Hessen Polizei erschießt mutmaßlichen Angreifer

Eine Bäckerei in Fulda: Hier soll ein Mann am frühen Freitagmorgen mehrere Menschen angegriffen und schwer verletzt haben, bevor er bei einem Polizeieinsatz getötet wurde.

(Foto: dpa)
  • Im hessischen Fulda ist ein Verdächtiger bei einem Polizeieinsatz getötet worden.
  • Der Mann soll zuvor vor einer Bäckerei randaliert und mehrere Menschen angegriffen haben.
  • Das Landeskriminalamt als unabhängige Stelle hat, wie in solchen Fällen üblich, die Ermittlungen aufgenommen.

Es kommt nicht oft vor, dass Polizisten in Hessen im Dienst ihre Waffen auf Menschen richten. Genau fünf Mal sei das im vergangenen Jahr passiert, sagt ein Sprecher des Landeskriminalamtes, zwei dieser Personen seien dabei ums Leben gekommen.

Auch an diesem Freitag ist ein Mensch durch einen Schuss aus einer Polizeiwaffe ums Leben gekommen. Der Einsatz hat sich in Fulda abgespielt. Gegen halb fünf am Morgen wurde die Polizei alarmiert. Vor einer Bäckerei randaliere ein Mann, er habe mehrere Menschen angegriffen, heißt es. Die Beamten fahren sofort hin.

Was sich dann ereignet hat, ist derzeit noch nicht restlos klar. Die Staatsanwaltschaft Fulda und das Landeskriminalamt ermitteln und versuchen, die Ereignisse zu rekonstruieren. Dass eine unabhängige Stelle wie das LKA einbezogen wird, ist Routine, wenn bei einem Polizeieinsatz ein Mensch getötet wird.

Polizei und Staatsanwaltschaft zufolge soll der Mann vor der Bäckerei einen Auslieferungsfahrer mit Steinen und einem schlagstockartigen Gegenstand attackiert haben. Anschließend soll er die Scheiben der Bäckerei, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht geöffnet hatte, zertrümmert haben.

Auch die schließlich eintreffenden Polizisten seien von dem Mann sofort angegriffen worden. Mindestens einer der Polizisten habe daraufhin geschossen und, so der Stand der bisherigen Ermittlungen, mindestens drei Schüsse abgegeben.

Der Tatort liegt auf einem ehemaligen Kasernengelände, wo sowohl Wohnhäuser als auch Gewerbebetriebe angesiedelt sind. Auch das Polizeipräsidium ist nur wenige Hundert Meter entfernt. Auf Fotos sieht man zahlreiche Polizeifahrzeuge und eine Absperrung.

Inzwischen weiß man auch, wer der mutmaßliche Angreifer ist: Ein 19-jähriger aus Afghanistan stammender Mann, der zuletzt in einer nahe des Tatorts gelegenen Flüchtlingsunterkunft lebte. Das Motiv für die Tat ist noch unklar. Auch, ob der Auslieferungsfahrer ein Zufallsopfer war oder gezielt attackiert wurde, weiß die Polizei noch nicht.

Neben dem Auslieferungsfahrer war auch eine Verkäuferin in der Bäckerei anwesend. Sie erlitt einen Schock. "Unseren beiden Mitarbeitern geht es den Umständen entsprechend gut, aber unser Fahrer musste ins Krankenhaus", sagte ein Sprecher der Bäckerei-Kette.

Anmerkung der Redaktion

In der Regel berichtet die SZ nicht über ethnische, religiöse oder nationale Zugehörigkeiten mutmaßlicher Straftäter. Wir weichen nur bei begründetem öffentlichen Interesse von dieser im Pressekodex vereinbarten Linie ab. Das kann bei außergewöhnlichen Straftaten wie Terroranschlägen oder Kapitalverbrechen der Fall sein oder bei Straftaten, die aus einer größeren Gruppe heraus begangen werden (wie Silvester 2015 in Köln). Ein öffentliches Interesse besteht auch bei Fahndungsaufrufen oder wenn die Biografie einer verdächtigen Person für die Straftat von Bedeutung ist. Wir entscheiden das im Einzelfall und sind grundsätzlich zurückhaltend, um keine Vorurteile gegenüber Minderheiten zu schüren.

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