Iran Tausende protestieren gegen Säureangriffe auf Frauen

"Stoppt Säureattacken": eine iranische Demonstrantin vor dem Justizgebäude in Isfahan

(Foto: AFP)
  • Kampf um Frauenrechte in Iran: Tausende gehen nach Säureangriffen auf mehrere Autofahrerinnen auf die Straße.
  • Hintergrund der Attacken soll die nach Meinung von Sittenwächtern unzureichende Verschleierung der Frauen gewesen sein.
  • Während die Moralpolizei Kampagnen gegen "schlechte Verschleierung" lanciert, werden die Vorschriften in großen Städen immer liberaler ausgelegt.

Iraner protestieren für Frauenrechte

Tausende Iraner haben in der Stadt Isfahan gegen Säureangriffe auf Frauen protestiert. Sie gingen mit Plakaten und Transparenten vor dem Justizgebäude der zentraliranischen Großstadt auf die Straße, wie die amtliche Nachrichtenagentur Irna berichtete. "Isfahan ist unsere Stadt, Sicherheit ist unser Recht", rief demnach die Menge und forderte die Behörden auf, gegen die Täter vorzugehen. Auf Plakaten war "Stoppt die Gewalt gegen Frauen" zu lesen.

Nach einigen Stunden wurde die Versammlung vor der Justizbehörde von der Polizei aufgelöst. Auch vor dem Parlament in Teheran wurde demonstriert, um ein Gesetz zur weiteren Verschärfung der Kleidungskontrollen zu verhindern.

Säureattacken wegen "schlechter" Verschleierung?

In der Stadt waren in der vergangenen Woche mindestens acht Frauen von Motorradfahrern mit Säure überschüttet und verletzt worden. Sie waren im Auto mit offenen Fenstern unterwegs. Berichten zufolge wurden sie angegriffen, weil sie "schlecht verschleiert" waren. Von offizieller Seite wird das vehement bestritten.

Gesundheitsminister Hassan Haschemi besuchte eine der angegriffenen Frauen, die durch die Attacke auf einem Auge blind geworden ist. "Ich war eine Studentin, ich bin gebildet. Ich war am Steuer meines Wagens und dann nahm der Angreifer mir mein Leben", sagte die Frau. Sie bat den Minister, der selbst gelernter Augenarzt ist, sich für eine Augenoperation einzusetzen.

Streit um Kleidungsvorschriften in Iran

In Iran sind Frauen seit der Islamischen Revolution 1979 gesetzlich verpflichtet, lange, lockere Kleidung und ein Kopftuch zu tragen, das Haar und Nacken bedeckt. Besonders in den großen Städten tragen viele Frauen jedoch nur noch ein lose um den Kopf geschlungenes Tuch und einen engen Mantel. Isfahan ist eine Touristenhochburg und gilt als besonders liberal.

Die Moralpolizei führt immer wieder Kampagnen gegen "schlechte Verschleierung", ohne aber eine grundsätzliche Änderung zu bewirken. Konservative Abgeordnete schrieben kürzlich an Präsident Hassan Rohani, um ihn zur schärferen Durchsetzung der Kleidervorschriften zu drängen. Rohani, ein relativ gemäßigter Politiker, warnte die Bürger aber vor übermäßigem Eifer und sprach sich dagegen aus, sich "zu sehr auf eine Frage wie die schlechte Verschleierung zu fokussieren".