Jetzt äußert sich die Geisel des Amokläufers von Winnenden: Igor Wolf saß mit Tim K. im Auto und hatte Todesangst. Der 17-Jährige sprach mit ihm über das Blutbad an der Realschule.
Der Amoklauf von Winnenden - vor einer Woche geschah die Tat, die die baden-württembergische Kleinstadt ins Chaos stürzte. Derzeit versuchen Bürger und Schüler, in den Alltag zurückzukehren, die Trauer zu bewältigen. Mit einer Schweigeminute hat Baden-Württemberg an diesem Mittwoch der Opfer gedacht. Der Amoklauf von Winnenden hat insgesamt 16 Menschen das Leben gekostet.
Winnenden und die Rückkehr in den Alltag: Wie die Stadt versucht, die Trauer zu bewältigen. (© Foto: dpa)
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Unterdessen hat sich erstmals die Geisel des Amokschützen zu Wort gemeldet. Nach der Bluttat an der Realschule zwang Tim K. einen Autofahrer, ihn ins nahe gelegene Wendlingen zu bringen. Der Autofahrer heißt Igor Wolf und hat sich nun im Stern geäußert.
Demnach habe er Tim K. auch nach den Motiven seiner Tat gefragt: "Warum machst du so einen Scheiß?" Ganz laut habe der geantwortet: "Aus Spaß, weil es Spaß macht."
Wolf wartete vor der Psychiatrischen Landesklinik Winnenden in seinem Auto auf seine Frau, als Tim K. die rechte Hintertür seines Autos aufriss, auf den Rücksitz sprang und ihm die Pistole ins Gesicht hielt. "Fahr schnell", habe der Amokschütze gesagt - und mit seiner Tat geprahlt. "Ich habe schon 15 Menschen umgebracht in meiner alten Schule, und das war für heute noch nicht alles."
Im Laufe der Fahrt habe K. mit der Waffe in der rechten Hand auf ihn gezielt und mit der linken Hand mehrere Ersatzmagazine für die Pistole aufgefüllt. "Er bereitet sich auf die nächste Schießerei vor, das ging mir durch den Kopf", wurde Wolf zitiert. "Wenn seine Eltern behaupten, der habe keine psychischen Probleme gehabt, dann muss ich sagen: Das habe ich ganz anders erlebt, der war irre."
Offenbar hat die Geisel des Amokläufers ein noch größeres Blutbad verhindert. Während der knapp zweistündigen Irrfahrt habe ihn Tim K. gefragt: "Meinst du, wir finden noch eine andere Schule?", zitierte ihn das Magazin. Geistesgegenwärtig habe Wolf das Thema gewechselt.
"Ich habe ihn zur Ablenkung gefragt, wo willst du denn hin, wohin soll ich dich denn fahren?" Wolf versuchte, den Jungen immer wieder zu beschwichtigen.
Dem Autofahrer gelang die Flucht auf einer Autobahnauffahrt, wo er seinen Wagen in den Grünstreifen lenkte und aus dem noch rollenden Fahrzeug auf eine Polizeistreife zulief. Tim K. setzte in Wendlingen sein Massaker fort. Er tötete dort zwei Menschen und verletzte zwei weitere schwer.
Weitere Beerdigungen
An diesem Mittwoch fanden weitere Beerdigungen der Opfer des Amokläufers statt: Auf dem Friedhof in Weiler zum Stein, in dem Ort, aus dem auch Tim K. kam, wurden zwei Schülerinnen beigesetzt, in Backnang die dritte Lehrerin.
Die Eltern eines Opfers machten den Vater des Täters unterdessen mitverantwortlich für das Verbrechen. "Wie kann der einfach eine Waffe im Schlafzimmer herumliegen lassen", sagte Gerd M. der Illustrierten Bunte.
Zu den 15 Opfern des Amokläufers sagte die Mutter der 24-jährigen Lehrerin: "Es sind viel mehr Menschen gestorben. Der Täter hat auch unser Leben vernichtet. Das Leben, das wir hatten, gibt es nicht mehr." Auch die Angehörigen der anderen Opfer seien alle aus der Bahn geworfen. Tim K. habe die erschossenen Lehrerinnen nicht gekannt und sich deshalb auch nicht an ihnen für "irgendetwas rächen können".
Die Eltern von Tim K. haben sich bei den Angehörigen der Opfer schriftlich entschuldigt: "Wir sind bestürzt und stehen weinend und stumm vor der unfassbaren Tragödie. Unser tiefstes Mitgefühl möchten wir den Opfern, Angehörigen und Freunden aussprechen." Gegen den Vater ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung.
Trittbrettfahrer verurteilt
Die zentrale Trauerfeier mit einem ökumenischen Gottesdienst in der katholischen St.-Karl-Borromäus-Kirche in Winnenden wird am Samstag auch in Hallen, Stadien und Kirchen und in umliegende Gemeinden übertragen. Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben ihre Teilnahme angekündigt. Sie wollen sich nach der Feier mit Angehörigen der Toten treffen.
Unterdessen verurteilte das Stuttgarter Amtsgericht einen Trittbrettfahrer in einem beschleunigten Verfahren zu fünf Monaten Haft auf Bewährung, berichtete eine Sprecherin. Der 24-jährige Mann kündigte am Tag der Bluttat im Internet eine ähnliche Tat an einer Berufsschule im benachbarten Waiblingen an.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
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(dpa/AP/hai)
Studie von UN-Kinderhilfswerk
"Der Junge" hat die Grenzen zwischen Realität und Spielszenario aus den Augen verloren. Das kann geschehen, wenn für Heranwachsende die Spielwelt zum Mittelpunkt ihres Lebens wird. Es gibt noch viele damit allein gelassene junge Menschen und wir können nur ahnen, wie viele Zeitbomben bereits ticken.
Der Junge war irre. Definitiv.
Ich glaube nicht, dass der Junge irre war. Es ist die heutige, aufgeheizte Zeit, die solche Exzesse hervorbringt. Es ist die Fehlinformation einer gierigen, konsumorientierten, oberflächlichen Gesellschaft, die es versäumt hat ihren Jugendlichen Werte zu vermitteln. Und genau die, die all das in großem Umfang mit zu verantworten haben, spielen sich nun als selbstgerechte Retter und Seelsorger auf!
Ihre sich wiederholenden Verschwörungs-Hinweise unter Bezugnahme der erstklassigen und international höchst renommierten Webseite infokrieg.nine.ch (!) sind schon sensationell. Dabei wissen wir doch längst, wer wirklich hinter diesen Taten stand: die lesbischen Na.zi-Aliens ...
entweder zu viele schlechte Filme gesehen oder zu viel Computer gespielt. Im wirklichen Leben ist das nämlich nicht so infach - da gibts keinen "Marker" auf der Karte der die Position vom Gegner anzeigt. Im wirklichen Leben ist auch beim Durchschnittspolizisten der Selbsterhaltungstrieb soweit ausgebildet dass er nicht ballernd aus der Deckung stürzt um einen bewaffnetetn und total unberechenbaren "Feind" zu stoppen. Im wirklichen Leben ist das alles was in den Medien als so einfach dargestellt wird oft gar nicht so leicht...
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