Es ist ein Urteil, das Frauen in Chile erzürnt: Ein Gericht verbietet Gratisabgabe der "Pille danach". Der Streit spiegelt einen tiefsitzenden Konflikt in der Gesellschaft Chiles wider.
Sie war 2006 angetreten mit dem Versprechen, den Frauen im Macho-Land Chile das Leben leichter zu machen. Doch nun machen Kirche, Gerichte und konservative Opposition Präsidentin Michelle Bachelet das Leben schwer. Das Verfassungsgericht hat verboten, dass staatliche Gesundheitszentren die "Pille danach" weiterhin kostenlos an bedürftige Frauen abgeben dürfen. Die Mitte-Links-Regierung hatte damit die Verhütung ungewollter Schwangerschaften, vor allem in Armenvierteln, erleichtern wollen. Allerdings bleibt der Verkauf in Apotheken legal. Daran entzündete sich nun lautstarker Protest.
Chile: Verhütung nur für Reiche. (© Foto: dpa)
Anzeige
Zehntausende Menschen, darunter Abgeordnete, Ärzte und Schauspieler, demonstrierten am Dienstag gegen das Urteil. 80 Prozent der Mitarbeiter der Gesundheitszentren streikten. Bachelet selbst befeuerte den Protest, in dem sie sagte, das Urteil sei unsozial. Wer es sich leisten könne, habe weiter Zugriff auf die "Pille danach". Auch Befürworter des Verbots demonstrierten, es kam zu Krawallen. Die Präsidentin berief eine Sondersitzung des Kabinetts ein.
Der Streit spiegelt einen tiefsitzenden Konflikt in der Gesellschaft Chiles wider. Der Lebensstil in dem wirtschaftlich prosperierenden südamerikanischen Land unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht groß von dem in Europa. Doch gerade ältere Menschen und religiöse Kreise wollen an der aus der Kolonialzeit ererbten Moral festhalten. Deshalb hat Chile ein sehr strenges Abtreibungsrecht. Abgeordnete der konservativen Opposition hatten gegen die Verteilung der "Pille danach" geklagt, weil diese das Abtreibungsverbot aushebele. Sie bekamen Recht. Die Mehrheit im Gericht fiel mit fünf zu vier Stimmen knapp aus.
Die Schriftstellerin und sozialistische Abgeordnete Isabel Allende sagte, Chile sei ein laizistisches Land, weshalb die Haltung, die hinter dem Verbot stecke, nicht akzeptabel sei. Einige Bürgermeister erwägen nun, die Pille zum symbolischen Preis von einem Peso (0,1 Eurocent) abzugeben.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
(SZ vom 24.4.2008)
Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld
Der in mehreren Kommentaren verwendete Begriff "Mord" ist juristisch nicht zutreffend. Allerdings handelt es sich auch nicht um Verhütung, wenn der Abgang einer befruchteten Eizelle medikamentös erzwungen wird. Ausgehend davon, dass menschliches Leben mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt, bewirkt die "Pille danach" die Tötung eben diesen Lebens. Da über die genannte Prämisse kein gesellschaftlicher Konsens mehr herrscht, entflammen in dieser Frage - wie auch hier - in der Regel hoch emotionale Diskussionen. Aus meiner Sicht beginnt das menschliche Leben mit dem Akt der Befruchtung, die Bezeichnung "Pille danach" ist demnach irreführend und ihre Anwendung nicht als Verhütungsmethode zu bewerten. Unabhängig von der Frage nach der kostenlosen Abgabe...
Reicht die vorhandene Armut auf der Welt nicht aus, muss man sie jetzt auch noch "zwangszüchten" ?
Arme Menschen gebären arme Kinder - in Chile und auch in HartzIV-Deutschland.
Arme jedoch sind die gläbigsten Menschen, meint die Weltanschauungsgemeinschaft mit der "Tötungsmaschine des römishen Reiches" als Warenzeichen.
Die ganze Islamische Welt?
Nun, ich frage mich, warum dann die vielen Muslime im liberalen Deutschland und in den noch liberaleren Niederlanden, nicht sofort in ihre Heimat zurückgehen, wo sie hier doch unter solch "nichtswürdigen Barbaren" (wohl gemerkt: Ihre Wortwahl!) leben müssen .... ?
Aber das gehört hier eigentlich nicht mehr wirklich zum Thema ....
wird genommen ohne das man mit sicherheit sagen kann, das die frau schwanger ist. sie wird kurz nach ungeschüthten verkehr genommen. es gibt also auch eine hohe wahrscheinlichkeit das gar kein "kind" "gemordet" wird. es ist z.b besonders hilfreich nach einer vergewaltigung. den wer will einer frau schon zumuten mit der schwangeschaft klar zukommen. ansonsten wäre es natürlich sinnvoller, der staat unterstützt die frauen vorher. sprich es gibt kondome und die pille, entweder umsonst oder für wenig geld. und noch toller wäre natürlich, der staat würde den kindern mehr zukommen lassen. dann müßten die frauen gar nicht zur pille danach greifen oder zur abtreibung. und das gilt jetzt nicht nur für chile.
und in der islamischen welt wird ja auch so manches getan was wir wiederum barbarisch finden. zb steinigungen
Da hat Herr Schoepp geschrieben:
"Der Lebensstil in dem wirtschaftlich prosperierenden südamerikanischen Land unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht groß von dem in Europa."
Ich glaube da ist der Gute Herr wohl nie aus den Innenstadtvierteln sowie den Reichenvierteln Las Condes und Alto Las Condes in Santiago rausgekommen ..... Als ich 2001 zuletzt in Chile war, haben die Kleinbauern ihre Felder noch mit Ochsengespannen beackert ... das hab ich hier in Bayern nur im Museum gesehen .....
Paging