Farrow vs Allen Missbrauchsvorwürfe: Woody Allens Sohn kritisiert Kartell des Schweigens

Links Woody Allens Sohn Ronan Farrow; rechts, unbehelligt von dessen Missbrauchsvorwürfen, der Regisseur auf dem roten Teppich in Cannes.

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Trotz skandalöser Anschuldigungen sei der US-Regisseur bis heute unbehelligt geblieben - auch wegen der Feigheit der US-Medien und des Showgeschäfts. Allen reagiert gelassen: Er habe alles dazu gesagt.

Es sind heftige Vorwürfe, die Ronan Farrow, der Sohn von Woody Allen, erhebt. Sie richten sich gegen seinen Vater, der im Verdacht steht, Farrows Adoptivschwester Dylan missbraucht zu haben.

Die Vorwürfe sind schon seit zwei Jahren bekannt. Ronan Farrow, der selbst als Journalist arbeitet, beschuldigt aber auch US-Medien. Sie hätten über den Fall nicht genügend berichtet und im Fall seiner Schwester ein regelrechtes Kartell des Schweigens gebildet.

In einem Gastbeitrag für den Hollywood Reporter begründet er seine Angriffe: Selbst große Zeitungen hätten Angst vor Allens mächtigem PR-Apparat. Ein Reporter der Los Angeles Times habe zwar einen offenen Brief von Dylan Farrow veröffentlichen wollen und ihn mit einer von Fakten gedeckten, chronologisch geordneten Übersicht über den Missbrauchsfall ergänzen wollen. Er sei jedoch von der Redaktionsleitung gestoppt worden.

Die New York Times habe zwar berichtet, aber nur sehr vorsichtig und mit zahlreichen relativerenden Einordnungen. Außerdem hätten die Zeitungsmacher Woody Allen für seine Entgegnung doppelt so viel Platz eingeräumt und ihn ungefiltert seine Sicht der Dinge darstellen lassen.

Allen bestreitet die Vorwürfe

Dylan Farrow hatte Woody Allen 2014 öffentlich vorgeworfen, sie als Kind vergewaltigt zu haben. Der US-Regisseur, der derzeit bei den Filmfestspielen in Cannes seinen neuen Film vorstellt, bestritt das bereits 2014 in einem Artikel für die New York Times. Auf die neuen Vorwürfe seines Sohnes angesprochen, sagte er in Cannes: "Ich habe alles gesagt, was ich dazu sagen kann." Er fügte hinzu: "Ich habe das so hinter mir gelassen, dass ich nie darüber nachdenke."

Farrows Bruder vergleicht die Anschuldigungen gegen Allen mit dem Fall Cosby. Dem Schauspieler wird vorgeworfen, Dutzende Frauen mit Betäubungsmitteln und Alkohol gefügig gemacht und missbraucht zu haben. In beiden Fällen seien Frauen zunächst nicht angemessen gehört worden. Und in beiden Fällen sei die juristische Aufarbeitung bisher dürftig. Es entstehe eine gefährliche Stille, die den Opfern vermittele, dass es nicht gewollt sei, wenn sie sich äußern.

"Es stehen zu viele Beziehungen auf dem Spiel", argumentiert Farrow. Viele Schauspielerkollegen und Verleger arbeiteten eng mit Allen zusammenarbeiten und profitierten finanziell von der Beziehung zu dem Regisseur. Der Versandhändler Amazon habe zum Beispiel Millionensummen in die Geschäftsbeziehung investiert.

All das erkläre, warum Allen auch jetzt in Cannes unbehelligt Pressekonferenzen geben und über den roten Teppich laufen könne.