Großbritannien Missbrauchsskandal erschüttert englische Stadt Telford

  • Die Zeitung Sunday Mirror berichtet, die Fälle seien bereits früh bekannt gewesen, doch die Polizei habe lange nicht reagiert.
  • Bei der Bande soll es sich um Männer vorwiegend asiatischer Herkunft handeln; aus Angst vor Rassismus-Vorwürfen soll die Polizei die Fälle nicht dokumentiert haben.
  • Die örtliche Polizei bestätigt die Anzahl der Opfer jedoch nicht.

Es geht um Missbrauch, Vergewaltigung und sogar Mord: Eine organisierte Bande soll über einen Zeitraum von 40 Jahren bis zu 1000 minderjährige Mädchen vergewaltigt, misshandelt und zur Prostitution gezwungen haben. Das berichtet die Zeitung Sunday Mirror unter Berufung auf eigene Recherchen in der 170 000-Einwohner-Stadt Telford, nordwestlich von Birmingham. Die Zeitung spricht vom "schlimmsten Kindesmissbrauchskandal Großbritanniens".

Die Recherchen reichen zurück bis in die 1980er Jahre. Die Zeitung zitiert Opfer, die erzählen, sie seien zum Teil jahrelang missbraucht und an Freier verkauft worden. Die Mädchen waren zum Tatzeitpunkt zwischen elf und 14 Jahren alt. "Ich wurde zweimal schwanger und hatte zwei Abteibungen", sagte eine Betroffene. Drei Mädchen sollen sogar ermordet worden seien. Um sie gefügig zu machen, sollen die Männer die Mädchen unter Drogen gesetzt und sie bedroht haben.

Sozialarbeiter sollen bereits in den 1990er Jahren von den Fällen gewusst haben, doch die Polizei habe ein Jahrzehnt gebraucht, um in Aktion zu treten, schreibt die Zeitung weiter. Das läge auch daran, dass die Polizei aus Angst vor dem Vorwurf des Rassismus keine Daten von Verdächtigen asiatischer Herkunft aufbewahrt hat. Der Zeitung zufolge hätte es die Gruppen von vorwiegend asiatischer Männer auf weiße, verletzliche Mädchen abgesehen.

Martin Evans, Assistant Chief Constable von der zuständigen Polizei West Mercia, sagte dem Mirror, man nehme die Vorwürfe sehr ernst und man werde alle zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch aufzuklären. Eine Erklärung, warum angeblich so lange nichts unternommen wurde, wird nicht genannt. Lediglich, dass die Ermittlungsarbeit in solchen Fällen von Missbrauch heute ganz anders sei als vor zehn bis 20 Jahren.

Der zuständige Polizeichef Tom Harding bezeichnete dem Sender BBC gegenüber die Berichterstattung des Mirror als "sensationsheischend", die Anzahl der Betroffenen sei übertrieben. Ihm zufolge seien der Polizei von Telford derzeit nur 46 Fälle bekannt. "Ich glaube nicht, dass Telford schlimmer ist als irgendein anderer Ort in England oder Wales."

Im vergangenen Jahr hatte ein ähnlicher Fall weltweit Schlagzeilen gemacht: in Rotherham in South Yorkshire waren Ermittlungen zufolge mindestens 1400 Kinder zwischen 1997 und 2013 sexuell ausgebeutet worden. Fast alle Mitglieder des Netzwerks hatten asiatische Wurzeln, waren aber in Großbritannien geboren. Die Mädchen und Frauen wurden unter Drogen gesetzt und danach missbraucht. Eine weitere Bande flog vor wenigen Jahren in Rochdale in der Nähe von Manchester auf. Sie hatte Mädchen zwischen 13 und 15 Jahren zur Prostitution gezwungen.

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