Perth Deutsche Flaschenpost nach 132 Jahren in Australien entdeckt

Die vielleicht älteste Flaschenpost der Welt wurde an einem Strand in Australien gefunden.

(Foto: Kym Illman/dpa)

Eine Spaziergängerin findet an einem einsamen Strand eine Ginflasche. Sie wurde im Auftrag der Deutschen Seewarte in den Indischen Ozean geworfen.

1886 in Deutschland: König Ludwig II. stirbt unter bis heute nicht restlos geklärten Umständen im Starnberger See, Carl Benz bekommt für das von ihm gebaute Automobil das Patent und vom deutschen Forschungsschiff Paula wird eine Flaschenpost abgeschickt. Zum Glück befindet sich darin nicht der Notruf eines Schiffsbrüchigen, die Rettung wäre wohl zu spät gekommen. Und auch ein Liebesbrief hätte wohl nicht zu einem glücklichen Ausgang geführt, der Adressat wäre längst verstorben: Denn erst jetzt, genau 131 Jahre, sieben Monate und neun Tage später, ist eben jene Flaschenpost an einem einsamen Strand in Australien gefunden worden.

Darin: Post aus einer anderen Zeit in einer verblichenen deutschen Handschrift. Recherchen ergaben: Die Ginflasche mit dem zusammengerollten Formular darin wurde von Bord der Paula in den Indischen Ozean geworfen, 800 Seemeilen von der australischen Küste entfernt. Das deutsche Segelschiff war damals mit Kohle von Cardiff nach Indonesien unterwegs, im Bordbuch ist am 12. Juni 1886 vermerkt: "Stromflasche über Bord".

Der Auftraggeber der Forschungspost war die Deutsche Seewarte. Beim Nachfolger, dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg, ist man von der Echtheit des Funds überzeugt. Demnach war keine wissenschaftliche Flaschenpost länger unterwegs. Der bisherige Rekord liegt bei etwas mehr als 108 Jahren.

Gefunden wurde die Flasche bereits im Januar. Die Australierin Tonya Illman war damals mit der Freundin ihres Sohnes am Strand von Wedge Island an der australischen Westküste unterwegs, als sie in den Dünen den Schatz entdeckte: die dunkelgrüne Flasche ragte zur Hälfte aus dem Sand heraus. Erst dachte sie, es sei Müll, dann änderte sie ihre Meinung: "Ich dachte, sie könnte sich gut in meinem Bücherregal machen, deshalb habe ich sie mitgenommen."

Die Freundin ihres Sohnes habe dann den Zettel mit der Botschaft entdeckt: "Diese Flasche wurde über Bord geworfen am 12ten Juni 1886 In 32° 49' Breite Süd Und 105° 25' Länge Süd Greenwich Ost. Vom: Bark Schiffe: Paula Heimath: Elsfleth", heißt es darauf. Der Finder solle doch bitte den Zettel zurück an die deutsche Seewarte "oder auch an das nächste Konsulat zur Beförderung an jene Behörde" senden.

Auch wenn eine Flaschenpost weder besonders schnell noch besonders zuverlässig ist, galt das schwimmende Altglas im 19. Jahrhundert als wichtiges Hilfsmittel für Wissenschaftler: Zwischen 1864 und 1933 wurden Tausende solcher Flaschenpost-Sendungen von deutschen Schiffen über Bord geworfen, um mehr über die Meeresströmungen zu erfahren. Die letzte dieser Sendungen wurde im Januar 1934 am Strand von Dänemark gefunden.

Inzwischen haben automatische Treibbojen die Aufgabe übernommen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass eine Flaschenpost irgendwo heil ankam und gefunden wurde, lag bei etwa zehn Prozent. Nur 663 Formulare und keine einzige Flasche kamen nach Hamburg zurück. Die Flaschenpost von 1886 wird die nächsten zwei Jahre im Westaustralien-Museum in Perth zu sehen sein. Vielleicht findet sie danach, 134 Jahre nachdem sie abgeschickt wurde, doch noch den Weg nach Hamburg.