Ermittler schreibt Buch über Mordfall Mirco "Hab dich"

Ingo Thiel war Leiter der Sonderkommission Mirco, die 2011 den Mord an dem zehnjährigen Jungen aufgeklärt hat. In einem Buch verrät der Polizist nun: Er isst gerne Frikadellen - und seine Ermittlung in dem Fall war rechtlich wohl nicht ganz einwandfrei.

Von Bernd Dörries

Ingo Thiel ist Kriminalhauptkommissar in der Abteilung 11 für Tötungsdelikte in Mönchengladbach. Der 48-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder. Die Fälle, an deren Ermittlung er von Anfang an beteiligt war, hat er allesamt aufgeklärt - über den Mordfall Mirco hat Thiel jetzt ein Buch geschrieben.

(Foto: dapd)

"Was wir leisten müssen, ist so konkret wenig bekannt. Die allgemeine Vorstellung wird von Fernsehkrimis geprägt." Das schreibt Ingo Thiel im Vorwort seines Buches. Oder lässt es schreiben. Man muss sich Ingo Thiel dazu vorstellen. Einen robusten Mann in grünem Parka, mit Kippe in der Hand.

Da dauerte es natürlich nicht lange, bis die Vergleiche mit Schimanski kamen. "Das hat noch zugenommen, seit ich Anfang 2011 mit meinem schwierigsten und populärsten Fall in über zwanzig Jahren als Todesermittler unfreiwillig bekannt geworden bin." Unfreiwillig bekannt geworden.

Auf das Cover des Buches hat der Verlag noch einen Aufkleber gepappt: "Deutschlands erfolgreichster Ermittler."

Es ist heutzutage nichts Ungewöhnliches mehr, dass Menschen ein Buch schreiben, wenn sie irgendetwas erlebt haben. Aber dass ein aktiver Polizeibeamter wie Ingo Thiel über seine Fälle schreibt, das ist doch eher selten. "Reine Privatsache", sagt der Sprecher der Polizei Mönchengladbach. Von den Vorgesetzten genehmigt, heißt es im Innenministerium.

"Wenn man überlegt, was das alles kostet"

Der große Fall des Ingo Thiel ist die Ermordung des zehn Jahre alten Mirco aus Grefrath. Die "wohl bisher aufwendigste Personensuche in der deutschen Kriminalgeschichte", schreibt Thiel in seinem Buch "Soko im Einsatz", das am Montag herausgekommen ist. Tornados mit Wärmekameras fliegen über das Land, Hundertschaften, die man "Schneckentreter" nennt, durchforsten Wälder, Tausende Autos werden auf Faserspuren überprüft. Es ist ein so hoher Einsatz, dass selbst die Mutter von Mirco an einer Stelle im Buch fast erschrickt: "Wenn man überlegt, was das alles kostet, das muss ja in die Millionen gehen ...".

Einhundert Prozent Aufklärungsquote könne der Ermittler Thiel vorweisen, fügt der Verlag im Klappentext hinzu. "Also fragen mich Journalisten, was für ein Geheimnis dahintersteckt?" Der Ermittler Thiel scheint über diese Frage nicht unglücklich zu sein.

Der Fall Mirco beginnt für den Ermittler Thiel auf dem Sofa, er wollte eigentlich Wein trinken mit seiner Frau, es gab Spaghetti mit Pinienkernen und Rucola-Pesto. "Wir haben 'nen Jungen weg", sagt der Kollege am Telefon. Und es wird fast 150 Tage dauern, bis der Ermittler Thiel den Jungen findet, den toten Mirco. Als Thiel den Täter Olaf H. das erste Mal sieht, passiert Folgendes:

"Bevor ich an ihm vorbei bin, hebe ich nur kurz den Zeigefinger, wie zum Gruß, und sage halblaut: 'Hab dich.'"