Drogenkonsum in Deutschland Crystal Meth wird immer beliebter

Die Droge macht euphorisch und selbstbewusst, ist jedoch hochgiftig für Nervenzellen: Die Zahl der Drogentoten ist zwar im vergangenen Jahr gesunken, doch immer mehr Menschen konsumieren die Droge "Crystal Meth". Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Erstkonsumenten um über 50 Prozent. Doch die Bundesregierung schreckt vor einer Präventivkampagne zurück, sie fürchtet einen Bumerang-Effekt.

Von Benedikt Warmbrunn

Der Bundesregierung fällt es weiter schwer, den Konsum von kristallinem Methamphetamin einzuschränken. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl von Erstkonsumenten der kurz "Crystal" oder "Meth" genannten Droge um 51 Prozent auf 2556. Sie übertraf damit erstmals die Zahl der Heroinkonsumenten, die um 23 Prozent auf 2090 sank. Etwa 75 Kilogramm Crystal wurden beschlagnahmt, im Jahr zuvor waren es noch 40 Kilogramm.

Bisher hat die Bundesregierung keine Kampagne gestartet, um gegen die steigende Beliebtheit der Droge vorzugehen. "Wir wissen noch zu wenig über die Konsumenten und ihre Motive", sagte Mechthild Dyckmans, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, am Donnerstag in Berlin.

Methamphetamin ist eine künstlich hergestellte Droge, meist ein weißes oder kristallines Pulver, manchmal auch Tabletten oder Kapseln. Die Droge macht einen euphorisch und selbstbewusst - ist jedoch für Nervenzellen hochgiftig. Der Konsum kann auch zu Herzproblemen oder Psychosen führen.

Crystal wird überwiegend in Tschechien hergestellt und von dort nach Deutschland geschmuggelt. In den angrenzenden Bundesländern Bayern, Sachsen und Thüringen werden auch die meisten Crystal-Fälle gemeldet. Laut Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), wird Crystal vor allem durch "Ameisenhandel" geschmuggelt, bei dem kleine Mengen in vielen Grenzübergängen transportiert werden, vergleichbar mit dem Cannabis-Schmuggel aus den Niederlanden.

Durch bundesweite Präventivmaßnahmen könnte Neugier entstehen

Da es in den anderen Bundesländern bisher allenfalls zu Einzelfällen des Crystal-Missbrauchs kam, wollen Ziercke und Dyckmans bundesweite Präventivmaßnahmen vermeiden. "Die Erfahrung zeigt, dass dies einen Bumerang-Effekt haben könnte", sagte die Drogenbeauftragte: "In Gebieten, in denen der Konsum noch nicht angekommen ist, entsteht so erst Neugier." Stattdessen läuft zurzeit die Ausschreibung zu einem Forschungsprojekt, das vom Bundesgesundheitsministerium finanziert wird. Durch dieses Projekt erhofft sich Dyckmans bis Jahresende genauere Informationen über die Konsumenten von Crystal, um dann "zielgerichtet" Maßnahmen zu starten.

Der Entwicklung des Konsums von kristallinem Methamphetamin gegenüber steht ein Rückgang der Drogentoten insgesamt. 2012 starben 944 Menschen aufgrund ihres Drogenkonsums, im Jahr zuvor waren es 986. Der neue Stand ist der niedrigste seit 1988. Damals gab es 670 Drogentodesfälle. Am häufigsten sterben Drogenkonsumenten, wenn sie verschiedene Substanzen gleichzeitig einnehmen. "Sie unterschätzen häufig das Risiko und sind sich der Wechselwirkungen nicht bewusst", sagte Dyckmans.

BKA-Präsident Ziercke verwies auf die angestiegene Zahl an sichergestellten Drogen. Passend dazu verkündete der Sprecher des Zollfahndungsamtes Hamburg am Donnerstag, dass am dortigen Hafen im vergangenen März innerhalb kürzester Zeit drei größere Mengen Rauschgift entdeckt worden seien. Die Gesamtmenge der Drogen liege im dreistelligen Kilogrammbereich.