Dioxin-Skandal Zu viele Hände verderben das Futter

Die Lieferketten in der modernen Landwirtschaft sind komplex, im Skandal um Dioxin-Eier haben die Kontrollen versagt. Es ist der verheerende Eindruck entstanden, dass es vom Zufall abhängt, ob ein Skandal auffliegt. Ein neues System muss her.

Ein Kommentar von Daniela Kuhr

Verbrauchern dürfte der Appetit auf Eier und Fleisch vorerst vergangen sein. Wieder einmal wurde ein Lebensmittel-Skandal aufgedeckt - zu einem Zeitpunkt, zu dem ein Teil der betroffenen Ware bereits verzehrt ist.

Die Kontrollen versagten, der Futtermittel-Hersteller selbst entdeckte die Verunreinigung. Deshalb muss das Kontrollsystem erneuert werden.

(Foto: dpa)

Am 23. Dezember waren die ersten Eier mit einem bis zu vierfach überhöhten Dioxingehalt aufgetaucht. Inzwischen weiß man: Das verseuchte Futter, das die hohen Werte verursacht hat, wurde an mehr als tausend Landwirte in mindestens acht Bundesländern geliefert. Die Bauern wiederum versorgten Einzelhändler in ganz Deutschland mit ihren Produkten. Kein Verbraucher kann sich also sicher fühlen.

Wenn die Behörden jetzt mitteilen, es bestehe keine akute Gefahr, dann ist das natürlich richtig. Zwar sind Dioxine sehr giftig und können Krebs erregen, aber es wird niemand nach dem Essen eines Eies oder Schnitzels erkranken. Über die langfristigen Folgen dagegen lässt sich schon weniger sagen. Zumal Dioxine sich im Fettgewebe des Menschen über die Jahre anreichern.

Aus diesem Grund haben die Behörden auch so schnell reagiert. Sie haben sofort nach dem Fund umfassende Untersuchungen eingeleitet und die Öffentlichkeit alarmiert. Als das Ausmaß annähernd abschätzbar war, wurden massenhaft Betriebe geschlossen. Dieses entschiedene Handeln könnte Vertrauen erwecken - gäbe es da nicht zwei weitere Aspekte.

Zum einen beunruhigt, wieso der Vorfall eigentlich erst bekannt wurde, als schon ein Teil der verseuchten Ware in den Regalen der Händler stand. Zum anderen stimmt bedenklich, dass der erhöhte Dioxinwert nicht etwa bei einer Behördenkontrolle aufgefallen war. Es war der Futtermittel-Hersteller selbst, der die Verunreinigung entdeckte. Zu dem Zeitpunkt hatte er das Futter jedoch schon wochenlang an Bauern ausgeliefert. Beides zusammen verstärkt das ungute Gefühl, dass bei der Qualität von Lebensmitteln womöglich sehr viel mehr im Argen liegt - aber nur nicht entdeckt wird.

Strenge Kontrollen auf jeder Produktionsstufe sinnvoll

Das Kontrollsystem muss dringend überarbeitet werden. Es mag gepasst haben, als Landwirte das Futter für ihre Tiere noch selbst anbauten. Heute aber produzieren die meisten Bauern arbeitsteilig.

Wie komplex die Abläufe dadurch werden, zeigt der Dioxin-Fall in erschreckender Weise. Einer mischt etwas zusammen, liefert es dem nächsten, der seinerseits mischt und weiterliefert. Bis das Futter im Trog landet, waren viele Hände im Spiel. Bei Verunreinigungen muss die Lieferkette erst mühsam aufgedröselt werden.

Sinnvoller wäre es, auf jeder Produktionsstufe die Qualität der Zutaten streng zu kontrollieren. Das macht die Herstellung zwar teurer, aber die Behörden müssen sicherstellen, dass Lebensmittel gesundheitsverträglich sind. Mehr als tausend Betriebe zu schließen, wie jetzt, ist auch nicht gerade billig. Strikte Kontrollen sind zudem nötig, weil nur sie den verheerenden Eindruck verhindern, der jetzt entstanden ist: dass es (auch) vom Zufall abhängt, ob ein Skandal auffliegt.