Mit AC/DC kann man Schmerzen zufügen. Nach der Veröffentlichung einer Liste mit Liedern, die für "berührungslose Folter" eingesetzt werden, wollen sich Bands gegen die Verwendung wehren.
Die britische Menschenrechtsorganisation Reprieve veröffentlichte diese Woche eine Liste von Songs, die amerikanische Soldaten und Geheimdienstbeamte in Guantanamo Bay einsetzten, um den Willen von Gefangenen zu brechen. Die Einträge sind vorhersehbar. AC/DC, Eminem und Nine Inch Nails finden sich da mit jeweils zwei Songs, Christina Aguileras "Dirrty", aber auch die Titelmelodie der Kindersendung "Sesamstraße". Die beiden angeblich meistgespielten Songs der Lagersoldaten sind "Enter Sandman" von Metallica und "Babylon" von David Gray.
Nicht nur Rock wird bei der "No Touch Torture" zur Waffe (Archivaufnahme von einem AC/DC-Konzert) (© Foto: AP)
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Solche Stücke werden den Gefangenen oft über Tage hinweg in Endlosschleifen und extrem hoher Lautstärke vorgespielt. Das Rote Kreuz betrachtet das als Folter. UN und Europäische Gerichtshof für Menschenrechte habend die Methode verboten. Der korrekte Fachbegriff für solche Methoden, zu denen auch Schlafentzug und das lange Verharren in unbequemen Körperhaltungen gehört ist "No Touch Torture" - berührungslose Folter.
Die Liste von Reprieve ist nicht die erste dieser Art. Sie deckt sich auch weitgehend mit der Hitparade der Foltersongs, welche die amerikanische Zeitschrift Mother Jones im Frühjahr veröffentlichte. Und doch sind solche Listen trügerisch, weil sie der Folter letztendlich einen Hauch von Raffinesse andichten, die Folter nie hatte. Dass es letztendlich egal ist, welche Musik bei der "No Touch Torture"-Methode eingesetzt wird, zeigen Berichte von US-Soldaten, die Musik schon lange als Mittel der psychologischen Kriegführung einsetzen.
Nur Metallica freut sich
Egal ob in Abu Ghraib oder auch bei der Invasion in Panama, als US-Truppen den flüchtigen Diktator und Opernfan Noriega mit Hardrock aus seinem Versteck in der päpstlichen Nuntiatur zwangen, nie wurde den Soldaten vorgeschrieben, welche Musik sie zu spielen hätten. Solche Listen sagen also mehr über den jeweils aktuellen Musikgeschmack junger Soldaten aus, als über die Natur der Folter.
Die Musikwissenschaftlerin an der New York University Suzanne Cusick veröffentlichte Anfang dieses Jahres im Journal of the Society for American Music eine Studie, die zu diesem Schluss kommt. In den Händen der sogenannten Verhörspezialisten der Army und der CIA wird Musik ganz einfach zu einer Form des Lärms.
Die emotionalen Komponenten der Musik, wie die Harmonien, der Stil und der Gesang, spielen in diesem Kontext nur eine untergeordnete Rolle. Sie verstärken lediglich den gewünschten Effekt der totalen Desorientierung, lösen ihn aber nicht aus. Allerdings wirkt dieser Verstärkungseffekt so nachhaltig, dass mehrere Folteropfer die Behandlung mit Musik als schlimmer empfanden, als körperliche Folter.
Das eigentlich Interessante an Cusicks Studie ist jedoch der Ton, in dem sie ihre Arbeit verfasst hat. Die Verzweiflung, mit der sie ihr Fazit zieht, erinnert an die Verzweiflung der amerikanischen Psychologen- und Ärzteschaft, als bekannt wurde, dass Kollegen in Abu Ghraib und Guantanamo mithalfen, die Effekte "erweiterter Verhörmethoden" zu verstärken.
Es ist für Wissenschaftler, die von Berufs wegen nur das Beste für die Menschheit im Sinn haben, nicht nachvollziehbar, dass ihre Wissenschaft von ihrer eigenen Regierung so missbraucht werden kann. Den Methoden akademische Raffinesse zu unterstellen, ginge jedoch in jedem Fall zu weit. Das einzige Raffinierte an den berührungslosen Foltern sind die juristischen Winkelzüge, mit denen hier die Genfer Konventionen umgangen werden.
Die Popmusiker selbst wollen sich nun gegen den Missbrauch ihrer Musik wehren. Tom Morello von Rage Against the Machine, Massive Attack, und andere haben die Organisation "Zero Decibel" gegründet, die sich für das Verbot von Folter mit Musik einsetzt, zum Beispiel mit Schweigeminuten bei Konzerten. Nur die Gruppe Metallica freute sich über die Nachricht, Folterhits zu liefern. Das sei ja die Bestätigung, dass ihre Musik so bedrohlich wirkt, wie sie gedacht sei. Außerdem sei die Band froh, ihren Beitrag zum Krieg gegen den Terror zu leisten.
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(SZ vom 12.12.2008/grc)
Whitney Houstons beste Songs
irgendeinen link kann ich ihnen nicht bieten.
das mit der übereinstimmung bezweifle ich ehrlich gesagt etwas.
wenig worte der empörung oder des bedauerns ...dafür besorgnis um die cd-sammlung? hmmmm ... weiss nicht.
Ist das das Gefangene-Wärter Rollenspiel?
Kenn ich, aber danke für den Hinweis.
bin da inhaltlich ganz ihrer Meinung.
Hätte nur gerne eine Quellenangabe für den letzten Absatz gehabt.
UNd die Tatsache, dass im Forum im wesentlichen um diesen letzten Absatz debattiert wird, macht denke ich deutlich, dass alle Leser mit ihren Argumenten und dem Rest des Artikels übereinstimmen.
Schönes WE, das Forum hier schließt ja gleich ;-)
auschwitz ähnlich perfide: klassische musik wurde als "willkommensmusik" eingesetzt. ich hab aussagen von menschen gelesen, die sagten sie hätten immer wenn sie eines der stücke gehört hätten, panik bekommen.
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noch was: schauen sie sich mal "das experiment" an. das milgram-experiment zum beispiel in den 60ern ist da auch ein steinchen in der mauer der erforschung, wie menschen unter welchen umständen "ticken"......
es ist egal.
wirklich.
ob die nun metallica hören müssen oder den musikantenstadl.
die tatsache, über tage, wochen, monate mit musik (oder lärm) beschallt zu werden ist folter.
natürlich finde ich ist es besonders perfide, dann auch noch "hits" zu benutzen. vor allem wenn man bedenkt, dass sich die musik ins hirn brennt, und man immer und überall wieder damit konfrontiert werden könnte, da ja "hits". was dabei dann wieder entsteht, sind die angst- und ohnmachtsgefühle, die im moment der inhaftierung gefühlt wurden.
es ist eine unglaublich inhumane und subtile form der konditionierung. das und allein das sollte uns interessieren.
und, wenn es so sein sollte, dass sich "metallica" auch damit noch brüstet, denn sollte sicher im zweiten schritt überlegt werden, ob man die boykottiert.
Paging