Katholische Kirche Kardinal Meisner ist tot

Der einstige Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner, im Juli 2014.

(Foto: dpa)
  • Kardinal Joachim Meisner ist im Alter von 83 Jahren gestorben.
  • Der frühere Erzbischof von Köln sei während seines Urlaubs in Bad Füssing "friedlich eingeschlafen", teilte das Erzbistum Köln mit.
  • Er galt lange Jahre als einflussreichster Vertreter des konservativen Flügels unter den deutschen Bischöfen.

Kardinal Joachim Meisner ist tot. Dem Erzbistum Köln zufolge ist der frühere Erzbischof während seines Urlaubs in Bad Füssing "friedlich eingeschlafen". Meisner wurde 83 Jahre alt. Er galt lange Jahre als einflussreichster Vertreter des konservativen Flügels unter den deutschen Bischöfen.

Von 1989 bis 2014 war Meisner Erzbischof von Köln, dem größten deutschen Bistum. Am 28. Februar 2014 nahm Papst Franziskus sein Rücktrittsgesuch an. Meisner hatte selbst ausdrücklich aus Alters- und Gesundheitsgründen darum gebeten.

Kardinal und "Widerstandskämpfer Gottes"

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"Alle Aufgaben, die ihm im Laufe seines Lebens in der Kirche übertragen wurden, hat sich Joachim Kardinal Meisner mit einer bewundernswerten Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit und einem restlosen Einsatz gewidmet", schreibt das Erzbistum auf seiner Homepage.

Meisner wurde am 25. Dezember 1933 im schlesischen Lissa bei Breslau geboren und siedelte im Kindesalter mit seinen drei Brüdern und seiner Mutter nach Thüringen über. Nach einer Lehre als Bankkaufmann in Körner trat er 1951 in das Spätberufenenseminar Norbertuswerk bei Magdeburg ein. Er holte dort das Abitur nach und studierte von 1959 bis 1962 katholische Theologie in Erfurt.

1980 berief Papst Johannes Paul II. Meisner auf den Berliner Bischofsstuhl. Die Entscheidung des Papstes erfolgte gegen den Willen des Domkapitels in Berlin und galt als umstritten. Von September 1982 bis November 1989 war Meisner Vorsitzender der Berliner Bischofskonferenz (zuständig für die damalige DDR; seit 1980 stellvertretender Vorsitzender) und bemühte sich in dieser Funktion um die Eigenständigkeit der Kirche in der Diktatur. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger wollte er nicht mit dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker zusammentreffen (ein Mal kam es dennoch zu einer Begegnung) und schreckte auch vor Einmischungen in die Tagespolitik des SED-Staats nicht zurück.

Meisner wandte sich entschieden gegen Abtreibung oder die Beihilfe zur Selbsttötung

Im Februar 1983 erhob Papst Johannes Paul II. Meisner zum Kardinal und setzte ihn im Dezember 1988 gegen dessen eigenen Willen, den des Domkapitels und großer Teile des rheinischen Kirchenvolks als Kölner Erzbischof durch.

Meisner mischte sich intensiv in gesellschaftliche Debatten ein. Entschieden wandte er sich gegen Abtreibung oder die Beihilfe zur Selbsttötung. Auf seine Initiative hin und gegen den Willen anderer Bischöfe verfügte Johannes Paul II. 1999 den Ausstieg der deutschen katholischen Kirche aus der staatlichen Schwangerenberatung. Dass wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen zur Kommunion zugelassen werden dürfen, traf bei Meisner auf entschiedenen Widerspruch.

Anlässlich seiner Verabschiedung 2014 würdigte Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Meisner als "Mann der klaren Worte, der die Botschaft des Evangeliums und die Lehre der Kirche offensiv verkündet". Die FAZ bezeichnete den scheidenden Erzbischof als "einen der einflussreichsten Geistlichen seiner Generation".