Demonstration in Wien Bademantel-Rallye für Udo Jürgens

Wien demonstriert für "Freiheit für die Musik von Udo Jürgens" - samt Bademänteln und Wachsfigur.

(Foto: dpa)

Kuriose Prozession: In Wien findet zum 80. Geburtstag des Schlagersängers eine Udo-Jürgens-Jubiläums-Streetparade statt. Viele Teilnehmer erscheinen im Bademantel. Schon im Vorfeld sorgte die Veranstaltung für ziemlich viel Ärger.

Von Cathrin Kahlweit, Wien

Zum Schluss haben sie sich dann doch viel Ärger erspart und sind nicht auf dem Ring entlang marschiert. Dabei wäre das schon eine Schau gewesen: 200 Menschen, viele in Bademänteln, laufen in der Herbstsonne auf Wiens schönster Prachstraße an staunenden und im Takt wippenden Passanten vorbei. Vor ihnen ein Truck, auf dem ein täuschend echter Udo Jürgens am Klavier sitzt. Dazu laute Musik, nur Jürgens-Songs versteht sich; schließlich feiert der größte lebende Österreicher an diesem Dienstag seinen 80. Geburtstag. Stattdessen aber wählte die kuriose Prozession den Weg durch die Innenstadt zum berühmten Riesenrad.

Den ganz großen Wirbel wollten die Veranstalter der Udo-Jürgens-Jubiläums-Streetparade dann doch vermeiden. Denn obwohl die Veranstaltung, organisiert von der Wiener Dependance von Madame Tussauds, vor allem eine super Werbung für das Wachsfiguren-Kabinett am Prater und sicher auch ein echtes Schmakerl für eingefleischte Jürgens-Fans war, hatte sie in Österreichs Hauptstadt im Vorfeld für viel Ärger gesorgt.

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Der Bürgermeister, die Innenministerin, der Kanzleramtsminister, die Wirtschaftsverbände - alle hatten sich heftig darüber erregt, dass die "Bademantel-Demo" ein Ärgernis sei. Ein Missbrauch des Demonstrationsrechts. Eine Belästigung für Wiens Autofahrer, die sowieso alle naslang den Ring wegen irgendwelcher Demonstrationen umfahren müssen. Allein 60 angemeldete Demos hatte es in diesem Jahr bis Ende August in Wien gegeben, die meisten auf der Innenstadt-Umfahrung rund um Parlament, Rathaus, Burgtheater, Universität. Da sieht es jeder, aber genau das gefällt nicht jedem.

Nun also "Freiheit für die Musik von Udo Jürgens", den Mann, der nach seinen Konzerten die Damen im Bademantel beglückte. Schön ordentlich angemeldet als Demonstration von Madame-Tussaud-Geschäftsführerin Arabella Kruschinski, mit Song-Contest, Bademantel-Gewinnwettbewerb, als Hauptgewinn eine Flugreise nach New York.

Verbieten geht gar nicht

Um ein Uhr mittags steht Kruschinski vor dem Udo-Truck an der Wiener Oper, im Hintergrund brüllt "Griechischer Wein" aus den Lautsprechern, Touristen fotografieren sich vor dem wächsernen Mann am Piano. Und irgendwie will es scheinen, als sei der Trubel, ausgelöst durch die politische Debatte um ihre Spaß-Aktion, durchaus im Sinne der Managerin. "Da haben sich zwei Sachen überschnitten", sagt sie und klingt nicht sonderlich schuldbewusst, "unsere Hommage an einen großen Künstler und der Streit über das Demonstrationsrecht im Allgemeinen."

Der Handel hatte im Vorfeld wieder mal "satte Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent" beklagt. Stadtoberhaupt Michael Häupl hatte in Österreichs wichtigster Boulevard-Zeitung, der Krone, angekündigt, das "Gesetz zu reformieren, ohne dass gleich eine Zensur herauskommt". Die Bundesregierung lässt nun prüfen, ob man angemeldete und genehmigte Spaß-Demos "örtlich verlegen" kann. Denn verbieten geht gar nicht.

Demonstrationen unter freiem Himmel müssen beispielsweise in Deutschland zwar angemeldet, aber nicht genehmigt werden. Nur wenn eine Demonstration unmittelbar die "Öffentliche Sicherheit und Ordnung" gefährdet, darf sie verboten werden, außerdem gilt das Vermummungsverbot. So ist das im Prinzip auch in Österreich; das Versammlungsgesetz steht im Verfassungsrang, daher reicht eine zu erwartende Verkehrsstörung (also ein Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung) nicht für ein Verbot.