Berlin Golden Girls

Glamouröse Roben, strahlende Diven und modische Auftritte: Die Ausstellung "Best Actress" im Berliner Museum für Film und Fernsehen zeigt Hollywoods Frauenbild von 1923 bis heute.

Von Anke Sterneborg, Berlin

Am Anfang war der Oscar eine kleine Nummer. Und die Verleihung der wichtigsten Auszeichnung in der Filmbrache war eine intime Veranstaltung für etwa 250 Academy-Mitglieder, in deren Verlauf die Namen ohne viel Tamtam verkündet wurden, bevor die Preisträger in nahe gelegenen Theatern zu ihrem nächsten Auftritt eilten. Oscar für die beste weibliche Hauptrolle? Katharine Hepburn. Setzen. Heute unvorstellbar: Die Oscar-Show ist das globale Superereignis.

An der Geschichte des Preises für die beste weibliche Hauptrolle, die jetzt im Berliner Museum für Film und Fernsehen erzählt wird, lässt sich viel ablesen. Die Ausstellung "Best Actress" zeigt die Entwicklung von Starrummel und Medienzirkus. Die Inszenierungen des Weiblichen fürs Kino. Den Wandel des Frauenbildes. Das Verhältnis des Kinos zur Realität. Die Kuratoren Daniela Sannwald und Nils Warnecke haben die bereits in Turin gezeigte Schau mit Fotos, Entwürfen und Kostümen aus internationalen Sammlungen erweitert. Vor allem haben sie die reine Chronologie der 73 Preisträgerinnen von 1923 bis 2015 mit thematischen Schlaglichtern aufgebrochen: Was sind das für Rollen, die bevorzugt mit dem Oscar ausgezeichnet werden?

Eine ganze Reihe der Hauptdarstellerinnen spielten Stars aus dem Showbusiness, von Luise Rainer, der einzigen Deutschen unter den Oscar-Diven, als Revue-Star in "Der große Ziegfeld", bis zu Marion Cotillard als Édith Piaf in "La Môme". In den Rollen spiegeln sich auch gesellschaftliche Entwicklungen, wie die Emanzipation mit der zunehmenden Eroberung der Arbeitswelt bis in die politische Macht hinein, mit Helen Mirren als "The Queen" und Meryl Streep als Margaret Thatcher in "Iron Lady". Immer stärker wurden die Oscar-Preisträgerinnen auch zu Frontfrauen im Kampf gegen den Krieg wie Jane Fonda in "Coming Home", gegen Korruption und Umweltverseuchung wie Julia Roberts "Erin Brockovich" oder gegen die Todesstrafe wie Susan Sarandon in "Dead Man Walking". In jüngster Zeit tragen sie auch dazu bei, dass Krankheiten wie Alzheimer in den Fokus treten, wie zuletzt Julianne Moore in "Still Alice".

So lässt sich an den Oscar-Rollen ablesen, wie der himmlische, weltfremde Kinoglamour des klassischen Hollywoods verdrängt wurde, um der Realität Raum zu geben. Da sind die funkelnden Kleider ausgestellt, die Luise Rainer und Janet Leigh in den 30er- und 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts in "Der große Ziegfeld" und "Vom Winde verweht" trugen, aber auch das Unterkleid von Elizabeth Taylor aus "Butterfield 8", der schlichte weiße Krankenschwesternkittel, den Louise Fletcher in der Psychiatrie von "Einer flog übers Kuckucksnest" trug, und die raue Polizeiuniform von Frances McDormand in "Fargo".

Parallel verlagert sich der Glamour von den Kunstwelten der Filme in die Wirklichkeit auf dem roten Teppich. Waren da in den frühen Jahren noch vergleichsweise schlichte Kleider und Kostüme zu sehen, treten die Stars mittlerweile lieber in atemraubenden Kreationen von Modeschöpfern wie Armani oder Valentino auf. Mit der wachsenden Bedeutung der Oscars und der enormen Medienpräsenz wird die Gala auch zur Bühne für Schmuckdesigner und Modeschöpfer, und die Filmstars müssen die Garderobe nicht mehr selbst finanzieren, weil sie als begehrte Werbeträger gesponsert werden.

So könnte der Kontrast kaum größer sein zwischen der Rolle, die Charlize Theron in "Monster" spielte, und ihrem Auftritt bei der Oscar-Verleihung: Hier die verwahrloste Killerin, schwer und plump in unförmigen Billigjeans, mit aufgedunsenen Gesichtszügen, unförmiger Zahnprothese, hängenden Mundwinkeln und strohigen Haaren. Dort der anmutige Star im tief ausgeschnittenen Abendkleid von Gucci.