Argentinien Warum Argentinien im Fall "San Juan" nun nach Deutschland blickt

Verschwunden: Die "San Juan", ein argentinisches U-Boot, das in Deutschland gebaut wurde und zuletzt 2011 auch von deutschen Firmen gewartet.

(Foto: Argentina Navy/AP)
  • Die argentinische Regierung sucht die Gründe für das Verschwinden des U-Boots nun auch in Deutschland: zwei Deutsche Firmen waren an einer Großrevision beteiligt.
  • Womöglich ist dabei Schmiergeld geflossen und der Einbau von Batterien nicht ordentlich überwacht worden.
  • Die Vorwürfe sind nicht neu, ein argentinischer Richter hatte die Klage bereits vor Jahren archiviert.
Von Peter Burghardt, Hamburg, und Kristiana Ludwig, Berlin

Was genau ist mit der ARA San Juan im Südatlantik passiert? Das weiß offiziell noch immer niemand, seit dem 15. November wird das argentinische U-Boot mit seinen 44 Besatzungsmitgliedern vermisst. Argentiniens Marine meint, dass die San Juan auf dem Weg von Ushuaia Richtung Mar del Plata explodiert ist, nachdem Meerwasser einen Kurzschluss ausgelöst hatte. Messstationen registrierten kurz nach dem Abbruch des Funkkontakts eine enorme Detonation. Gefunden wurde trotz einer internationalen Suchaktion bis zuletzt nichts. Dafür wird die Regierung in Buenos Aires bei ihrer Fahndung nach möglichen Ursachen nun erstaunlich rasch bei ihren Vorgängern fündig - und in Deutschland.

Der rechtsliberale Präsident Mauricio Macri und seine Anhänger orten die Gründe für Probleme des Landes bevorzugt bei der vormaligen Verwaltung von Cristina Fernández de Kirchner, obwohl Macri bereits seit zwei Jahren regiert. Im Falle des Mysteriums San Juan allerdings ist verblüffend, wie schnell Argentiniens Führung auf andere zeigt, noch ehe Reste des Havaristen und der Toten entdeckt, geschweige denn untersucht wurden.

Die argentinische Antikorruptionsbehörde ermittelt nun

Schon Anfang Dezember streuten regierungsnahe Politiker den Verdacht, dass es bei der Reparatur mit Beteiligung zweier deutscher Firmen während Kirchners Amtszeit vor mehr als zehn Jahren nicht mit rechten Dingen zugegangenen sein könnte. Gebaut worden war das U-Boot vor mehr als drei Jahrzehnten in Emden. 2007 und von 2011 bis 2014 wurden im Rahmen einer Großrevision in einer argentinischen Werft unter anderem 964 Batterien ausgewechselt und der Rumpf des San Juan aufgeschnitten.

An der Restaurierung maßgeblich mitgewirkt hatten zwei deutsche Unternehmen, 5,1 Millionen Euro soll das gekostet haben. Die Abgeordnete Cornelia Schmidt-Liermann aus der Macri-Partei PRO hält es für möglich, dass Schmiergeld geflossen und der Umbau nicht ordnungsgemäß überwacht worden sei. Sie bittet die Bundesregierung um Hilfe bei der Aufklärung. Auch Argentiniens Verteidigungsminister spricht von Unregelmäßigkeiten, die Antikorruptionsbehörde ermittelt.

Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte am Sonntag auf SZ-Anfrage, die Bundesregierung sei sehr betroffen über das Unglück. Zu den Vorwürfen äußerte es sich nicht. "Wir können nicht ausschließen, dass auch beim U-Boot San Juan auf deutsche unternehmerische Expertise zugegriffen worden ist", stellte das Ministerium fest. Ursachen oder Korruptionsvorwürfe würden von den argentinischen Behörden geprüft. Der Bitte um Hilfe käme man nun nach: "Selbstverständlich ist die Bundesregierung bereit, Argentinien vollumfänglich dabei zu unterstützen."

Die Vorwürfe sind nicht neu, eine Klage hatte ein argentinischer Richter vor Jahren archiviert. Jetzt wird die Sache wieder aufgerollt, weil jene Batterien mit der Katastrophe der San Juan zu tun haben könnten. Beweise gibt es bisher keine. Beobachter allerdings fragen sich, wieso die Betriebssicherheit nicht vor dieser Fahrt kontrolliert wurde, wenn beim Umbau einst geschlampt worden sein soll.

Die Batterien könnten mit dem Unglück zu tun haben. Beweise gibt es keine

Nicht nur die Angehörigen der Vermissten sind außerdem entsetzt darüber, wie scheibchenweise Argentiniens Marine über die Katastrophe im Meer informiert. Ein Sprecher der Seestreitkräfte verkündete erst fast zwei Wochen nach dem Verschwinden der San Juan, dass der Kommandant zweieinhalb Stunden vor der Explosion einen Kurzschluss und Schwelbrand der Batterien im Bug des U-Boots gemeldet habe. Offenbar war Wasser durch ein Schnorchelventil eingedrungen. Die Marine hatte die Öffentlichkeit immer wieder mit Hinweisen auf "Kommunikationsprobleme" mit dem U-Boot abgespeist.

In einem anscheinend letzten Funkspruch hatte der Kommandant angekündigt, mit dem U-Boot in 40 Meter Tiefe abzutauchen, um den Schaden zu prüfen. In 380 Metern Tiefe orteten Sensoren der Internationalen Atombehörde danach eine Explosion von der Stärke von 5700 Kilogramm TNT, so die Zeitung La Nación.

Derweil wird der Meeresboden im vermuteten Gebiet der Tragödie mit Sonargerät und ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugen aus mehreren Ländern durchkämmt.

Marine stellt Suche nach U-Bootbesatzung ein

Es gehe nun nur noch um das Auffinden des Schiffes und nicht mehr um die Rettung der Crew, sagte ein Sprecher der argentinischen Marine. Der Kontakt zu dem U-Boot und den 44 Besatzungsmitgliedern war Mitte November abgebrochen. mehr...

Ein Sprecher von Argentiniens Marine sagt, es sei so schwierig, wie eine Zigarette auf einem Fußballplatz zu finden.