Amoklauf von Winnenden Opferfamilien fordern Killerspiel-Verbot

Die Hinterbliebenen der Opfer des Amoklaufs fordern in einem offenen Brief Konsequenzen. Derweil fand die Trauerfeier statt, an der auch Kanzlerin Merkel teilnahm.

Die Familien von fünf der beim Amoklauf von Winnenden getöteten Schüler haben sich in einem offenen Brief an Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) gewandt und Konsequenzen aus der Tat gefordert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger bei der Gedenkfeier für die Opfer des Amoklaufs.

(Foto: Foto: AP)

In dem Schreiben, das die Winnender Zeitung am Samstag veröffentlichte, appellieren sie an die Politiker, den Zugang für Jugendliche zu Waffen zu erschweren, Gewaltdarstellungen im Fernsehen einzuschränken, sogenannte Killerspiele zu verbieten, den Jugendschutz im Internet auszubauen und die Berichterstattung der Medien über Amok-Täter zu reglementieren.

Außerdem müsse die Politik für eine umfassende Aufarbeitung der Umstände, die zu der Tat am Mittwoch vergangener Woche geführt haben, sorgen, heißt es in dem offenen Brief. "In unserem Schmerz, in unserer Hilflosigkeit und in unserer Wut wollen wir (...) nicht untätig bleiben." Man wolle "mithelfen, damit es kein zweites Winnenden mehr geben kann."

Die Familien fordern deshalb eine Heraufsetzung der Altersgrenze, ab der Jugendliche in Schützenvereinen an Waffen ausgebildet werden dürfen. Derzeit könnten bereits 14-Jährige mit großkalibrigen Waffen schießen. "Bedenkt man, dass ein junger Mensch gerade in dieser Zeit durch die Pubertät mit sich selbst beschäftigt und häufig im Unreinen ist, so ist die Heraufsetzung der Altersgrenze auf 21 Jahre unerlässlich."

Insgesamt müsse man sich aber fragen, ob der Schießsport nicht gänzlich auf großkalibrige Waffen verzichten könne. Außerdem müsse der Gesetzgeber Verstöße gegen das Waffenrecht "deutlicher und stärker ahnden", heißt es in dem Brief.

Von den Fernsehsendern müsse verlangt werden, dass "die Zurschaustellung von Gewalt reduziert wird". Durch die Einführung einer "Gewaltquote" müsse der Anteil von Sendungen mit Gewaltdarstellungen in eine verbindliche Relation zur Gesamtsendezeit gestellt werden. Zudem sollten die Zeiten, in denen Kinder und Jugendliche fernsehen, generell gewaltfrei sein.

Auch bei der Berichterstattung über Gewalttaten müsse sich etwas ändern, forderten die Familien. Die umfangreiche Berichterstattung über die Person des Amokläufers führe zu einer "Heroisierung des Täters". Bei Gewaltexzessen wie in Winnenden müssten die Medien deshalb dazu verpflichtet werden, den Täter zu anonymisieren. "Dies ist eine zentrale Komponente zur Verhinderung von Nachahmungstaten", so die Unterzeichner des offenen Briefes.

Zehntausende Menschen gedachten an diesem Samstag in Winnenden der Opfer des Amoklaufs. Der Gottesdienst und der Staatsakt mit Bundespräsident Köhler in der St. Karl Borromäus Kirche werden live in der ARD und in zahlreiche Hallen und Kirchen im Rems- Murr-Kreis übertragen. Auch Bundeskanzlerin Merkel und Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger kamen nach Winnenden. Der 17 Jahre alte Amokläufer Tim K. hatte am 11. März 15 Menschen und danach sich selbst getötet.