Geplanter Eis-Highway in Kanada "Dümmste Sache, die ich in 30 Jahren gehört habe"

  • Landschaftsarchitekt Matt Gibbs will einen elf Kilometer langen Eis-Highway durch die kanadische Stadt Edmonton bauen.
  • Der "Freezeway" soll die Umwelt schonen und das soziale Miteinander fördern.
  • Der Stadtrat diskutiert den Vorschlag kontrovers.

Auf Schlittschuhen zum Eishockey-Stadion

Es ist kalt, sehr kalt in Edmonton. Zurzeit sind es minus 16 Grad in der kanadischen Stadt 1000 Kilometer nordöstlich von Vancouver. Die ideale Temperatur also, um Schlittschuh zu fahren. Und warum nicht auch damit zur Arbeit oder zur Schule, dachte sich Landschaftsarchitekt Matt Gibbs.

In seiner Masterarbeit an der University of British Columbia erarbeite Gibbs vor zwei Jahren ein theoretisches Konzept, wie solch ein Eis-Highway aussehen könnte - nun will er es umsetzen. Elf Kilometer lang soll der "The Edmonton Freezeway" sein, durch die Innenstadt führen und parallel zu den bestehenden Straßen verlaufen. Für die Strecke will der Landschaftsarchitekt auch stillgelegte Eisenbahnstrecken nutzen. Das örtliche Eishockey-Stadion soll ebenfalls angebunden werden. So könnten Fans stilecht mit Schlittschuhen zu den Spielen fahren.

Monatelange harte Winter

In einem Video zu seinem Projekt, das von den örtlichen Medien als "Liebeserklärung an den harten Winter" bezeichnet wird, sagt Gibbs, der "Freezeway" fördere "nachhaltigen öffentlichen Verkehr und das soziale Miteinander der Stadtbewohner". Außerdem würde er Edmonton ein Alleinstellungsmerkmal verpassen, das die Attraktivität der Stadt auch für Touristen erhöhe: "Ich weiß, wie hart es ist, während des heftigen und sehr langen Winters in Edmonton zu leben. Ich möchte einen Weg finden, dieser Zeit ein bisschen Aufregung und Aktivität zurückzugeben. Der Eis-Highway könnte zeigen, was Edmonton ist und dass hier herzliche, tolle Menschen wohnen, die diese verrückten Winter durchstehen."

Der "Freezeway" soll durch die Innenstadt führen und parallel zu den bestehenden Straßen verlaufen.

(Foto: The Edmonton Freezeway)

Edmonton, die Hauptstadt der kanadischen Provinz Alberta, eignet sich eigentlich gut für Gibbs' Idee, mit der er 2013 einen internationalen Landschaftsarchitektur-Wettbewerb gewann: Von November bis Anfang April liegen die Durchschnittstemperaturen meist im zweistelligen Minusbereich; die Einwohner sind Kälte und Eis gewöhnt. Außerdem sind die Kanadier eine Eishockey-begeisterte Nation und viele von klein auf auf Schlittschuhen unterwegs.

Kosten ungeklärt

Dennoch sorgt die Idee im Stadtrat von Edmonton für kontroverse Diskussionen: Die einen lieben den Vorschlag, andere wie Stadtrat Mike Nickel halten ihn "für die dümmste Sache, die ich in 30 Jahren gehört habe".

Das Hauptproblem ist die Frage der Haftung im Falle eines Unfalls, sagte Gibbs lokalen Medien. Auch die Kosten für den "Freezeway" sind noch ungeklärt. Seinen Schätzungen zufolge könnte ein Meter Eisbahn zwischen 16 und 400 Dollar kosten - je nach Umsetzung. Die Finanzierung will Gibbs durch einen Sponsor oder via Crowdfounding gewährleisten. Im Sommer sollen Radfahrer die Strecke nutzen können. Testen will der Erfinder das Konzept zuerst aber als Freizeitangebot auf kleineren Streckenabschnitten. Der Freezeway ließe sich mittels nachhaltiger Kühltechnik auch in wärmeren Monaten nutzen.

Ganz neu ist Gibbs' Idee allerdings nicht. In den Neunzigern schlug der damalige Stadtrat Tooker Gomberg vor, dass die Stadtverantwortlichen im Winter die Hydranten öffnen und die Straßen fluten sollten, damit die Menschen zur Arbeit auf Schlittschuhen skaten können. Im kanadischen Ottawa wird der "Rideu Canal" über die Wintermonate zur öffentlichen Eisbahn, die direkt durch das Stadtzentrum führt. Auch in den Niederlanden nutzen die Bewohner in besonders kalten Wintern immer wieder die zugefrorenen Grachten, um auf Schlittschuhen durch die Stadt zu sausen.