede in den Jahren 2009 bis 2013. Aber ganz bestimmt war auch viel Wasser dabei. Die vom Gericht auferlegten 40 000 Euro Entschädigung müssen die Netanjahus übrigens auch nicht selbst bezahlen. Das übernimmt der Staat als offizieller Arbeitgeber. Menny Naftali kann das egal sein. Er sprach nach dem Urteil von einem "Sieg Davids gegen Goliath". Als nächstes, so kündigte er an, wolle er ein Buch schreiben über seine Zeit bei den Netanjahus.