Als eine von 99 Frauen war Francesca Grasso zu einer speziellen Gala mit Libyens Staatschef Gaddafi geladen. Die Hostess über einen bewegenden Abend.
Muammar al-Gaddafi hat sehr genaue Vorstellungen von seinen Gästen. Libyens Staatschef weilt noch bis Mittwoch in Rom zum dreitägigen Welternährungsgipfel und lädt nach der Arbeit jeden Abend zu einer Gala. Gesucht wurden dafür von einer Agentur insgesamt 500 "gut aussehende" Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren, die mindestens 1,70 Meter groß sind. Dresscode: elegant, hohe Absätze sind erlaubt, aber kein Minirock und kein tiefer Ausschnitt. Der Gastgeber wolle "Ideen austauschen" und auf libysche Art "Ehre erweisen". Unter den Gästen war am Sonntag auch Francesca Grasso, 29. Die Berufshostess über einen bewegenden Abend.
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Unter Muammar al-Gaddafi Gästen: Die 29-jährige Francesca Grasso. (© Foto: oh)
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SZ: Frau Grasso, haben Sie sich den Sonntagabend ursprünglich anders vorgestellt?
Grasso: Ja, ich dachte eigentlich, dass das wird wie immer: Empfang samt Essen, und die Gäste sprechen über Politik. Aber es ging schon damit los, dass wir hundert Hostessen weder Zeit noch Ort der Veranstaltung vorher wussten. Wir wurden von der Agentur mit zwei Bussen in eine Villa im Zentrum gefahren. Dort mussten wir durch einen Metalldetektor gehen und anschließend unsere Taschen abgeben. Nicht einmal meinen Lippenstift durfte ich mitnehmen. Im Saal setzten wir uns dann auf Sofas, die um Gaddafi und seinen Übersetzer herum aufgestellt waren. Der sagte dann gleich, dass Gaddafi auf keinen Fall über Politik sprechen möchte, sondern über den Islam und seine Heimat Libyen.
SZ: Dabei scheint er sehr überzeugend gewesen zu sein. Italienische Zeitungen berichten über eine der Damen, die anschließend die Gala verlassen habe mit den Worten: "Er hat mich überzeugt, ich werde zum Islam konvertieren." Wie steht es mit Ihnen?
Grasso: Ich war am Anfang misstrauisch, was das jetzt wohl werden soll. Aber der Mann hat mich beeindruckt, wie uns alle, glaube ich. In den zweieinhalb Stunden hat ihm nicht eine einzige von uns widersprochen. Dieser Abend hat mich sehr bewegt. Ich werde mich auf jeden Fall jetzt mit dem Islam beschäftigen und den Koran aufmerksam lesen, den Gaddafi uns geschenkt hat
SZ: Und ansonsten gibt es ja auch noch die Broschüre "Wie konvertiere ich zum Islam?", die in der Villa für Sie auslag.
Grasso: Oje, die habe ich in der Aufregung ganz vergessen.
SZ: Gaddafi soll ja gesagt haben, dass nicht Jesus am Kreuz gestorben ist, sondern ein Doppelgänger. Hat Sie das nicht irritiert?
Grasso: Nein, und dabei bin ich gläubige Katholikin. Er hat gesagt, dass wir alles im Koran nachlesen sollen, da stünde nämlich die Wahrheit drin. Und das werde ich auch tun.
SZ: Gaddafi hat ausschließlich Frauen geladen. Ist das nicht komisch?
Grasso: Er wollte gerade uns erklären, dass die Geschichten über die benachteiligten Frauen in seinem Land nicht stimmen. Libyen würde sich verändern.
SZ: Und er hat Sie dann auch gleich zu sich nach Hause eingeladen.
Grasso: Ja, unsere Daten wurden aufgenommen, und er hat uns alle als seine persönlichen Gäste eingeladen.
SZ: Mit 60 Euro Gage für den Abend ist der libysche Staatschef aber nicht sehr großzügig gewesen. Die üblichen Tarife bei solchen Veranstaltungen liegen zwischen 75 und 150 Euro. Und es gab ja auch nichts zu essen.
Grasso: Also ich bitte Sie. Andere würden doch nur zu gerne dafür bezahlen, um einen Abend mit Gaddafi verbringen zu dürfen. Außerdem gab es ja auch noch den Koran als Geschenk dazu. Und vielleicht werde ich ja noch zu einem weiteren Abend mit ihm eingeladen.
SZ: Bitte?
Grasso: Am Sonntag wurden Fotos von uns gemacht und zudem haben Mitarbeiter ein Video aufgenommen. Gaddafi sagte uns, dass er die Fotos und das Video auswerten wolle und danach manche von uns noch einmal einladen würde. Noch habe ich aber keinen Anruf bekommen.
SZ: Was war Ihre persönliche Frage an den Gastgeber?
Grasso: Ich habe ihn gefragt, ob es möglich ist, Libyen kennenzulernen. Daraufhin hat er uns alle eingeladen.
SZ: Na ja, Sie hätten ihn ja zum Beispiel auch nach der Zahl der Analphabeten in seinem Land fragen können. Und wann geht es nach Libyen?
Grasso: In ein paar Wochen. Wir waren am Sonntag insgesamt etwa 40, die das Land gerne besuchen würden. Ich habe heute schon nach einem Flug gesucht, wir werden wohl alle zusammen fliegen. Den Dresscode und die Gesprächsthemen kennen wir ja jetzt schon. Und bis dahin habe ich den Koran auf jeden Fall gelesen.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
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(SZ vom 17.11.2009/segi)
FKK-Slackliner Alexander Schulz
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Eigentlich gibt es bei dieser Aktion doch nur Gewinner. Ein inzwischen total durchgeknallter Diktator, der kindische Freude daran empfindet, einen Abend mit jungen Frauen zu verbringen - und ein Haufen von Models, die das Event nutzen können, um sich in den Medien platzieren zu können (scheint irgendwie eine italienische Tradition zu sein).
Solange solche Abende aber dazu beitragen, dass Gaddafi zufrieden ist und nicht aus lauter Frust wieder Blödsinn macht, kann man eigentlich nur von einem sinnvollen Beitrag zum Weltfrieden sprechen.
ALLE arabischen Staaten werden von Despoten regiert,die einen davon mehr,die anderen weniger brutal.
Bitte nennen Sie mir auch nur ein einziges Beispiel aus der arabischen Welt,wo der Machthaber von seinem Volk entmachtet wurde.
Der Grund hierfür liegt weniger in der Person des jeweiligen Despoten und seinem Unterdrückungs-Apparat,als vielmehr im Glauben (im doppelten Sinne des Wortes) der Bevölkerungen,daß an ihrer Spitze ein omnipotenter Regent zu stehen hat,der uneingeschränkt über alle und alles bestimmt, gottgewollt sozusagen.
Galaxien entfernt von beispielsweise den demokratie- und freiheitsliebenden Tschechen,Polen,Ungarn und allen übrigen Menschen der westlichen und auch überwiegend fernöslichen Hemisphären unserer Welt.
Gehen Sie einmal nach Libyen. Sie werden, selbst in dieser herrlichen Welt, selten soviel Gelegenheit haben, Angst, brutalste Diktatur zu erleben.
Zitat : " Wieder einmal hat es der so genannte "Qualitätsjournalismus" verpasst, sich auf intelligente Weise mit dem Politiker Gaddafi auseinander zu setzen, der mittlerweile unter die dienstältesten Machthaber zählt und dies in einer Region, der man angeblich größtes Interesse entgegenbringt. "
Liebe(r) Der Mersch , die Tatsache,daß diese skurrile Figur zu den dienstältesten Machthabern der Welt zählt sagt viel weniger über seine Person aus ,als über den geistigen Zuschnitt seiner Untertanen .So gesehen,passen Letztere irgendwie doch gut zusammen mit den zusammengetrommelten Blondinen.
Paging