Ermittlungen in Rom Verdacht auf Prostitutionsring für Priester

Ein ehemaliger Priester hat die Staatsanwaltschaft in Rom auf den Plan gerufen: Er beschuldigt neun katholische Geistliche, einen Prostituierten-Ring mit der Vermittlung Minderjähriger beauftragt zu haben. Die Glaubwürdigkeit des Ex-Pfarrers leidet jedoch unter der Tatsache, dass er selbst in Haft saß - wegen Pädophilie.

Erneut erschüttert ein Pädophilen-Skandal den Vatikan: Nach Berichten verschiedener italienischen Medien soll ein mutmaßlicher Prostitutionsring Jugendliche an katholische Priester vermittelt haben. Erhoben hat die Vorwürfe ein ehemaliger Priester, Patrizio Poggi, der sich im März in einer Polizeiwache in Rom eingefunden und den überraschten Beamten die Namen von neun Geistlichen genannt hatte.

Die Beschuldigten, unter denen sich mehrere katholische Priester, der Sekretär eines Bischofs sowie einige höher gestellte Prälaten befinden, sollen sich regelmäßig mit minderjährigen männlichen Prostituierten getroffen haben. Die Minderjährigen, die zwischen 16 und 17 seien und zum größten Teil aus Rumänien stammten, erhielten laut Aussage des Ex-Priesters zwischen 150 und 500 Euro für ihre Dienste.

Im Zentrum der Vorwürfe steht der ehemalige Polizist Giuseppe Buonviso, der die Jugendlichen rekrutiert haben soll. Wie der Messaggero berichtet, ist Buonviso bereits in einen Fall von Prostitution mit Minderjährigen verwickelt und wurde seit der Anklage beschattet. Währenddessen sei der Polizist dabei beobachtet worden, wie er einen Jugendlichen aus bisher unbekannten Gründen in eine römische Kirche begleitet habe. Dieses Verhalten würde den Vorwürfen des Priesters größte Stichhaltigkeit verleihe, mutmaßt das Online-Portal Today.

Kardinalvikar Agostino Vallini wies die Vorwürfe gegen die Geistlichen zurück. Er habe "vollstes Vertrauen in das Gericht" und sei der Überzeugung, dass die Anschuldigungen sich nicht bewahrheiten würden, zitiert ihn die Nachrichtenagentur Ansa. Vallini habe den Verdacht, der suspendierte Pfarrer habe die Geistlichen lediglich aus Rache und persönlichen Gründen angeschwärzt.

Poggi ist in der Tat kein unbeschriebenes Blatt: Der 46-Jährige war bereits selbst wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu acht Jahren Haft verurteilt worden, von denen er fünf absitzen musste. Nach Beendigung seiner Haft hatte Poggi um Aufhebung seiner beruflichen Suspendierung gebeten und um die Erlaubnis, die Messe zu zelebrieren und die Sakramente zu spenden. Nachdem ihm dies vom Vatikan verweigert wurde, habe er beschlossen, zu reden, berichtet die italienische Webseite Today.

Im Moment prüft die römische Staatsanwaltschaft, die wegen sexueller Ausbeutung Minderjähriger auch unter höherrangigen Geistlichen ermittelt, die Vorwürfe des Priesters. Nach Angaben von Today habe die Aussage eines Jugendlichen, ebenfalls ein Missbrauchsopfer, den Verdacht erhärtet.