Islam Der alte Mann und der Hadsch

Jeder Muslim soll einmal im Leben nach Mekka pilgern - aber das ist teuer. So teuer, dass manch einer gesponsert werden muss. Das türkische Außenministerium erhörte den Wunsch von Abdullah.

Von Dunja Ramadan

Von Ghana nach Saudi-Arabien: Al-Hassan Abdullah.

(Foto: TRT World)

Das Hadsch-Rundum-sorglos-Paket kostet in diesem Jahr um die 5000 Euro, inklusive Visum, Hotel, Zelt, Flug und Busfahrten. Ein Preis, den sich selbst Reisende aus Deutschland nicht immer leisten können. Doch die Pilgerfahrt gehört zu den fünf Säulen im Islam, jeder gläubige Muslim soll mindestens einmal im Leben daran teilnehmen. Nur wer es sich finanziell oder gesundheitlich nicht leisten kann, wird von der Pflicht befreit. Am Mittwoch hat der Hadsch in Mekka begonnen. Die Zahl der ausländischen Pilger ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen; nach Angaben von Saudi-Arabien von 24 000 im Jahr 1941 auf 1,325 Millionen im Jahr 2016.

In diesem Jahr kommt auch Al-Hassan Abdullah aus Ghana nach Mekka. Seine Geschichte verbreitete sich schnell im Internet: Der ältere Mann, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt, konnte sich die Pilgerfahrt sein ganzes Leben lang nicht leisten. Als ein Fernsehteam des türkischen Senders TRT in sein Dorf kam, fragte er das Fernsehteam, ob sie neben der Kamera-Drohne nicht noch eine etwas größere Drohne hätten, die ihn nach Mekka bringen könnte. Der türkische Journalist Mucahid Durmaz teilte ein Bild von Abdullah auf Twitter, wie er staunend die Drohne hält, und erzählte von dessen Wunsch, den Hadsch zu machen.

Das türkische Außenministerium erhörte seinen Wunsch und lud ihn nach Istanbul ein, von wo aus er weiter nach Mekka zum Hadsch flog, wie die regierungsnahe Zeitung Daily Sabah berichtete. Ob es nun eine PR-Aktion oder ein Akt der Nächstenliebe war - Abdullah strahlt auf den Bildern. In seinem weißen Gewand hebt er die Hand zum Gruß, um seinen Hals trägt er den Hadsch-Ausweis - die Bänder in den Farben der ghanaischen Flagge. "Ich danke Allah und bete für jeden, der mir geholfen hat, diesen Traum zu erfüllen", sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Auf Abdullah kommen sehr intensive Tage zu. Bei Temperaturen bis zu 40 Grad ziehen die Pilger nach Mina östlich von Mekka, wo sie die erste Nacht in Zelten verbringen. Riesige Wassersprinkler sollen ihnen Abkühlung verschaffen. Zuvor umrunden die Gläubigen siebenmal das würfelförmige Gebäude der Kaaba im Hof der Großen Moschee. Am Freitag, dem dritten Tag der Wallfahrt, feiern die Muslime weltweit das Opferfest, das höchste islamische Fest.

Seit 2016 erhalten die Pilger GPS-Armbänder. Für Notfälle sind darauf persönliche und medizinische Informationen gespeichert. In der Vergangenheit kam es zu tragischen Unfällen mit Hunderten Toten. Besonders gefährlich ist die rituelle Steinigung des Teufels auf der fünfstöckigen Dschamarat-Brücke in Mina. Ein Expertenteam um Logistiker Knut Haase von der Uni Hamburg weist mithilfe eines mathematischen Modells 7000 Gruppen mit 250 Pilgern Routen und Zeitpunkte für das Steinigungsritual zu, damit Unfälle wie diese in Zukunft vermieden werden können.