Festnahme am Flughafen Männer im "Heiligen Krieg"

Die Polizei hat am Kölner Flughafen zwei Männer festgenommen, die sich offenbar am Dschihad beteiligen wollten. Wie eng sind ihre Kontakte in die islamistische Szene?

Von Hans Leyendecker

Die Bundespolizei hat am Freitag gegen 6.55 Uhr auf dem Kölner Flughafen zwei Männer an Bord einer Maschine der Fluggesellschaft KLM festgenommen. Der 23-jährige Somalier und der 24Jahre alte Deutsche, der in der somalischen Hauptstadt Mogadischu geboren ist, wurden schon seit Monaten von Staatsschützern des Düsseldorfer Landeskriminalamts (LKA) beobachtet. Den Männern wird versuchte Beteiligung an einem Verbrechen vorgeworfen. Die politische Abteilung der Staatsanwaltschaft Bonn leitete gegen die beiden am Freitagnachmittag ein Ermittlungsverfahren ein. Möglicherweise kommen die Verdächtigen am Samstag wieder frei.

In ihrem Gepäck waren bei der Kontrolle Schriftstücke gefunden worden, die darauf hindeuten sollen, dass die Männer sich am sogenannten Heiligen Krieg (Dschihad) beteiligen und angeblich im Ausland Anschläge verüben wollten. Ein Sprecher des LKA sagte, die Männer hätten Abschiedsbriefe hinterlassen. Akute Gefahr habe nicht bestanden. Auch gibt es keine Hinweise, dass die Männer eine Entführung der KLM-Maschine planten. Sie startete mit 80-minütiger Verzögerung nach Amsterdam.

Die Verdächtigen sollen zu einer Gruppe mutmaßlicher Islamisten gehören, die seit langem von der Polizei observiert wird. Die Beamten sollen sich aufgrund der Abschiedsbriefe und des Flugziels Amsterdam kurzfristig zum Zugriff entschlossen haben. Der Karlsruher Generalbundesanwalt übernahm die Ermittlungen nicht.

Es dauerte auch eine Weile, bis die Bonner Strafverfolgungsbehörde ein Verfahren einleitete. Der Zugriff sei eine "Art Präventivmaßnahme" des LKA gewesen, betonte ein nordrhein-westfälischer Staatsschützer. Umlaufende Gerüchte, die beiden Festgenommenen hätten Kontakte zu in Deutschland vermuteten islamistischen Terroristen gehabt, wurden von Sicherheitsbeamten nicht bestätigt.

Weder gebe es, so der Staatsschützer "bislang feststellbare Kontakte" zur sogenannten Sauerlandgruppe, die größere Anschläge in Deutschland geplant haben soll, noch zu dem Saarländer Eric Breininger und seinem libanesischen Freund Houssain al-Malla, nach denen das Bundeskriminalamt seit Montag fahndet: "Da wird zwar über lose Kontakte gemunkelt, aber in der islamistischen Szene kennt jeder jeden", sagte der Beamte.

Auch Berliner Sicherheitsexperten bestritten Zusammenhänge zwischen der Festnahme in Köln und der Fahndung nach Breininger und dessen Freund. Einen islamistischen Hintergrund hatte möglicherweise der von drei jungen türkischstämmigen Jugendlichen angeblich geplante Mordanschlag auf zwei Kölner Polizisten am Dienstag dieser Woche. Die 15 bis 17 Jahre alten Jugendlichen erklärten bei Vernehmungen, sie hätten die Beamten in eine Falle locken und töten wollen, um in den Besitz ihrer Dienstwaffen zu kommen.

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