Flugzeugabsturz in San Francisco "Feuer und Rettungspersonal überall"

Zwei Tote, 182 Verletzte - das ist die verheerende Bilanz der Bruchlandung von Flug 214 der Asiana Airline in San Francisco. Der Flughafen der Stadt gilt als schwierig, denn das Wasser ringsherum kann die Wahrnehmung des Piloten beeinflussen. Doch noch ist unklar, ob menschliches Versagen zu dem Unglück führte. Die Crew informierte das Bodenpersonal offenbar bereits früh über Probleme an Bord.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Chesley Sullenberger ist ein Experte für knifflige Landungen - er ist der Kapitän, der im Januar 2009 ein Flugzeug auf dem Hudson River von New York zu Wasser gebracht und alle 155 Passagiere an Bord gerettet hat. Am Samstagabend sagte dieser Chesley Sullenberger, dass der Flughafen von San Francisco ein ganz spezieller sei: "Das Wasser rundherum kann die Wahrnehmung des Piloten beeinträchtigen." Zudem würden die stets wechselnden Winde für Schwierigkeiten sorgen.

Wenige Stunden vor Sullenbergs Analyse war eine Boeing 777 der Asiana Airlines auf der Landebahn des Flughafens verunglückt. Zwei Frauen starben, 182 Menschen wurden schwer und teils lebensgefährlich verletzt. Bei den Toten handelt es sich offenbar um zwei junge Chinesinnen. Sie seien nach dem Unglück außerhalb des Flugzeugs auf der Landebahn gefunden worden, sagte Feuerwehrchefin Joanne Hayes-White. "Es ist ein tragischer Tag. Als wir zur Unfallstelle kamen, glitten Menschen bereits die aufblasbaren Notfall-Rutschen herunter."

Es war ein schrecklicher Anblick, den das Flugzeug nach dem Unglück bot: Es lag wie ein gestrandeter Wal zwischen zwei Startbahnen und sah so aus, als hätte jemand mit einem überdimensionalen Dosenöffner das Dach entfernt. Aus beinahe allen Öffnungen quoll Rauch, der Bauch des Flugzeugs war verkohlt. Das Heck lag mehrere Hunderte Meter entfernt, zwischen Aufsetzpunkt und Flugzeug war jede Menge Schutt zu sehen.

Keine Hinweise auf einen terroristischen Anschlag

Bei Flugzeug-Unglücken schellen in den Vereinigten Staaten sogleich die Alarmglocken - vor allem, wenn die Witterungsbedingungen offensichtlich ideal waren und einer der Menschen, der sich im Flugzeug befindet, bei Twitter schreibt: "Feuer und Rettungspersonal überall, sie evakuieren die Verletzten. So habe ich mich seit dem 11. September nicht mehr gefühlt." Das National Transportation Safety Board bemühte sich zunächst erst gar nicht, die Möglichkeit eines terroristischen Anschlags zu zerstreuen, die Vorsitzende Deborah Hersman sagte: "Wir ermitteln in alle Richtungen, derzeit liegen alle Möglichkeiten auf dem Tisch."

Erst später gab es eine Erklärung des Federal Bureau of Investigation (FBI): "Derzeit gibt es keinen Hinweis, dass es sich um einen terroristischen Anschlag handeln könnte." Hersman erklärte vor ihrem Abflug mit einem Team von Ermittlern von Washington nach San Francisco, dass es Monate oder gar Jahre dauern könne, ehe man den Grund für das Unglück genau identifizieren könne. Man solle sich an die Fakten halten, ohne voreilige Schlüsse zu ziehen.

Spekulationen über Pilotenfehler

Die Fakten sind: Flug 214 der Asiana Airline kam aus dem südkoreanischen Seoul nach San Francisco, an Bord waren insgesamt 307 Menschen, davon 291 Passagiere - darunter eine Schulklasse aus China. Auch Facebook-Chefin Sheryl Sandberg sollte dazugehören, sie nahm jedoch in letzter Minute eine spätere Maschine. Um 11:28 Uhr Ortszeit berührte das Flugzeug den Boden kurz vor 28L, einer von vier Landebahnen am Flughafen von San Francisco. Dann drehte es sich, verlor das Heck, rutsche weiter und kam schließlich neben der Landebahn zum Stillstand. Der komplette Flughafen wurde für drei Stunden gesperrt, um 15 Uhr wurden zwei Landebahnen wieder in Betrieb genommen. Soweit die Fakten.

Laut mehrerer Webseiten, die sich mit Start und Landung von Flugzeugen beschäftigen, kam das Flugzeug in einem steileren Winkel zum Flughafen als eine vergleichbare Maschine, die wenige Stunden zuvor gelandet war. Es könne sich also durchaus um einen Fehler des Piloten gehandelt haben, so die Spekulationen auf diesen Seiten.

Auf FlightAware.com - einer Webseite, auf der die Benutzer die Wege von Flugzeugen verfolgen können, hieß es, dass die Piloten das Bodenpersonal offensichtlich schon während des Fluges über Probleme informiert hätten. Die Antwort vom Boden an das Flugzeug soll gewesen sein: "Die Einsatzfahrzeuge sind bereit, sie sind schon unterwegs." Am Flughafen von San Francisco allerdings wollte auf Anfrage von SZ.de diesen Funkspruch niemand bestätigen.