Anna-Teresa Tymieniecka Die Freundin des Papstes

(Foto: Getty Images / Eltaj Yuzbashev / CC-by-sa-3.0)

Mit ihr soll Papst Johannes Paul II. eine jahrzehntelange, innige Freundschaft geführt haben: Anna-Teresa Tymieniecka. Wer war diese Frau?

Von Viktoria Bolmer

Derzeit sorgt eine Dokumentation der BBC über die "intensive Freundschaft" zwischen Papst Johannes Paul II. und der Philosophin Anna-Teresa Tymieniecka für Schlagzeilen. Mehrere Hundert Briefe und Privatfotos dokumentieren die innige Freundschaft der beiden. Den Zölibat soll der Papst nicht gebrochen haben - die beiden verband vielmehr eine tiefe Verbundenheit über die Philosophie, der Tymieniecka ihr Leben widmete.

Geboren wurde Tymieniecka am 28. Februar 1923 in Marianowo in Polen. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte sie erst in Krakau und anschließend im schweizerischen Fribourg Philosophie. Dort verfasste sie auch ihre Doktorarbeit mit dem Schwerpunkt Phänomenologie, eine erkenntnistheoretische Strömung der Philosophie. Die Phänomenologie ließ die junge Studentin nie wieder los - die Forschung daran sollte zu ihrem Lebenswerk werden.

Karol Wojtyła besuchte die Philosophin zu Hause

Mitte der Fünfzigerjahre zog Tymieniecka in die USA und forschte und lehrte an unterschiedlichen Universitäten, unter anderem in Berkeley und Yale. In den USA lernte sie auch ihren Ehemann kennen: Hendrik S. Houthakker, Professor am Fachbereich Ökonomik in Harvard. Die beiden heirateten 1955 und bekamen zwei Söhne und eine Tochter. Gemeinsam lebten sie auf einer Farm in Vermont.

Dort besuchte sie 1976 auch der damalige Kardinal Karol Wojtyła - die beiden waren seit Beginn der Siebzigerjahre befreundet, Tymieniecka hatte sein Buch "Person und Tat" ins Englische übersetzt. Aus dem Briefwechsel über philosophische Fragen entwickelte sich schnell auch eine sehr emotionale und persönliche Korrespondenz.

Eine geschätzte Wissenschaftlerin

Im gleichen Jahr gründete die Philosophin das "World Phenomenology Institute", das seinen Sitz heute in Hanover, New Hampshire hat. Als ständige Präsidentin des Instituts organisierte sie Kongresse und Konferenzen mit philosophischen Schwerpunkten. Außerdem veröffentlichte sie die Buchserie "Analecta Husserliana: Das Jahrbuch der phänomenologischen Forschung", an dem auch Wojtyła, der ebenfalls einen Doktor in Philosophie besaß, mit ihr arbeitete.

Seit seiner Parkinson-Diagnose Anfang der Neunzigerjahre besuchte Tymieniecka ihren Freund regelmäßig bis zu seinem Tod 2005. Anscheinend beeinflusste ihre Beziehung zum Papst die eigene Ehe nicht: Der BBC zufolge pflegten ihr Ehemann und der Papst ein gutes Verhältnis. Houthakker beriet ihn in ökonomischen Fragen, dafür verlieh Johannes Paul II. dem Ehemann seiner Freundin sogar den päpstlichen Ritterorden.

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Tymieniecka wurde für ihre Forschung und ihr Engagement allgemein geschätzt. So bekam sie 2008 die Ehrendoktorwürde von der Universität in Bergen für ihre wissenschaftlichen Beiträge zur Phänomenologie verliehen. Sie verstarb am 7. Juni 2014 in den USA.